Dass der Erntesegen aus dem Garten für die kalte Jahreszeit haltbar gemacht wurde, war für die Generation unserer Großeltern noch selbstverständlich. Aus diesem Grund war das Einkochen und Einmachen im Sommer und Herbst angesagt. Eine Gemeinschaft aus sechs Familien in Hannberg hat sich seit etwa 15 Jahren wieder darauf besonnen und konserviert Gurken für den Verbrauch im laufenden Jahr.

Selber einlegen macht Spaß

Angefangen hat diese Aktion eher klein, mit den Gurken aus dem eigenen Garten. Das Rezept zum Einmachen stammt von Elfriede Friedl, einer geborenen Ort aus Dannberg. Aber ganz schnell nahm die Aktion umfangreichere Formen an, so dass zugekauft werden musste. Die selber eingemachten Gurken waren ganz einfach zu gut. Großen Wert legen die Aktiven darauf, dass nur Bestandteile aus der Region zum Einsatz kommen. Am Morgen gegen 6.15 Uhr fuhr eine Truppe mit dem Auto nach Gerolzhofen, um in einem Gartenbaubetrieb 250 Kilogramm Gurken einzukaufen, gegen 8 Uhr waren sie wieder in Hannberg angelangt. Zum Einmachen werden außerdem 25 Kilogramm Zwiebeln und 25 Kilogramm „Gelbaruum“ benötigt.

Die Gurken werden in Hannberg nochmals gewaschen, die Blütenansätze und die Stiele entfernt, anschließend die „Kümmerlinge“ geviertelt und danach mit den gelben Rüben und den Zwiebeln in die Gläser eingefüllt. Dazu kommt noch eine Gewürzmischung aus Röttenbach. Auf diese schwören die Hannberger, es gibt ihrer Meinung nach nichts Besseres.

Regional ist auch der Branntweinessig aus Scheinfeld für den Sud zum Einkochen. Von dem Essig mit fünf Prozent Säure werden 100 Liter benötigt, aus denen mit einem Quantum an Zucker und Salz sowie Wasser rund 220 Liter Sud hergestellt werden. Insgesamt können damit 700 bis 750 Gläser befüllt werden. Diese Schraubgläser werden in den Familien das ganze Jahr über gesammelt. Da im Laufe der Zeit die Dichtfähigkeit der Deckel abnimmt, ist es besser, nach einigen „Durchgängen“ neue Deckel zu kaufen, um sicherzustellen, dass nichts ausläuft. Es wäre schade, wenn der aufwendig eingemachte Inhalt verderben würde.

Die Arbeitsabläufe sind inzwischen gut eingespielt, es funktioniert alles, denn jeder hat seinen Arbeitsbereich, beim Putzen, Einfüllen und beim Einkochen. Angela Windisch-Essl notiert jedes Jahr die Bestandteile in einem Buch, um daraus für die folgenden Jahre die benötigten Mengen berechnen zu können. Von einer kleineren Menge mixen die Hannberger eine scharfe Variante mit Chili zusammen. Damit sie mit den süßsaueren Gurken nicht verwechselt werden können, sind die Schraubgläser mit andersfarbigen Deckeln verschlossen, nämlich mit roten.

Zum Einkochen kommen sechs Töpfe zum Einsatz, darin werden jeweils 18 befüllte Gläser auf 80 Grad erhitzt und dann zehn bis zwölf Minuten die Temperatur gehalten. Stefan Essl macht gewissenhaft „Buchführung“, wann welcher Apparat befüllt wurde und wann er wieder geleert werden kann.

Nach dem Abkühlen werden die Gläser verteilt und bei den Familien kühl und dunkel gelagert, damit das ganze Jahr über hausgemachte Gurken auf den Brotzeittisch kommen. Und nächstes Jahr geht es wieder los …