Die aktuellen Zeiten sind für die Pflege von Brauchtum und Kultur sehr herausfordernd. In Frauenaurach findet der von der Grundschule organisierte traditionelle Laternenumzug am 11. November nicht statt. Der Arbeitskreis Frauenaurach im Heimat- und Geschichtsverein Erlangen möchte daher an dieser Stelle an diesen Brauch und die damit verbundene Tradition erinnern.

Wer ist dieser Pelzmärtel? Kurz: Der Pelzmärtel ist der fränkische Nikolaus. Im evangelischen Franken ging man ganz vom Nikolaus und dem 6. Dezember ab. Man besann sich auf den letzten Tag vor der Weihnachtsfastenzeit. Das war Martini, der 11. November, auch Martinstag genannt. An Martini endete für Knechte und Mägde das Arbeitsjahr. Sie wurden von ihren Dienstherren ausbezahlt und beschenkt. Am Tag danach begann die sechswöchige Adventsfastenzeit, in der man kein Fleisch mehr essen durfte. Deshalb wurden an Martini viele Gänse geschlachtet. Die feinen Federn (Daunen) nutzte man für die Bettdecken im Winter. Noch heute ist es in vielen Familien Tradition , an Martini Gänsebraten zu essen.

Da Mägde und Knechte an diesem Tag beschenkt wurden, wollte man gleichzeitig auch die Kinder beschenken. Dazu suchte man eine Respektsperson, die die Kinder mit Süßigkeiten belohnte, wenn sie brav gewesen, oder bestrafte, wenn sie böse gewesen waren. Man orientierte sich an alten Waldschraten, die früher in den Wäldern die bösen Wintergeister vertreiben sollten. Ein Waldschrat sah böse aus und konnte auch kräftig zuschlagen. Ein altes Wort für schlagen ist „pelsen“. So wurde aus dem furchteinflößenden „Pelser“, vereinigt mit dem Wohltäter St. Martin („Märtel“), der Pelzmärtel. Gleichzeitig verehrte man mit St. Martin auch den Namenspatron Martin Luthers .

Im Jahr 1984 wurde in Zusammenarbeit des Museums und der Grundschule Frauenaurach für den 11. November ein Laternenumzug ins Leben gerufen. Seither kommen die Schüler in einem Laternenzug von der Schule zum Herdegenplatz, wo sie von Martin im Pelzmärtel-Mantel auf einer Bühne empfangen werden. Die Schule hat dazu das Thema „So wie Martin will ich sein“ eingeführt. Deshalb kommen Schüler in kleinen Gruppen auf die Bühne und erzählen dem Martin-Pelzmärtel von ihren guten Taten. Sie singen fröhlich und mit Begeisterung bekannte und neue Laternen-Martinslieder.

Dieser Abend war zu einem besonderen Ereignis und zu einer lieb gewordenen Tradition geworden, zu deren Gelingen neben der Schule auch viele örtliche Vereine durch ihre Hilfe beitrugen. Eine besonders festliche Note erhielt die abendliche Veranstaltung durch den Frauenauracher Posaunenchor. Heuer fällt dieser wiederbelebte Brauch mit Laternenumzug aufgrund der Covid-19-Pandemie aber aus.

Das Musem im „Amtshausschüpfla“ hat zu diesem Thema jedoch einen Beitrag erarbeitet, der auf der Homepage zu sehen ist. Auch ein Kurzfilm zu diesem Brauch ist auf www.museum-schuepfla.de/pelzemärtel/ abrufbar.

Das Museum im „Amtshausschüpfla“ ist ein kulturhistorisches Museum . Es vermittelt den Besuchern, wie Menschen vor hundert Jahren in und um Frauenaurach gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. In Küche, Stube und Schlafkammer erlebt man die damalige Wohnsituation in einem einfachen Haus. Im Erdgeschoss ist stellvertretend für frühere Handwerke eine Schuhmacherwerkstatt eingerichtet. red