Eifersucht, Leidenschaft, Stimmungsschwankung: All das brachte eines Abends im Februar 2016 im östlichen Landkreis ein Geschehen hervor, welches Staatsanwalt Michael Koch am Dienstag im Amtsgericht ein "Tohuwabohu" nannte. Für Vorgänge zwischen versuchter Gefangenenbefreiung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung erhob er Anklage.


Mit blutendem Gesicht

Der 7. Februar 2016 dürfte allen Beteiligten in Erinnerung bleiben. Da nämlich geriet im östlichen Landkreis ein gleichgeschlechtliches Liebespaar anlässlich einer Faschingsfeier in einen Streit miteinander. Die beiden 31 und 33 Jahre alten Männer, die beide Arbeiter sind, wurden einander handgreiflich, der 33-Jährige saß sogar mit blutendem Gesicht auf seinem Freund. Das veranlasste seine "Schwiegerleute", die Polizei zu rufen.
Als die eintraf, überschlugen sich die Ereignisse. An Befriedung war nicht zu denken, darum eine Trennung der ineinander "verkeilten und verschlungenen Körper", wie ein Polizeibeamter im Zeugenstand schilderte. Doch besonders der 33-Jährige leistete Widerstand, trat aus und versuchte, laut Staatsanwaltschaft, einen Beamten zwischen die Beine zu treten. Übelste Beleidigungen begleiteten dieses Treiben. Vor allem aber ein Spuckvorgang sollte einem Polizisten ein halbes Jahr zu schaffen machen. Erst danach konnte er mit Gewissheit sagen, nicht von Hepatitis C befallen zu sein. Die nämlich trägt der Blutende wissentlich in sich und spuckte dem Polizisten dennoch ins Gesicht. "Ein unwahrscheinlich gefährliches Unterfangen", wie Richter Stefan Hoffmann kommentierte.


Fenstersturz angedroht

Zur Sprache brachte die Anklage auch, wie der 31-Jährige versucht haben soll, seinen festgesetzten Freund aus dem herbeigerufenen Rettungswagen zu ziehen, wobei er einer Polizeibeamtin mittels einer Autotür eine schmerzhafte Prellung der Hand verursachte. Als dies nicht gelang, sei er zurück in die Wohnung gestürmt, habe sich ans Fensterbrett begeben und gedroht, sich aus sechs Meter Höhe fallen zu lassen. Ein Fall von Nötigung.
Die Angeklagten selbst gaben an, sich an die damaligen Vorfälle nur lückenhaft erinnern zu können bzw. nicht in Absicht geschlagen oder gespuckt zu haben. Das Paar saß nebeneinander auf der Anklagebank und bald kam das Gericht zu der Übereinkunft, wonach die Verfahren gegen beide Männer voneinander abgetrennt werden sollten. Während der 31-Jährige, weil er seinen Einspruch gegen das gegen ihn anberaumte Strafbefehlsverfahren zurücknahm, mit einer Geldstrafe in Höhe von 2100 Euro bedacht wurde, ging der Prozess gegen seinen Lebensgefährten weiter. Der hatte schon insgesamt zehn Vorstrafen u. a. wegen Beleidigung, Widerstands gegen Vollsteckungsbeamte, vorsätzliche oder vorsätzliche gefährliche Körperverletzung und vor allem wegen Betäubungsmittelvergehen gesammelt. Betäubungsmittel, in diesem Falle Haschisch und Alkohol in Menge von über einem Promille, waren auch diesmal im Spiel.
"In 19 Jahren Polizeidienst habe ich so etwas noch nie erlebt", schilderte ein Polizist die sich ihm damals bietende Szene. Aber es fiel auch ein Schatten auf das Geschehen. So gab der 31-Jährige an, gehört zu haben, dass ihm, als er am Fenster stand, entweder von Polizisten oder vom Rettungsdienst zugerufen worden sei, er solle doch springen. Auch die Eltern des Mannes äußerten sich im Zeugenstand in diese Richtung sowie ein Freund des Hauses.


Urteilsverkündung zog sich hin

Gesehen und gehört hat den Vorfall aber niemand und möglicherweise waren es auch rufende Passanten. Am Ende langes Warten auf den Urteilsspruch. Auf zehn Monate Haft ohne Bewährung plädierte Koch. Ein solches Urteil hätte alles "zunichtegemacht", was man sich zusammen aufgebaut habe, so der 31-Jährige.
Dementsprechend laut hörbar war das Aufatmen beider Männer, als Hoffmann sein Urteil gegen den 33-Jährigen verlas: neun Monate Haft auf Bewährung, allerdings verbunden mit dreijähriger Bewährungszeit, Bewährungshilfe und Drogenscreening. Er hielt dem Verurteilten zugute, dass dieser derzeit clean ist, in stabiler Partnerschaft lebt und einer geregelten Arbeit nachgeht.