"Vielen Herzogenaurachern ist nicht bewusst, dass sie einen Anspruch auf Wohnungsförderung auf der Herzo Base hätten", so lautete der Konsens aus der jüngsten Sitzung des Kultur-, Bildung- und Sozialausschusses. Thema der Sitzung war unter anderem der Bericht der Koordinierungsstelle Wohnraum, der einen Überblick über die Wohnungen in den beiden bereits bebauten Abschnitten der Herzo Base geben sollte.

Marcus Neeser ist seit drei Jahren für die Vermittlungsstelle tätig, berät Bürger bei Fragen zu den Förderprogrammen und koordiniert die Vergabe der Wohnungen. Im Bauabschnitt Herzo Base II konnten im Frühjahr 2020 laut seiner Statistik 120 Wohnungen in der Aristide-Briand-Straße bezogen werden, darunter 47 Wohnungen, die eine einkommensorientierte Förderung (EoF) erhalten.

Wer Anspruch auf eine EoF-geförderte Wohnung hat, sei ganz leicht zu berechnen, erklärt Marcus Neeser: "Wenn Interessierte zu einem Beratungstermin zu mir kommen, lese ich anhand des Einkommens und der Hausstandsgröße in einer Tabelle ab, in welche Förderungsstufe die Wohnungssuchenden einzuordnen sind." Stufe 1 sieht eine eigene Mietbelastung von 4,80 Euro pro Quadratmeter vor, pro Stufe steigt dieser Preis um einen Euro. Das Problem sei, dass viele Bürger annehmen würden, ihre Arbeitsverhältnisse entsprächen dem Standard und sie kämen somit für eine Förderung gar nicht infrage. "Das stimmt so aber nicht ganz, weil auch eine Familie mit einem voll- und einem teilzeitbeschäftigten Elternteil in die Stufe 3 fallen kann, beispielsweise wenn sie drei Kinder haben", weiß der Experte.

Bezug bis Mai 2021

Deswegen seien die Beratungsstelle und die Vollzeitstelle von Neeser so wichtig, betonte auch Bürgermeister German Hacker ( SPD ). Bis Mai 2021 sollen nun auch die Wohnungen in der Carl-von-Ossietzky-Straße bezogen werden, 32 preisgebundene und 31 EoF-geförderte Objekte stehen hier zur Verfügung. "Natürlich achtet die Stadt bei der Vergabe der Wohnungen darauf, Herzogenauracher Bürgern den Vorzug zu gewähren", versicherte der Bürgermeister dem Kulturausschuss.

Alle Wohnungen seien barrierefrei mit Aufzug und ebenerdigen Eingängen gebaut worden und einige wenige seien rollstuhlgerecht gestaltet. "Da hatten wir zwar nur zwei ausgeschrieben, aber die waren gar nicht so leicht loszukriegen", erinnert sich Marcus Neeser.

Pro Halbjahr bearbeitet er in der Koordinierungsstelle zwischen 60 und 80 Anfragen. Seit seinem Arbeitsbeginn vor drei Jahren habe er 403 Anfragen erhalten, hinter denen 873 Personen standen. Etwa 90 Prozent der Interessierten seien aus Herzogenaurach oder hätten eine Verbindung zur Stadt , etwa durch Arbeit, Familie oder Kinder. Hauptsächlich Menschen mit Migrationshintergrund, alleinerziehende Mütter , Menschen in Rente und Menschen mit einer Behinderung suchen Marcus Neeser auf. Wenn "Herzogenauracher nach Herzogenaurach ziehen", also vom Stadtgebiet auf die Herzo Base, ist Neeser auch zur Stelle, um frei werdende Wohnungen im "alten" Herzogenaurach weiterzuvermitteln.

Trotz seiner Bemühungen sind 280 seiner Anfragen noch offen. "Das ist keine kleine Zahl", weiß Neeser, "aber 25 Prozent meiner Anfragen habe ich bisher vermittelt und wir haben Menschen ein Zuhause in Herzogenaurach ermöglichen können." Das sei auch viel wert. Nach den Bezügen im Mai stünde außerdem leider eine etwa dreijährige Pause bevor, denn erst dann könne man sich mit dem dritten Bauabschnitt beschäftigen. Der Kulturausschuss schien sich einig, dass in dieser Zeit die Stadt an anderen Wegen arbeiten solle, Wohnungsnot zu mindern und Alternativen zu fördern.