„Woher kommen unsere Lebensmittel und wie werden sie erzeugt?“ Diese Fragen beschäftigen immer mehr Menschen und seit der Corona-Krise noch intensiver. Der Bayerische Bauernverband (BBV) will dazu die passende Antwort geben, ist derzeit mit seinem bunt beklebten Erklär-Traktor auf Tour durch Bayern und machte in den vergangenen Tagen halt im Landkreis Haßberge: in Junkersdorf an einem Milchautomaten und in Ebern an einer Metzgerei, wo es vieles gab, „das durch den Magen geht“.

Kaum Bezug zu den Herstellern

Der Bayerische Bauernverband will mit der Schleppertour 2021 unter dem Titel „Essen aus Bayern“ Einblicke in die Erzeugung regionaler Lebensmittel geben und dabei immer auch einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Der Anlass: Immer weniger Menschen haben einen Bezug zur Landwirtschaft .

„Das Coronavirus hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie abhängig wir von weltweiten Warenströmen sind. In dieser Zeit wurde der gesamten Gesellschaft wieder bewusst, wie wichtig eine funktionierende Landwirtschaft und die Versorgung mit hochwertigen heimischen Lebensmitteln sind“, meint Klaus Pieroth vom BBV Haßberge. Nach einer Erhebung der bayerischen Ernährungsministerin Michaela Kaniber hätten 44 Prozent bei einer Umfrage angegeben, dass sie ihr Einkaufsverhalten geändert haben.

Der BBV-Traktor hielt in Junkersdorf auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Kurt Schleicher mit 87 Hektar Acker- und zwölf Hektar Grünlandfläche. Im Betrieb mit 25 Fleckvieh-Milchkühen und 21 Jungtieren sowie 520 Mastschweinen ist auch Tochter Lea tätig, die Landwirtschaftsmeisterin ist.

Sie hatte vor über einem Jahr die Idee, eine Milchtankstelle mit Hofladen einzurichten, in dem es auch Nudeln, Mehl, Speisekartoffeln, Eier sowie Milchprodukte wie Butter, Käse, Mozzarella und anderes gibt. Lea Schleicher (25)räumt ein, dass der tägliche Verbrauch schwer planbar sei und bisher täglich zwischen fünf und 30 Liter Milch geholt werden. „Dabei handelt es sich um eine Stammkundschaft aus dem Ort und der näheren Umgebung. Ohne sie würde es sich überhaupt nicht rentieren. Ich hoffe, dass es noch mehr Abnehmer werden.“ Friedrich Grimmer (25), Sohn der stellvertretenden Kreisbäuerin Petra Grimmer aus Bischwind a.R., absolviert das Masterstudium Agrarwissenschaft . Er und Lea wünschten sich eine gemeinsame Zukunft, sie haben den Traum und die Lust, in der Landwirtschaft etwas gemeinsam zu machen.

Das Geld muss erst einmal verdient werden

Das würde aber bedeuten, einen neuen Stall zu bauen und von der Anbindehaltung auf Freiland umzuplanen. „Ein solcher Neubau kostet aber eine bis 1,5 Millionen Euro. Wir sind zwei junge Leute, da müssen die Rahmenbedingungen passen“, sagen die beiden. Allerdings hätten sich die Baukosten exorbitant erhöht. Das Geld müsse erst einmal verdient werden und man brauche ein Einkommen, das langfristig gegeben sei.

Die Traktor-Tour führte dann zur Metzgerei Hümmer, wo Metzgermeisterin Marion Hümmer den Weg von der Urproduktion bis zum leckeren Stück Fleisch aufzeigte. Die Hümmers betreiben auch Landwirtschaft ; das ist das Metier ihres Mannes Norbert und ihres Schwager Siegfried Müller , sagte Marion Hümmer. In Höchstädten habe man einen EU-zugelassenen Schlacht- und Zerlegebetrieb. „Wir sind ein Familienunternehmen, das seit 45 Jahren Fleisch und Wurstwaren in bester Qualität liefert“, betonte Hümmer. Auch zu Festen und Veranstaltungen in Schloss Eyrichshof sowie zu Gastronomen in der Region.

Marion Hümmer setzt auf solides Handwerk . Sie bekräftigt: „Bei uns läuft keine Wurst vom Band.“