Bürgermeister German Hacker ( SPD ) freute sich am Montagvormittag über einen "wirklich spannenden Tag." Kurz bevor er den Start des Planfeststellungsverfahrens für die Südumfahrung bekanntgeben durfte, hatte er noch ein paar lobende Zeilen zu einem Großvorhaben von Schaeffler verfasst (Bericht Seite 15). Beide Anlässe stehen in einem direkten Zusammenhang, profitieren doch vor allem die Beschäftigten des größten Arbeitgebers von Herzogenaurach und im Landkreis von dem Straßenprojekt.

Hacker gab bei einem Pressegespräch im Sitzungssaal bekannt, dass die Regierung von Mittelfranken jetzt das Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Ortsumfahrung Niederndorf-Neuses eingeleitet hat. Ab dem 8. März liegen die Planunterlagen im Bauamt im Interimsrathaus der Stadt Herzogenaurach öffentlich aus und können von den Bürgern bis zum 7. April eingesehen werden. Außerdem werden die Unterlagen auf der Webseite der Regierung veröffentlicht.

Das Planfeststellungsverfahren selbst dauert etwa eineinhalb bis zwei Jahre, stellte Bauamtsleiterin Silke Stadter fest. Mitte des vergangenen Jahres hatte die Stadt die umfangreichen Unterlagen an die Behörde in Ansbach übergeben. Sieben Ordner füllen all diese Daten . Begonnen hatte das Vorhaben mit den Voruntersuchungen und der Ermittlung der Machbarkeit. Dann ging es ins Raumordnungsverfahren, bei dem die Vorzugstrasse gefunden und festgelegt wurde. Es sei für seine Mitarbeiter ein erheblicher Aufwand gewesen, sagte Hacker und lobte namentlich seine Bauamtsleiterin, die "unzählige Stunden" in das Projekt gesteckt habe.

Der Bürgermeister stellte heraus, dass dem Verkehrsgutachten selbstverständlich aktuelle Zahlen zugrundeliegen. Damit nahm er noch einmal kurz Stellung zu "abwegigen Äußerungen" der Stadtratsfraktion der Freien Wähler . Das Gutachten habe einen Horizont bis 2035, ergänzte Bauamtsleiterin Stadter. Es sei auch im Internet veröffentlicht. Die Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit der Straßenbaumaßnahme. Stadter: "Wir wissen, was mit dem Verkehr passiert, wenn wir keine Umgehung bauen."

Tausend aus Fürth

Auch Hacker verdeutlichte die Notwendigkeit dieser Straße, die seiner Meinung nach eigentlich längst hätte gebaut werden sollen. Freilich bedeute so ein Projekt auch Flächenverbrauch, aber man müsse das mit dem verkehrlichen Nutzen abwägen. Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts , das auch die Großstadt Nürnberg betreut, hätten ihm gesagt: "Die Ampel in Niederndorf ist die schlimmste Ampel im ganzen Gebiet".

Das "Schlimme" an der Ampel ist ganz offenbar, dass man dort nicht nur ein Ost-West-Problem habe, sondern auch ein Süd-Nord-Problem. Diese Geometrie in Niederndorf blockiere schlicht alles, auch den Busverkehr. Damit könne das Problem nicht gelöst werden.

Und wenn Schaeffler jetzt mit dem Bau eines Zentrallabors (Seite 15) ein Bekenntnis zu Herzogenaurach ablegt, dann erfordere das auch eine entsprechende Verkehrsentwicklung. Wichtig sei da auch das Fürther Gebiet. Von dort kommen laut Hacker rund eintausend Einpendler, die bei Firmen in Herzogenaurach beschäftigt sind.

Die so genannte Südumfahrung ist 5,1 Kilometer lang und beginnt nahe dem Osttor von Schaeffler. Die Stadt Herzogenaurach und der Freistaat Bayern haben vereinbart, dass die im Zuge des Baus geplante Verlegung der Staatsstraße 2263 von der Stadt in kommunaler Sonderbaulast errichtet wird. Damit kann von der Stadt das Gesamtprojekt als Vorhabensträgerin planerisch und baulich gemeinsam behandelt werden.

Die Gesamtkosten dürften sich zwischen 40 und 70 Millionen Euro bewegen, erläuterte Silke Stadter. Genaue Aussagen ließen sich aufgrund der schwankenden Baupreise jetzt noch nicht treffen. Bürgermeister German Hacker verdeutlichte anhand eines Zahlenspiels, dass dieser Preis volkswirtschaftlich betrachtet durchaus gerechtfertigt sei. So zahle Schaeffler allein mehr als 400 Millionen Euro an Löhnen für seine Beschäftigten im Jahr. Hacker : "Das relativiert die Kosten für die Straße."