Lahm —  Die Pfarrei St. Ägidius Lahm ist ursprünglich Tochterpfarrei von Kronach. Die Pfarrkirche wird schon 1323/28 als "ecclesia parrochialis" bezeugt. Zum Pfarrsprengel gehören Hesselbach und Effelter mit den angrenzenden Weilern sowie bis 1515 auch Steinberg. Der Ort Wilhelmsthal wird erst im Jahr 1730 gegründet und gehörte ab 1744 ebenfalls zur Pfarrei Lahm, obwohl sich die Lahmer Pfarrherren gegen eine Einpfarrung gewehrt hatten.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden in der ständig wachsenden Pfarrei Lahm mehrere Kirchen errichtet. Im ersten Bamberger Privilegienbuch oder Urbar vom Jahr 1325 steht: "Lom gehört dem Bischof, ist Wustung ... Zwei Teile des Zehnts daselbst gehören dem Bischof und der dritte Teil der Pfarrkirche daselbst. Ebenso gehört der dritte Teil vom Zehnt in Effelrich der Pfarrkirche in Lom (ecclesie parrochialis)." Um diese Zeit wird auch ein Pfarrer von Lahm genannt. Die Kirche wird im Laufe der Zeit zu klein, so dass sie durch eine neue, die aktuelle, ersetzt werden muss. Diese wird zwischen 1722 und 1726 erbaut und erst 1770 eingeweiht.

Der Bau der neuen Pfarrkirche fällt in die Zeit von Pfarrer Pankratius Rehe, der 1715 nach Lahm kommt und hier 13 Jahre lang wirkt. Er wird dadurch erschwert, dass in Effelter ein eigenes Gotteshaus steht und Hesselbach unter der Herrschaft der Brandenburger zu Kulmbach-Bayreuth steht. 1722 wird der Grund abgesteckt und von 100 Männern ausgehoben. Die Bauausführung hat Bürgermeister Triebel aus Kronach. Die Bauarbeiten dauern das gesamte Jahr 1722 über und ruhen selbst im Winter nicht. Anfang Dezember ist das Dach von Langhaus, Chor und Sakristei endlich eingedeckt. Am 17. November 1724 sind die Außenarbeiten fertig gestellt. Nachdem am 8. November 1724 die Maurer und Steinmetzen mit dem Chorgewölbe fertig sind, ist der Rohbau auch innen hergestellt.

In den nächsten Jahren folgen weitere Arbeiten: Stuck und Putz müssen angebracht werden, die Deckengemälde werden erstellt. 1726 wird der Hochaltar von Bamberg nach Lahm gefahren. Auch die Chorstühle und die übrigen Schreinerarbeiten werden in diesem Jahr vollendet. Mit dem Hinweis darauf, dass in Altenkunstadt die neue Orgel ausprobiert wird, enden die Aufzeichnungen des Zahlmeisters. Die Kirche ist erstellt. Am 30. September 1770 erteilt Weihbischof Josef Heinrich Bischof zu Antipatix dem Gotteshaus den festlichen Segen.

Der heilige Ägidius wurde der Legende nach im 7. Jahrhundert vermutlich in Griechenland geboren und ist am 1. September 720 in St. Gilles (Frankreich) gestorben. Er ist einer der Nothelfer und gilt als Schutzpatron der Jäger, Hirten und Pferdehändler, Schiffbrüchigen, Bogenschützen, Bettler, der Aussätzigen und der stillenden Mütter. Er wird angerufen gegen Geisteskrankheit, gegen Unfruchtbarkeit bei Mensch und Tier, gegen Trockenheit, Feuer und Sturm, um Beistand für eine gute Beichte und bei Verlassenheit.

Ein Eremit im Wald bei Arles

Ägidius war ein Pilger, der aus Athen ins Rhônetal kam und sich bei Arles im Wald als Eremit niederließ. Die Legende berichtet, dass Ägidius in seiner Höhle jeden Tag von einer Hirschkuh besucht wurde, die ihn mit ihrer Milch nährte. Jäger des Königs wollten das Wild erlegen. Als der König einmal selbst mit auf die Jagd ging, hatte sich das Tier zu Ägidius in die Höhle geflüchtet und lag dort zu dessen Füßen. Der König schoss blind einen Pfeil in die Höhlenöffnung. Er fand Ägidius blutend vor, die Hirschkuh unverletzt an ihn geschmiegt.

Der Herrscher bot Ägidius ärztlichen Beistand und Geld an, doch der Einsiedler bat ihn nur um eines: Er sollte ihm hier in der Einsamkeit ein Kloster bauen lassen. Der König erfüllte ihm diesen Wunsch.

So entstand in der Provence um das Jahr 680 das Kloster Saint Gilles. Ägidius war der erste Abt und leitete das Kloster bis zu seinem friedlichen Tod. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Klosterkirche.