"Für uns ist es eine neue Normalität, dass wir hier in Ebermannstadt sind", sagte der stellvertretende Kreishandwerksmeister, Christian Jaklin, bei der Freisprechung der Absolventen der Sommergesellenprüfung am vergangenen Donnerstag in der Stadthalle Ebermannstadt. Bisher hatte die Veranstaltung in Forchheim stattgefunden.

Viele Freisprechungsveranstaltungen finden in diesem Jahr wegen Corona gar nicht statt. Deshalb freuten sich die neuen Gesellen des Handwerks des Landkreises Forchheim besonder über ihre feierliche Freisprechung.

Zur Gesellenprüfung hatten sich 62 Auszubildende angemeldet; sechs von ihnen haben die Prüfung nicht bestanden. Die besten Ergebnisse hatten Fliesenleger Lukas Schmittlutz, Schreinerin Melanie Lange und Friseurin Lea Ascher abgeliefert.

Der Verantwortung bewusst

"Heute ist der Tag gekommen, an dem unsere Lehrzeit zu Ende geht", trug Lukas Schmittlutz vor und sprach davon, dass sie jetzt als Gesellen wohl mehr Geld verdienten, dass sie aber auch mehr leisten und mehr Verantwortung übernehmen müssten. Er ärgerte sich allerdings auch ein wenig darüber, dass das Handwerk nach wie vor gering geschätzt werde: "Viele Leute wissen gar nicht, was wir leisten."

Er erzählte, dass sein Berufsberater ihn gefragt hätte, ob er mit seinen guten Noten tatsächlich einen Handwerksberuf erlernen wolle. Schmittlutz fasste zusammen, "dass es richtig kluge Köpfe im Handwerk braucht".

Kreishandwerksmeister Werner Oppel hielt eine schmissige Festrede, in der er die neuen Gesellen unter anderem motivierte, das Gesicht der Gesellschaft mit zu formen: "Ob es eine lebens- und liebenswerte Gesellschaft sein wird, liegt in Ihren Händen." Oppel ging auch auf das Thema "Ausbildung" als solche ein: "Ausbildung ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und der Gesellenbrief die Eintrittskarte zum Geldverdienen oder das sicherste Wertpapier der Neuzeit."

Außerdem schimpfte er: "Die Politik reagiert mit Milliarden, und ein Kandidat, der Bundeskanzler werden will, kündigt die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich an." Das sei pures Gift für das Handwerk.

Absage an "ein Hirngespinst"

"Ich hoffe, dass auch andere erkennen, dass die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein Hirngespinst ist", bestätigte der CSU-Landtagsabgeordnete Michael Hofmann. Er, Landrat Hermann Ulm (CSU), Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) und Dekan Günther Werner waren von der neuen Geschäftsführerin Patricia Leistner zu einer Fragerunde auf die Bühne gebeten worden.

Der Landrat wünschte den Absolventen, dass sie ihre Zukunft mit gleichem Elan und gleicher Schaffenskraft angehen wie ihre Ausbildung, denn sie würden im Landkreis dringend benötigt.

Christiane Meyer findet es wichtig, dass im ländlichen Raum Tradition und Moderne zusammengebracht werden. Das mache das Handwerk, das auch dabei unterstütze, die Infrastruktur zusammenzuhalten.

Dekan Werner erinnerte daran, dass Jesus der Sohn eines Zimmermanns gewesen sei.

Gesellenstücke ausgezeichnet

Nachdem die Absolventen ihre Gesellenbriefe erhalten hatten, spielte die "Privileged Jazzband" die Nationalhymne. Abschließend wurden drei Gesellenstücke im Rahmen der Aktion "Die gute Form" ausgezeichnet. Der Obmeister des Schreinerhandwerks, Johannes Lange, überreichte Preise an Melanie Lange für einen Sekretär aus Birke und Zwetschge, an Marco Wailersbacher für einen Schreibtisch aus Nussbaumfurnier und Ahorn sowie an Niklas Brand für eine Musikbank.