In diesem Jahr gibt es in unserer Region wieder einmal mehr Schnee als in den Vorjahren, dazu Temperaturen, die die Schneedecke hart gefrieren lassen, wie das derzeit der Fall ist. Eine Situation, die für Wild in Wald und Flur ungünstig sind. Deshalb sind die Tiere dankbar, wenn sie bestückte Futterstellen vorfinden.

Volker Kuhn aus Pfarrweisach ist schon viele Jahre passionierter Jäger, und wenn man sich mit ihm unterhält, merkt man, dass ihm neben der Jagd auch die Natur und deren Schutz am Herzen liegt. Hegen und Pflegen sind für ihn nicht nur so dahin gesagte Worte. Er macht sich mit einem mit Mais gefüllten Rucksack auf den Weg, nachdem er diesen im Kofferraum seines geländegängigen Autos verstaut hat, fährt los, ins Jagdrevier von Markus Oppelt , dem Bürgermeister der Gemeinde Pfarrweisach . Auf der Fahrt erzählt er, dass er für die Jagd einen Begehungsschein hat und im Revier derzeit vier Futterstellen in regelmäßigen Abständen mit Futter befüllt.

Gesunder Wildbestand das Ziel

In sogenannten Notzeiten besteht für die Jäger beziehungweise Jagdausübungsberechtigten eine gesetzliche Verpflichtung zur Wildfütterung, teilt der Bayerische Jagdverband (BJV) auf Anfrage mit. Ziel der Hege ist die Erhaltung eines gesunden und artenreichen Wildbestandes. Dabei sei zu beachten, dass land- und forstwirtschaftliche Wildschäden möglichst vermieden werden. Die Wildfütterung ergibt sich als Verpflichtung der Jagdausübungsberechtigten im Rahmen der Hegeverpflichtung. Zur Fütterung der heimischen Wildarten in der Notzeit werden oft unterschiedliche Standpunkte vertreten. Dazu hat Josef Bauer vom BJV sich im Artikel "Füttern ohne Ideologie" im Revierkurier des BJV geäußert. Danach sind Revierinhaber verpflichtet, in Notzeiten für einen angemessene Wildfütterung zu sorgen. Kommt der Revierinhaber dieser Verpflichtung nicht nach, kann die Jagdbehörde auf seine Rechnung Fütterungen vornehmen lassen.

Notzeit nicht vom Wetter abhängig

Wie Bauer ausführt, sei die Notzeit gekennzeichnet durch örtliche und zeitliche Engpässe im Äsungsangebot und hängt nicht unbedingt vom jeweiligen Witterungsgeschehen ab. "Sie ist auch dann gegeben, wenn der aktuelle Nahrungsbedarf trotz des winterlichen Stoffwechseltiefs nicht gedeckt werden kann, weil eine artgerechte Äsung fehlt", schreibt Bauer in seinem Fachartikel.

Volker Kuhn fährt mit seinem Jeep über landwirtschaftliche Feld- und Waldwege. Unter den Reifen des allradbetriebenen Fahrzeugs knirscht der hart gefrorene Schnee. Das Jagdrevier von Markus Oppelt , welches Volker Kuhn mit betreut und bejagt, setzt sich zusammen aus der Waldkörperschaft und dem Gemeinschaftsrevier Pfaffendorf-Junkersdorf. "Zusammen sind es so 500 Hektar, wobei der Waldanteil bei vielleicht 170 Hektar lieg", erklärt der Jäger . Angekommen an einer Futterstelle in einem Waldstück, lädt Volker Kuhn den Rucksack, diesmal ist er mit Mais gefüllt, aus seinem Fahrzeug aus.

Rund um die Futterstelle sind zahlreiche Fährten, meistens von Rehen, zu sehen, ein Zeichen, dass diese gut angenommen wird. Heute bestückt Kuhn die Fütterung mit Mais , um Wildschweine "anzukirren". Darunter versteht man zum Beispiel das Ausbringen von Mais als sogenannte Lockfütterung. Kuhn erläutert: "Da derzeit die Schweinepest für Schlagzeilen sorgt, wollen wir möglichst viele Wildschweine schießen, um eine mögliche Verbreitung einzudämmen." In der Regel bevorzugen Wildtiere Pflanzen .

Da Rehe eine komplizierten Verdauungstrakt haben, muss die Nahrung leichtverdaulich, energie- und proteinreich sein, erklärt Kuhn. Im Winter ist naturgemäß solches Futter nicht vorhanden.

Mehr Wildschweine

"Diese Verpflichtung gilt nicht nur für Schalenwild, wie Reh oder Wildschwein, sondern für alle Wildarten", sagt Volker Kuhn. Wie seit Jahren bekannt, hat die Population der Wildschweine zugenommen, so dass oft auf landwirtschaftlichen Flächen Wildschaden entsteht. "Deshalb kann, auch außerhalb der Notzeiten mit sogenannten ,Ablenkungsfütterungen' gearbeitet werden, um die Tiere von landwirtschaftlichen Flächen fern zu halten." Als Richtwert für Futterstellen gilt nach den Ausführungen von Josef Bauer, dass eine Futterstelle pro 100 Hektar mit zwei überdachten Trögen in etwa zehn Meter Abstand vorhanden sein sollte.

Welches Futter soll ausgebracht werden? Dazu sagt Volker Kuhn, dass für Schalenwild sich Misch-Silagen bewährt hätten, da sie ausgewogene Anteile enthalten würden. Für Fasan und Rebhuhn seien kleinkörniger Weizen und Sämereien von Vorteil. Wildenten bevorzugen Gerste, Hasen Zuckerrüben und Heu überdacht ausgebracht, Greifvögel und Raubwild können durch Ausbringen von Unfallwild gefüttert werden.

Kuhns Appell an Spaziergänger

"Es ist nicht immer ganz leicht das geeignete Futter zu beschaffen", weiß der erfahrene Jäger, weshalb man schon rechtzeitig daran denken sollte, sich das Futter zu beschaffen. Auf der Rückfahrt weist Kuhn noch darauf hin, dass man sich als Spaziergänger im Wald immer ruhig verhalten sollte, vor allem aber im Winter, um das Wild nicht aufzuschrecken, damit es nicht "flüchtig" wird.

"Das kostet den Tieren wertvolle Energie und kann im Extremfall dazu führen, dass Tiere verenden." Deshalb richtet der passionierte Jäger eine eindringliche Bitte an Spaziergänger oder Freunde des Langlaufsports: "Verhaltet euch ruhig und helft mit, die Vielfalt unserer heimischen Wildarten zu erhalten."