Denkt der Pilzfreund an Pilze , dann zumeist an den beliebten Pfifferling, den Champignon oder - zum Herbst hin - an den hochgeschätzten Steinpilz, an Maronen und Rotkappen. Dass es auch im Winter Pilze gibt, die zudem noch ganz köstlich schmecken, weiß der Höchstadter Biologe Hans Krautblatter.

Dennoch sah er sich schon vor einigen Jahren staunend einem Exemplar gegenüber, das er zunächst nicht einzuordnen vermochte. Ein ebenso passionierter wie kenntnisreicher Pilzfreund aus Adelsdorf hatte die ihm unbekannte Pilzgruppe auf einem Grundstück "mit ursprünglicher Vegetation" entdeckt.

Nähere Untersuchungen erbrachten, dass es sich dabei um den "Kräuterseitling", einen Verwandten des Austernseitlings handelte. Ein Blick auf die "Roten Listen" zeigte auch bald, weshalb die Pilzkundigen bei der Bestimmung passen mussten. Bereits 1990 als "sehr selten" eingestuft, galt die Spezies zwanzig Jahre später als "in Bayern seit Jahren verschollen".

"Nicht aber in Adelsdorf", sagt Krautblatter, der natürlich den Standort des Kräuterseitlings nicht preisgibt.

Sehr selten und schmackhaft

Gegen Ende des Jahres 2020 hatte der Adelsdorfer Pilzfreund wiederum ein prächtiges Exemplar des Kräuterseitlings gefunden und den Krautblatters überlassen. Der Lamellenpilz habe einen trichterförmigen, rundum gekrempelten Hut, erklärt der Biologe anhand des Fotos. Die Farbe des Hutes könne sehr unterschiedlich sein - von weiß über grau bis braun, mitunter sogar "gescheckt", also von dunkleren Punkten gezeichnet. Die Lamellen der Hutunterseite weisen deutliche "Querverbindungen" auf. Das Fleisch bezeichnet Krautblatter als "zweckig", ähnlich dem des Pfifferlings.

Der Pfarrer Adalbert Ricken, nach Krautblatters Worten "ein begnadeter Feld-Mykologe", beschreibt den Kräuterseitling in seinem 1910 erschienenen Pilzbuch als "von angenehmem Geschmack, sehr aromatisch, deliciös". Damit lasse er den Austernseitling weit hinter sich. Hans Krautblatter und seine Frau Ursula, die den Pilz zubereitete, bestätigen dies. "Unter den etwa hundert Speisepilzen, die wir bereits getestet haben, nimmt der Kräuterseitling einen Spitzenplatz ein", lautet ihr Urteil. Aber auch wenn sich diese besondere Rarität in ihrem Garten noch nicht angesiedelt hat, können die Krautblatters auch in der kalten Jahreszeit Pilze genießen. An milden Wintertagen breitet sich auf morschen Scheiben von Kastanienbäumen der Austernseitling aus. In dieser Saison, die im Spätherbst beginnt und bis zum Frühjahr reicht, sei es bereits die dritte Generation am gleichen Standort.

Selbst jetzt unter dem frischen Schnee kann der Biologe noch Austernpilze finden, die allerdings nicht mehr genießbar sind. Doch sie werden wiederkommen - sobald die Temperaturen etwas milder werden, da ist Krautblatter sicher.

Transparente Rarität

Und noch eine Rarität findet sich in seinem Garten: Das "Judasohr", laut Krautblatter eigentlich die sogenannte "Chinesische Morchel". Sie wächst mit Vorliebe auf alten Holunderstämmen. Wer den gallertartigen Pilz nicht unbedingt essen möchte, sollte wenigstens seine Schönheit bewundern. Besonders im Gegenlicht besticht er durch seine Transparenz.