Seit mehr als 125 Jahren unterstützen die Barmherzigen Brüder mit ihren Standorten in der Region Erlangen-Höchstadt Menschen mit Behinderungen. Der Träger hält ein differenziertes Leistungsspektrum für das Wohnen, die Werkstatt, die Förderstätte und die Seniorentagesstätte vor und bietet dadurch Entwicklungsperspektiven für circa 350 Menschen mit unterschiedlichen Handicaps.

Zudem hält er circa 550 Mitarbeiter in Lohn und Brot. Die Mitarbeiter des Trägers unterstützen die ihnen anvertrauten Menschen dabei, mehr Teilhabe in der Gesellschaft in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Bildung und Freizeit zu erreichen, welche für Menschen ohne Behinderung völlig normal sind, beispielsweise der barrierefreie Zugang zu Sport- und Freizeitstätten, der vorbehaltlose Zugang zum Wohnungsmarkt oder gleichgestellte Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Bundesteilhabegesetz

Das erklärte Ziel, welches gestärkt durch das sogenannte Bundesteilhabegesetz (BTHG) von der Bundesregierung im 2017 erlassen wurde, läuft derzeit Gefahr, durch die aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen wie Corona-, Energie- und Lebensmittelkrise sowie die dringende Suche nach Personal in den Hintergrund zu treten.

Um auf diese prekäre Situation aufmerksam zu machen, hat die Geschäftsführerin der Barmherzigen Brüder , Ute Häußer, die regionalen politischen Vertreter mit einem schriftlichen Appell auf die Lage aufmerksam gemacht. So interessierten sich laut Pressemitteilung die Grünen für diese Problematik. Lydia Bauer-Hechler, Bezirksrätin und Beauftragte für die Belange für Menschen mit Behinderungen des Bezirks Mittelfranken, Manfred Bachmayer, stellvertretender Landrat Erlangen-Höchstadt, und Astrid Marschall, Gemeinderätin in Eckental und Kreisrätin, informierten sich vor Ort in Gremsdorf , wo genau sich die verschiedenen Problemlagen im Alltag der Menschen bemerkbar machen.

Impfpflicht und Corona-Auflagen

Neben Häußer beteiligten sich am Gespräch seitens des Trägers Beate Drückler, Bereichsleitung Wohnen, Birgit Tebay, Verwaltungsleiterin, und Detlev Troll, Werkstattleiter. Häußer führte aus, dass beispielsweise die einrichtungsbezogene Impfpflicht und die aktuellen, nach wie vor hohen Corona-Schutzauflagen in Krankenhäusern, Pflege- und Behinderteneinrichtungen dazu führen, dass sich mittlerweile erschöpfte, gut ausgebildete Mitarbeiter aus dem Sozial- und Gesundheitswesen verabschieden und beruflich neue Wege gehen. Diese Entwicklung sei fatal, da der sich bereits seit Jahren abzeichnende und eklatant steigende Personalmangel die Lage noch zusätzlich verschärfe.

Wie ein Brandbeschleuniger

Corona fungiere hier wie ein Brandbeschleuniger, so Häußer, und da dieser an allen Ecken im gesellschaftlichen Leben zu spüren sei, führe dies paradoxerweise dazu, dass man sich die wenigen Interessierten gegenseitig abwerbe. „Uns fehlen junge Menschen, die sich für das vielseitige und abwechslungsreiche Berufsbild des Heilerziehungspflegers interessieren“, sagte die Geschäftsführerin.

Zudem müsse dringend eine übergreifende Ausbildungsreform seitens der Politik initiiert werden, denn sonst drohe das Berufsbild des Heilerziehungspflegers zwischen der Ausbildung zur Pflegefachkraft und der generalisierten Pflegeausbildung unterzugehen.

Beate Drückler verwies zudem darauf, dass seit Jahren kaum bezahlbare wie räumlich angemessene Wohn-, Arbeits- und Beschäftigungsstätten in der Region zu finden geschweige denn zu finanzieren seien. red