Georg Römer aus Höchstadt ist Kellerbruder – und Zeitzeuge. Er erinnert sich an seine Kindheit und daran, was damals in den Kellerhäuschen am Höchstadter Kellerberg an Speis’ und Trank aufgetischt wurde. Er erzählt:

„Als es auf dem Kellerberg noch ein Wirtshaus ab, war es nicht unüblich, in den einzelnen Kellergemeinschaften in den Monaten mit „r“ eine Karpfen-Partie abzuhalten. Man lieferte seine Teller beim „Webers-Paul“ ab und holte diese nach ausgemachter Zeit beladen mit einem köstlichen gebackenen Karpfen wieder ab und verspeiste diesen in den einzelnen Kellerhäuschen bei eigenem Kellerbier mit Genuss und guter Unterhaltung. Essensabholung über die Straße, Karpfen „to go“, ist also keine Erfindung der letzten Jahre.

Früh um 4 Uhr am Weiher

Viele Jahre lang in den 1950er/1960er Jahren bat der Gastwirt vom Kellerberg meinen Großvater Ende Oktober, Anfang November, bei der Karpfenernte in seinen Weihern im Lohfeld mitzuhelfen. Früh um 4 Uhr trafen sich die Helfer an den Weihern. Mein Großvater und ich waren natürlich oft zu dieser ungemütlichen und kalten Tageszeit mit dabei. Der Mönch wurde ja schon am Vorabend gezogen. In der Fischerhütte brannte im Kanonenofen schon ein wärmendes Feuer und die Helfer tranken zu dieser frühen Stunde ihr erstes Zwetschgenwasser .

Die Bestrafung eines „Freggers“

Auch mein Freund Rudi – also nicht der Rudi, sondern der andere Rudi vom Kellerberg – war auch schon da. Der Rudi war ein echter „Fregger“ und trieb so manchen Schabernack. Man konnte viel von ihm lernen. Einmal pinkelte er in die vor der Hütte abgestellten Gummistiefel, wurde aber dabei erwischt und von zwei kräftigen Männern in den morastigen Weiher geschmissen. Als er nach dieser rezeptfreien Kneipp-Kur bibbernd und blaugefroren wieder aus dem Weiher heraufkroch, bekam er ebenfalls noch eine krankenkassenfreie Reha-Maßnahme: Er musste den ganzen Vormittag in der Weiherhütte Holz auflegen, damit das Feuer im Ofen nicht ausging. Das tat ihm gut. Irgendwann hörte er auf zu zittern. Meine Aufgabe bei der Karpfenernte war, die Karpfen und Schleien die flüchten wollten, wieder in die Wannen und Auffangbehälter zurück zu schmeißen. Geld gab es für die Arbeit der Helfer nicht, aber es bekam jeder frischen Fisch mit nach Hause.

Und was ist heute auf den Kellern los? Auf dem Kellerberg gibt es kein Wirtshaus mehr. Der Gipfel ist vollgepackt mit grauen Häusern und anonymen Bewohnern. Aber leider war der Kellerberg schon vor der Corona-Zeit ein Geisterberg. In den wenigsten der vor Jahren schön hergerichteten Kellerhäuschen ist noch echter Betrieb.

Wenig Leben am Kellerberg

Viele Besitzer nutzen diese nicht mehr und geben sie aber auch nicht an Interessierte zur Nutzung frei. Wenn der Kellerbergverein nicht wäre und wenigstens einmal in der Woche für Leben sorgen würde, könnte man annehmen, in einer Eremitage ist mehr los. Warten wir also auf eine virusarme Zeit.“ red