„Wie weit kann man Wasser mit einem Eimer werfen?“ Eine Frage, die Georg Zipfel in seinem Vortrag den aufmerksamen Zuhörern stellte. Sicher hatten sich viele von ihnen noch nie mit dieser Problematik beschäftigt. Für den Schlüsselfelder Altbürgermeister Georg Zipfel war „die Geschichte hinter der Geschichte“ das eigentlich Spannende an seinem Vortrag zum 150-jährigen Jubiläum der Schlüsselfelder Feuerwehr .

„Am Anfang war der Löscheimer“ könnte als Titel über dem Vortrag stehen, für den Zipfel Interessantes und Kurioses aus 150 Jahren zusammengetragen hat. Im März 1871 wurde die Schlüsselfelder Feuerwehr gegründet. „Ein Protokollbuch und ein Schuhkarton voll mit Bildern“ standen dem Chronisten zur Verfügung. Zipfel wollte aber eines vermeiden: Eine Wiederholung dessen, was ohnehin in den Protokollen nachzulesen ist. Natürlich nahm er sich auch der Geschichte an. Beispielsweise, dass der Brandschutz ursprünglich beim Militär angesiedelt war und die französischen „Pompier Corps“ – Pumpen-Corps – nach 1840 auch hierzulande Nachahmung fanden.

Dreiste Heuchelheimer

Kurzweiliger waren die Begebenheiten vor Ort oder aus der näheren Umgebung. Dazu zählt auch ein Chronikeintrag, der davon Kenntnis gibt, dass die Heuchelheimer (Ortsteil der Stadt Schlüsselfeld ) „die Grobheit begangen haben, die Schlüsselfelder Löschmaschine zu pfänden“. Wohlgemerkt nach einem Einsatz in Heuchelheim.

Einschneidende Brände in der Geschichte der Wehr warfen vor allem eine Frage auf: Wie sind die Wehren an den Brandort gekommen? 1875 etwa, als die Schlüsselfelder der Burgebracher Wehr zu Hilfe eilten. Allein für den Weg brauchte die Wehr drei Stunden! War da nicht alles schon zu spät ?

Die Altstadt in Flammen

Auskunft gibt die Chronik auch über einen Großbrand , der im Jahr 1915 in der Altstadt wütete. Wobei die Aufzeichnungen von Pfarrer Weißenberger mit Vorsicht zu lesen sind. Der Stadtpfarrer berichtet über eine neue Spritze, „die aber niemand behandeln konnte“. „Stimmt nicht“, hatte Zipfel bei seinen Recherchen festgestellt. Jedoch dürfte der Wahrheit entsprechen, dass dem Riesenschaden, den das Feuer angerichtet hatte, schon bald Neubauten folgten. „Die Hauptstraße hat durch die Neubauten viel gewonnen“, berichtet der Pfarrer. Das ganze Ausmaß des Brandes wird anhand der historischen Fotografien deutlich.

Überhaupt die alten Fotodokumente: Sie zeigen die Uniformen und Helme der ersten Feuerwehraktivisten, die in militärischer Art und Weise durch die Altstadt marschieren. Völlig baumfrei präsentiert sich der Marktplatz. Ein Foto zeigt eine Übung, bei der die Kameraden nur mittels einer Holzleiter in höchste Höhen steigen.

Ein erster Film aus dem Jahr 1956 präsentiert Aufnahmen vom 85-jährigen Gründungsfest mit Fahnenweihe. Ein nachfolgender „Imagefilm“ macht deutlich, dass die Schlüsselfelder Wehr „auch nach außen sehr präsent war“. In den 1970er Jahren muss nach Zipfels Worten das Foto von den Feuerwehrschläuchen entstanden sein. Die Hanfschläuche wurden zum Trocknen einfach aus dem oberen Bereich des Stadttores gehängt.

Abenteuerliche Fahrten

Obwohl es „hoch modern ausgestattet“ war, sei das erste Feuerwehrfahrzeug „abenteuerlich“ zu fahren gewesen, weiß Zipfel. Auch die damaligen Schutzanzüge entsprachen in ihrer Funktion kaum dem, was man sich heute darunter vorstellt. „Sie waren weder wasserdicht noch brandsicher. Wir waren schon froh, dass wir wenigstens Helme hatten“, kommentiert der einstige Bürgermeister aus eigener Erfahrung. Bis zur Einweihung des neuen Feuerwehrhauses im Jahr 2017 war es noch ein langer Weg. Dabei lässt er im Vortrag auch die „feierfleißige“ Seite der Feuerwehr zu Wort kommen.

Für Thomas Messingschlager, den Vorsitzenden der Schlüsselfelder Feuerwehr , sind „die Menschen, die mit ihrem Einsatz hinter der Feuerwehr stehen und die auch das gesellschaftliche Leben der Stadt geprägt haben“, das Wichtigste an dieser Einrichtung überhaupt. So habe sich auch „der wohl umfangreichste Einsatz in der Geschichte der Wehr“ unvergesslich eingeprägt: Acht Schlüsselfelder Feuerwehrler waren Teil des Hilfskontingents aus dem Landkreis nach der Flutkatastrophe im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler.