Einen Ausflug ins 14. Jahrhundert unternahm der Herzogenauracher Heimatverein mit dem Besuch der tschechisch-bayerischen Landesausstellung zu Kaiser Karl IV. im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Karl, dessen Geburtstag sich im vergangenen Jahr zum 700. Mal jährte, "sammelte" zahlreiche Königskronen: Er war deutscher Herrscher, Regent von Böhmen, König in Italien und Burgund und ab 1355 Kaiser im Heiligen Römischen Reich.
Auch die Reichsstadt Nürnberg, "leuchtende Metropole an der Goldenen Straße", verdankte ihren immensen Bedeutungszuwachs dem ursprünglich auf den Namen Wenzel getauften Herrscher. Dieser wurde ab seinem vierten Lebensjahr am französischen Königshof seines Taufpaten erzogen, nahm dessen Vornamen Karl an in Anlehnung an den großen deutschen Herrscher Karl den Großen und erlernte dort die höfischen Sitten und fünf Sprachen. 1355 ließ sich Karl in Rom in Anlehnung an den großen Karolinger zum Kaiser krönen.
Zwar galt seine Liebe seiner Heimatstadt Prag, doch profitierte Nürnberg vor allem durch den Erlass des Reichsgesetzes der Goldenen Bulle (1356). Dieses Reichsgesetz mit einem in Gold gefassten Siegel (lateinisch "bulla") regelte für viereinhalb Jahrhunderte die Wahl zum deutschen Oberhaupt durch die Kurfürsten (Kur oder küren bedeutet so viel wie Wahl oder wählen). Für Nürnberg bedeutete das Reichsgesetz zusätzlich, dass dort der erste Reichstag nach der jeweiligen Kaiserwahl stattfinden sollte, was eine immense politische Bevorzugung gegenüber anderen Städten im Reich bedeutete.


Mehr Macht durch Hochzeiten

Die Besucher des Heimatvereins konnten sich in der Ausstellung ein Bild von dieser Urkunde machen und erlebten anschließend das "Männleinlaufen" an der Westfassade der Frauenkirche. Hier erscheinen täglich um 12 Uhr die sieben Kurfürsten, um dem Herrscher Karl ihre Ehrerbietung zu erweisen.
Karl baute die Verwaltung im Reich aus und setzte auf eine kluge Heiratspolitik. Bei seinen vier Ehen und bei der Verheiratung seiner Kinder stand immer die Mehrung seiner Macht im Mittelpunkt. So bildete die Mitgift der Wittelsbacherin Anna von der Pfalz die Grundlage für die Entstehung "Neuböhmens", womit die Oberpfalz gemeint ist.
Einerseits baute Karl Prag mit dem Veitsdom, der Burg (dem Hradschin) oder der großen Brücke über die Moldau (Karlsbrücke) zur "Goldenen Stadt" aus, andererseits darf nicht darüber hinweggesehen werden, dass er zu Beginn seiner Regentschaft ein fürchterliches Massaker unter den Juden Nürnbergs angeordnet hat. Das jüdische Ghetto und die Synagoge um den heutigen Hauptmarkt wurden zerstört, mehr als 500 Bürger jüdischen Glaubens kamen um, und die Überlebenden mussten aus eigenen Mitteln den Bau der heutigen Frauenkirche mitfinanzieren.