Zu einer Online-Besprechung trafen sich die Vorstandsmitglieder des Vereins "Unser Steigerwald". Der Verein tritt ein für die weitere Bewirtschaftung des Steigerwald und ist gegen die Ausweisung eines Nationalparks Steigerwald. Bei der Vorstandssitzung analysierten die Anwesenden eine Umfrage von "Bündnis 90 / Die Grünen", aus der vermeintlich ein Meinungumschwung der Steigerwaldbevölkerung für einen Nationalpark abgeleitet worden war (wir berichteten).

Hohe Zustimmung zu Nationalpark?

Im Januar hatte die Partei "Bündnis 90 / Die Grünen" das Institut "Brand Support" beauftragt, eine Umfrage zu erstellen, um zum wiederholten Male die Meinung der Steigerwaldbevölkerung hinsichtlich eines Nationalparks im Steigerwald zu erkunden. Aus dem Ergebnis der Umfrage interpretierte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag , Ludwig Hartmann , eine "hohe Zustimmung der Bevölkerung" auch im Kernbereich zu der vom Bund Naturschutz vorgeschlagenen Nationalparkfläche - das würde die Bevölkerung auch in Teilen des Landkreises Haßberge betreffen.

Momentaufnahmen

Der Vorsitzende des Vereins "Unser Steigerwald", Gerhard Eck (Donnersdorf/Kreis Schweinfurt), bezweifelte schon gleich nach der Veröffentlichung des Ergebnisses dieser Umfrage , dass sich die Meinung der Steigerwälder zu einem Nationalpark innerhalb kurzer Zeit so gravierend geändert haben könnte. Grundsätzlich seien Umfragen Momentaufnahmen, erklärte Eck, die man natürlich sachlich analysieren und bewerten müsse.

Der Verein "Unser Steigerwald" wollte eine genaue Analyse der Umfrage in Auftrag geben und ließ deshalb von einem Institut einen so genannten "Faktenchek" durchführen.

Das Ergebnis dieser Untersuchung brachte erstaunliche Erkenntnisse hervor. Obwohl man seitens des Instituts "Brand Support" angab, in der Befragung die Meinung der Menschen im Steigerwald erkunden zu wollen, wohnen 60 Prozent der Befragten in den Städten Schweinfurt und Bamberg, darüber hinaus weitere 17 Prozent in Städten und Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern außerhalb des Steigerwalds. Daraus schließen die Vereinsvertreter, dass in der engeren Steigerwaldregion nur wenige Menschen überhaupt befragt wurden und ihre Meinung äußern konnten.

Die Bevölkerung im unmittelbar angrenzenden Landkreis Kitzingen wurde nicht befragt. Dadurch, so die Vorstandsmitglieder, relativiere sich auch das Ergebnis.

Die Menschen in den Städten Bamberg und Schweinfurt erleben den Steigerwald vor allem als Erlebnis- und Erholungsraum, während die Steigerwälder auch den Wirtschaftsfaktor und die vielen Arbeitsplätze rund um die Holzwirtschaft sehen.

Weitere Erkenntnisse sind laut "Unser Steigerwald": Das Institut übte auch an der Art der Fragestellung deutliche Kritik. Es wurde festgestellt, dass den Menschen meist Fragen gestellt wurden, die komplexe Sachverhalte betreffen oder für die Antworten forstliches Fachwissen voraussetzt. Dieser Trend setzte sich bei den weiteren Fragen fort.

Zudem wird in der Grünen-Umfrage unterschlagen, dass es im Steigerwald mit dem Europa weit anerkannten "Trittsteinkonzept" des Forstbetriebs Ebrach bereits ein hervorragendes Naturschutzkonzept gibt. Es liegen zahlreiche Studien vor, die beweisen, dass ein Ende einer Bewirtschaftung keinesfalls die Artenvielfalt erhöht.

Es wird in der Befragung auch nicht angegeben, dass in den letzten Jahren von der Staatsregierung im Steigerwald viele zukunftsweisende Tourismuseinrichtungen geschaffen wurden, die einen deutlichen Anstieg der Besucher brachten.

Etliche Punkte nicht transparent

Probleme wie negative Auswirkungen für den Klimaschutz, ein Nichteingriff bei großen Kalamitäten, keine Schädlingsbekämpfung in einem Nationalpark , das Wissen, dass auf großen Flächen in einem Nationalpark ein Betretungsverbot erlassen wird, werden nicht dargestellt und können bei den Befragten auch nicht vorausgesetzt werden.

Wirtschaftliche Aspekte, wie der Holzbedarf örtlicher Sägewerke und der Wegfall zahlreicher Arbeitsplätze werden nicht betrachtet.

Zum Schluss stellt der Gutachter fest, dass an "dieser Stelle die politische Absicht der Oppositionspartei "Die Grünen" als Auftraggeber der Befragung durchschlägt".

Sägewerksbesitzer Burkard Müller berichtete von einem Kommentar im "Münchner Merkur", der die Studie als der Grünen als reinen "Öko-Populismus" bezeichnet, in der die Befragten mit altbekannten Slogans, wie "Natur Natur sein lassen" oder "Wildnisgebieten" beeinflusst würden.

"Forsa" soll Menschen befragen

Um die Meinung der Menschen im Steigerwald wirklich zu erkunden und um einen Beitrag zu mehr Sachlichkeit zu erreichen, entschied die Vorstandschaft eine weitere Umfrage in Auftrag zu geben. Mit der Durchführung der Studie soll das renommierte Meinungsforschungsinstitut " Forsa " beauftragt werden.

Vorsitzender Gerhard Eck kündigte an, dass der Verein künftig die Bevölkerung des Steigerwalds noch intensiver informieren wolle. Er informierte die anwesenden Vorstandsmitglieder, dass aufgrund der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie die für Mai geplante Jahreshauptversammlung möglicherweise doch in den Sommer verschoben werden muss.