Ludwig Orel aus Herzogenaurach hat beim internationalen Orgelwettbewerb an der historischen Gabler-Orgel in Ochsenhausen (Landkreis Biberach) den zweiten Preis gewonnen. Beim Preisträgerkonzert beeindruckte Ludwig Orel mit Jazzimprovisation an der von Joseph Gabler zwischen 1728 und 1755 erbauten und überarbeiteten Orgel in der St.-Georgskirche von Ochsenhausen.

Zwei Wochen lang trafen sich 36 ausgewählte junge Pianisten , Komponisten und Organisten aus aller Welt zur 16. internationalen Sommerakademie im Kloster Ochsenhausen (Baden-Württemberg). In allen drei Disziplinen wurden die Musiker täglich unterrichtet, aufgeteilt auf mehrere international renommierte Professoren. Jede Disziplin endete in einem eigenen Wettbewerb.

Die zwölf Organisten aus acht Nationen hatten zunächst ihren Wertungsvortrag an der Gabler-Orgel. Dieses historische Instrument – sein Erschaffer war Orgelbauer und Schreiner – besticht nicht nur durch seine Größe mit vier Manualen (Tastenreihen), was für diese Zeit sehr ungewöhnlich ist, sondern auch durch seine herausragende Architektur. Der prunkvolle Orgelprospekt schmiegt sich oval angeordnet neben die Fenster des Ostchores. Ein weiterer Teil der Orgel, das Brustpositiv, ziert die Empore.

Für den Wettbewerb mussten die Teilnehmer aus bestimmten Werken frühbarocker Komponisten ein Pflichtstück spielen. Ludwig Orel entschied sich für die vertrackte „Toccata septima“ aus Georg Muffats (1653-1704) „Apparatus musico Organisticus“, die er zu Beginn vortrug. Den Rest des 30-minütigen Vortrages durften die Musiker selber festlegen. So führte Orel in rasantem Tempo den dritten Satz der „Triosonate in e-Moll“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750) auf, um dann mit Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) „Adagio und Allegro in f–Moll für eine Orgelwalze“ ein prächtig virtuoses Stück erklingen zu lassen.

Das Finale seines Wettbewerbsbeitrag bildete eine facettenreiche Jazzimprovisation mit rhythmisch perkussiven Teilen, Swing mit rasanten Läufen in Händen und Füßen und balladenähnlichen Strukturen.

Der gesamte Vortrag überzeugte die Juroren. Doch auch die vergangenen beiden Jahre waren für Ludwig Orel, der seit Oktober 2021 Konzertfach Orgel an der Musikhochschule Regensburg studiert, nicht ohne spannende Inhalte. Ein Bundespreis ermöglichte ihm die Teilnahme am „Wochenende der Sonderpreise“, wo er im September 2021 wie bereits 2018 einen Sonderpreis im Fach Orgelimprovisation errang.

Da Ludwig Orel sich mittlerweile immer mehr mit der Improvisation, also dem Spiel ohne ausgeschriebene Komposition, beschäftigt, ist sie auch inzwischen kreativer Bestandteil seiner Konzerte, die unter der Überschrift von „Bach bis Jazz“ viele Zuhörer anlocken. Dabei spielt er grundsätzlich einen der 18 von Johann Sebastian Bach komponierten Triosonatensätze, die zu den schwersten Werken der Orgelliteratur zählen.

Konzert in der Frauenkirche

Je nach den Möglichkeiten der Orgel erklingen dann Werke seines weit gefächerten Repertoires von Barock bis Moderne. Aber stets ist die Improvisation in klassischer und in Jazzform ein Bestandteil seiner Konzerte. Wer Ludwig Orel und seine Musik live erleben möchte, hat dazu am 10. Dezember in der Frauenkirche in Nürnberg um 12.15 Uhr bei seinem Konzert der „Adventsmusik zum Männleinlaufen“ die Möglichkeit. red