Am Samstag 8. August, sind rund 3500 Menschen zum „Schanzenfest“ nach Emskirchen gepilgert. Ihr Ziel war das ehemalige Wohnhaus des als „Drachenlord“ bekannten Youtubers Rainer Winkler.Ferdinand Merzbach/News5
Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.
Ein Teilnehmer wird von Polizeibeamten festgenommen.
Hater und Fans des „Drachenlords“ haben in Emskirchen zum „Schanzenfest“ für Chaos gesorgt
Das virale Geschehen um den als „Drachenlord“ bekannten Youtuber Rainer Winkler hat auch dieses Jahr wieder eine Schneise der Verwüstung durch Emskirchen (Lkr. Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim) gezogen. Am Samstag, 8. August, fand in der Gemeinde nach Aufrufen im Internet ein sogenanntes „Schanzenfest“ statt.
Schon früh morgens rollen die ersten Fahrzeuge in Emskirchen an. Sie haben Kennzeichen, die schon etwas verblüffen dürfen. Neben den Kürzeln der bayerischen Städte stehen andere Lettern für Städte des Ruhrgebiets, für die Hamburger Region oder die neuen Bundesländer. Sogar österreichische und dänische Drachenlord-Touristen haben die vielen Kilometer nicht abgeschreckt.
Und das, obwohl das ehemalige Wohnhaus Winklers längst schon dem Boden gleichgemacht wurde und der Drachenlord selbst Richtung Osten verzogen ist.
Treffpunkt Rewe-Parkplatz
Treffpunkt für das Schanzenfest ist der hiesige Rewe-Parkplatz. Für die Autos der meist männlichen Besucher ist der jedoch tabu. Angestellte müssen den ganzen Tag das Areal bewachen.
Die jungen Leute stürmen den Supermarkt und kaufen dort besonders die Leibspeise und das Lieblingsgetränk des Drachenlords, Energydrinks und Ofenkäse. Rasch rollen Dosen über den Parkplatz und bei den hohen Temperaturen klebt der geschmolzene Käse am Boden. „Emskirchener kaufen heute deswegen fast gar nicht ein“, schildert es eine Rewe-Mitarbeiterin, die den Eingang des Parkplatzes überwacht.
Sturm auf Drachenschanze
Fahnen schwenkend und gröhlend zieht die ausgelassene Menge Richtung Altschauerberg. Sie rufen immer wieder „Rainer!“– „Winkler!“
Schon ab acht Personen gilt der Marsch als Versammlung. Das ist von den Behörden verboten, so die Durchsagen der Polizisten . Im Klartext: Ab jetzt gehen diese jungen Leute strafbare Wege. Das schein ihnen egal zu sein. „Stürmen wir die Schanze!“, skandieren sie.
Per Funk alarmieren die Polizeikräfte das Unterstützungskommando. Davon lassen sich die „Hater“ nicht abhalten. Fast wie Heuschrecken kraxeln sie die Hänge hoch und peilen Winklers ehemaligen Wohnort für den „Schanzensturm“ an.
Als die ersten dann Raketen und Böller zünden, droht Eskalation und die Anwohner wüten. Feuerwehrkräfte und Notarztwägen stehen parat. Berittene Polizisten versuchen die Pöbelnden zu stoppen. Das gelingt eher schlecht.
Dafür hat die Bürgermeisterin Emskirchens, die das Szenario beobachtet, eine Erklärung. Sandra Winkelspecht ( CSU ) sagt, dass in den Vorjahren eher der geschlossene Trupp durch Emskirchen gezogen sei. Jetzt seien die jungen Leute verstreut und kämen von allen Seiten. „Dieses Jahr ist auch die Stimmung ganz anders.“
Auch die Polizisten schätzen die junge Leute als feindselig und gewaltbereit ein. Als letztere Böller zünden und sogar Einsatzkräfte bewerfen, erfolgen die ersten Festnahmen. Einige leisten Widerstand und beleidigen die Beamten, die auch Schlagstöcke benutzen müssen. „Polizeigewalt“, rufen die Festgenommenen und deren Freunde. Einer fordert ganz trocken sogar sofort den Anwalt.
Rund 3500 Teilnehmer
Gegen 16 Uhr ist plötzlich Rauch sichtbar. Die Feuerwehr vermutet erst einen Flächenbrand wegen der Böller. Schnell ist klar, dass die Rauchsäulen von einem Brand an der Dettendorfer Deponie stammen. Das zeigt den Zwiespalt, den solche Aktionen wie die der Schanzenstürmer schaffen. Denn jetzt müssen die Einsatzkräfte zwischen dem Brand in Dettendorfer und dem Widerstand gegen die Drachenlord-Pilger wählen.
Die Zahl der Menschenmenge schätzen die Polizeipressesprecher an diesem Tag auf mindestens 2000. In der Spitze habe der Aufruf zum „Schanzenfest 2026“ rund 3500 Menschen an diesem Samstag nach Emskirchen gelockt.