Zum Thema "Draufzahlgeschäft" im Kreiskrankenhaus ging in der Redaktion dieser Leserbrief ein:

Da ein Gemeinderat und Bundestagskandidat aus unserem Landkreis dem Höchstadter Krankenhaus Ineffizienz vorwirft, sollte man aber erstmal klären wo dieses " Draufzahlgeschäft" herkommt.

Das Krankenhaus mit seiner Tradition, die bis in das Jahr 1513 zurückgeht, wurde von Seiten der Politik, unter anderem auch von Seiten des Krankenhausplanungsausschusses des Landtages in München, in diese Lage gebracht. In den 40 Jahren, die mich beruflich mit dem Krankenhaus verbanden, kann ich mich noch gut an die Entbindungsstation und später an die Dialyse-Abteilung, die sehr gut angenommen wurden, erinnern. Dann wurde das Krankenhaus von der untersten wirtschaftlichen Größe von 120 auf nun 80 Betten heruntergestuft.

Jährlich wurden etwa 3200 Patienten stationär und circa 5000 Patienten ambulant versorgt. Durch die baulichen Hindernisse in der Umbauphase in den letzten vier Jahren wurden natürlich die Belegungszahlen heruntergeschraubt.

Wer legt sich schon gern in ein Krankenhausbett, wenn nebenan der Boschhammer tobt. Da muss man schon sehr hilflos sein oder man geht in ein anderes Haus.

Die Haushaltszahlen werden bestimmt anders aussehen, wenn das Krankenhaus wieder seinen Normalbetrieb aufnehmen kann. Bei der derzeitigen Pandemie-Situation werden die Krankenhäuser aufgefordert, Kapazitäten freizuhalten und nicht dringend notwendige Operationen zu verschieben. Da kommt es des Öfteren vor, dass meist ältere Notfallpatienten aus Pflegeheimen von größeren Kliniken unserer Umgebung nicht angenommen werden und dann völlig entnervte Sanitäter in Höchstadt noch Zuflucht für die ihnen anvertrauten Patienten finden, trotz derzeitiger Personalüberlastung im Krankenhaus St. Anna.

Ich denke mir auch, warum nicht die Frage aufkommt, wie viele Millionen auf die Planschbecken ( Freibäder , Hallenbäder usw.) unserer Kommunen draufgezahlt werden? In Höchstadt etwa zwei Millionen. Fürs Kreiskrankenhaus 1,8 Millionen im Jahr, und das wird sich im Normalbetrieb bestimmt wieder verbessern.

In der Jugendhilfe zahlt der Landkreis für vernachlässigte Jugendliche - wie ich erfahren habe - 15 Millionen Euro jährlich, und das will ich aber gar nicht infrage stellen.

Wenn also so kleine Häuser mit der Zeit abgewürgt werden, kann ich mir das Gejammere gut vorstellen, wenn sich einer beim abendlichen Brotzeitmachen tief in den Finger geschnitten hat und zum Nähen und Verbinden noch 20 bis 30 Kilometer in die nächste Klinikambulanz fahren darf.

Aber noch was Gutes hat das Krankenhaus St. Anna: In meiner Tätigkeit als Hilfsmittel-und Pflegeberater bin ich in ganz Franken herumgekommen und habe auch in vielen Krankenhäusern in der näheren und weiteren Umgebung zu Mittag gegessen. An das Höchstadter Krankenhaus-Essen kommt keine Klinik heran und vom Essen verstehe ich was!

Georg Römer, Höchstadt