Steppach  — Es ist eine Win-Win-Lösung: Zum einen für die Gemeinde Pommersfelden, weil es im Ortsteil Steppach auch weiterhin eine Hausarztpraxis geben wird. Zum anderen für die Bewohner, da so nicht nur ein Arzt, sondern auch die Bank am Ort gehalten werden kann. Ein Gewinn aber auch für Dr. Christian Weghorn, Inhaber der langjährigen Arztpraxis in Steppach . Das „Umzugsmodell“ machte es möglich, die Praxis aus dem renovierungsbedürftigen Gebäude am Steppacher „Merksplatz“ nur wenige Schritte weiter in das einstige Raiffeisengebäude zu verlegen. Möglich wird dies durch eine einzigartige Kooperation zur gemeinschaftlichen Nutzung des Gebäudes durch Bank und Arztpraxis . Die Gemeinde Pommersfelden hat das Haus im Herbst 2020 von der Raiffeisenbank erworben. Anlass für den Kauf war nach den Worten von Bürgermeister Gerd Dallner die drohende Schließung der Bankfiliale.

Umzug hat stattgefunden

Inzwischen hat der Umzug der Praxis bereits stattgefunden. Zwar ist noch nicht alles bis auf den letzten Punkt fertig, aber die Sprechzeiten werden bereits wahrgenommen. Pommersfeldens Bürgermeister sieht im Vorhandensein von Bank und Arzt „wichtige Standortfaktoren“ einer Gemeinde. Die in Steppach seit langem bestehende Arztpraxis war nach den Worten des Bürgermeisters „in die Jahre gekommen“.

Dr. Christian Weghorn, Facharzt für Innnere Medizin, bezeichnet die Kooperation gar als „ein Leuchtturmprojekt“. Nicht aus finanzieller Hinsicht, fügt der Internist aus Hirschaid hinzu. „Die Versorgung auf dem Land war mir immer wichtig.“ Neben der Filiale in Steppach , die er mit einem weiteren Arzt führt, hat er noch eine Praxis in Burgwindheim. Ab September wird Dr. Weghorn zeitweise auch in Steppach zur Verfügung stehen.

Die Gespräche zwischen Bank, Arzt und Gemeinde seien „sehr kooperativ“ gewesen, sagt Bürgermeister Dallner. „Die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt“, bestätigt der Arzt.

Für fünf Jahre sichergestellt

Im Rahmen des Kaufvertrags sei der Weiterbetrieb der Bankfiliale und des Geldautomaten für die nächsten fünf Jahre sichergestellt worden. Auch Weghorn habe sich verpflichtet, die Praxis am neuen Platz für mindestens fünf Jahre aufrechtzuerhalten. Der Praxisinhaber habe sich „sehr offen für eine Nachfolgeregelung“ gezeigt, stellt der Bürgermeister erfreut fest. Für die Zukunft könne das bedeuten, dass junge Ärzte zunächst im Angestelltenverhältnis „reinwachsen“ (Weghorn) mit der Möglichkeit, später die Praxis zu übernehmen.

Begeistert über die Kooperation zeigte sich auch stellvertretender Landrat Johannes Maciejonczyk. Es sei ein Gewinn für die Landkreisgemeinde. „Wobei es den Menschen einfach wichtig ist, einen Arzt und medizinische Hilfe in der Nähe zu haben“, findet er. In der Bank werde weiterhin mittwochs ein Mitarbeiter vor Ort sein, informierte Raiffeisen-Vorstand Stefan Gebhardt . An den übrigen Tagen könnten Termine nach Vereinbarung stattfinden. Für die Arztpraxis waren nur wenige Umbauten notwendig: Das Entree mit dem Bankschalter konnte praktisch unverändert bleiben. Eingangsbereich, Flur und Wartebereich werden von Bank und Praxis gemeinsam genutzt. Den Ärzten stehen zwei Sprechzimmer und ein Labor zur Verfügung. „Das Obergeschoss – etwa 120 Quadratmeter – halten wir vorerst frei“, sagt Bürgermeister Dallner. Die Räume könnten in Zukunft sowohl als Praxis-Erweiterungsfläche als auch medizinisch-gewerblich genutzt werden. Die Gemeinde sei auch zu Investitionen bereit. Interessenten dürften sich jederzeit vertrauensvoll an Dr. Weghorn und/oder Bürgermeister Dallner wenden.

Für das renovierungsbedürftige Gebäude der alten Arztpraxis am Merksplatz hat Weghorn eine Sanierung und die Schaffung von Wohnungen ins Auge gefasst. Bürgermeister Dallner begrüßt die willkommene Nachverdichtung als eine Aufwertung des alten Ortskerns.