Mit "Grüß Gott, und nix für ungut" verabschiedeten sich früher zu Lichtmess die Knechte und Mägde von ihren Dienstherren. Bis 1912 war der 2. Februar in Bayern ein gesetzlicher Feiertag. An Lichtmess endet auch die Weihnachtszeit, weshalb heute noch viele Gläubige erst an diesem Tag die Krippe abbauen und den Christbaum entfernen.

Mariä Lichtmess heißt im Volksmund das Fest der Darstellung des Herrn, es wird in den Kirchen mit Kerzenweihen und Lichterprozessionen begangen. Früher weihte der Priester "das für das ganze Jahr in Kirche und Haus benötigte Wachs, darunter die Wachsstöcke für die Frühmessen und Engelämter, die schwarzen Wetter- und Gewitterkerzen, die langen Aufsteckkerzen für die armen Seelen und die Hauskerzen, und ganz früher durften auch die bunten Prachtstöckln für die heiratsfähigen Töchter sowie die dünnen Pfennigkerzen nicht vergessen werden", wie der Heimatbeilage zum amtlichen Schulanzeiger 172 zu entnehmen ist.

Auf dem Land soll früher auch das kleinste Büblein ein brennendes Wachsstöcklein in die Hand gedrückt bekommen haben, um an der Lichterprozession und Kerzenweihe teilzunehmen. "In manchem Bauernhof träufelte der Hausvater nach dem Gottesdienst drei Tropfen vom geweihten Wachs auf ein Stück Hausbrot, gab es den Kindern zu essen und zeigte es dem Vieh im Stall. Die geweihten Kerzen sollten vor Krankheit und Tod, vor Blitz und Hagelschlag schützen."

Zweierlei Strümpfe und Strohbüschel

Am 2. Februar empfingen die Mägde und Knechte einst ihren Jahreslohn, von dem ein guter Teil gleich auf dem Lichtmessmarkt umgesetzt wurde. Auf diesem Bauernmarkt hielt man auch Ausschau nach einer neuen Dienstherrschaft. Die dienstbotensuchenden Bauern erkannten schon von weitem, wer noch frei war: Die Frauen trugen zweierlei Strümpfe, einen weißen und einen roten, während die Burschen ihre Hüte mit einem Strohbüschel geschmückt hatten.

Hatte man eine Stellung, so galt es verschiedene Formalitäten zu erledigen. In einem Dienstbotenbuch mussten neben dem Geburtsort, der Geburtszeit, der Statur, der Haar- und Augenfarbe auch die Größe oder Form des Mundes und der Stirn sowie das Aussehen der Nase und des Gesichts eingetragen werden. Andreas Hahn aus Ziegenburg zum Beispiel hatte "eine niedere Stirn, eine stumpfe Nase und ein ovales Gesicht". Einen kleinen Mund soll der Dienstbote auch gehabt haben.

Die Magd Margaretha Zimmermann war dagegen von mittlerer Größe, hatte einen untersetzten Körperbau, braune Augen und blondes Haar. Die in Witzleshofen geborene Margaretha trat 1879 mit 15 Jahren in Friedmannsdorf ihre erste Stelle an. Von Lichtmess 1880 bis 1881 diente sie beim Bauern Adam Kolb in Gothendorf und hat sich während der Zeit "treu, fleißig und sittlich" betragen, wie das Bürgermeisteramt bestätigte.

Nur ein paar Kilometer entfernt verdingte sie sich in Rohrersreuth von Lichtmess 1881 bis1882 beim Bauern Peter Hartmann. Gut muss sich die Magd mit dem Bauern Johann Hellmuth in Mittelpöllitz verstanden haben, denn sie diente dort ganze sechs Jahre - von 1882 bis 1888. Schließlich war die Magd ein Jahr in Diensten bei Carl Kunneth in Gefrees, ehe sie weitere sechs Jahre bei Johann Adam Seiferth in Oberpöllitz "treu, fleißig und folgsam" arbeitete. Es folgten noch zwei Jahre beim Ökonom Johann Becher in Witzleshofen und beim Bauern Georg Zimmermann in Hampelshof.

Auf die Probe gestellt

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es noch Knechte in Oberpöllitz. Die Dienstboten wurden vor der Einstellung genau angesehen. So erinnerte sich Karl Kister, wie sein Großvater einen Knecht auf die Probe gestellt hatte. Zufällig am Backtag sei Hannes gekommen, um sich nach einer neuen Stelle umzusehen. Ein üppiges Mal mit frisch gebackenem Brot, Presssack, durchwachsenem Bauch mit Schwarte und einem Liter Most sei aufgedeckt worden. Der Knecht und der Großvater hätten sich am Tisch gegenüber gesessen, so dass Opa genau beobachten konnte, wie Hannes die Haut vom Presssack oder die Schwarte vom Fleisch abzog. Weil der Großvater auch neugierig war, wie dem Knecht hartes Brot schmecken würde, habe er ihn gebeten, in einer Woche noch einmal vorbeizukommen. Zur verabredeten Zeit sei Hannes gekommen. Diesmal sei ihm altes Brot vorgesetzt worden. Schon nach ein paar Bissen habe der Knecht gesagt: "Hartes Brot schmeckt wie Nusskern. Das ess ich genauso gern". Damit hatte Hannes seinen Platz sicher. Per Handschlag wurde der Einstand besiegelt.

Viele Pflichten

Die Dienstboten waren zu "Gehorsam, Treue, Fleiß, Aufmerksamkeit, gewissenhafter Leistung obliegender Dienste, zur Ehrerbietung gegen die Dienstherrschaft" verpflichtet. Dienstboten, die sich zur Arbeitszeit in Wirtshäusern herumtrieben, wurden "mit Haft bis zu acht Tagen oder an Geld bis zu 15 Talern bestraft". Natürlich hatten auch die Dienstherren ihre Pflichten. Sie hatten darauf zu sehen, dass die Dienstboten "einen religiösen, sittlichen Lebenswandel führen und den sonn- und feiertägigen Gottesdienst besuchen".

Mitunter gab man den neuen Dienstboten zum Eintritt in das Haus einen Laib Brot als Geschenk, der ihnen Glück bringen sollte. Der erste Gang nach dem Essen galt dem Stall. Die Neue, die den Stallbesen aufhob, galt als eine, die zupackte. "Glück im Stall" lautete ein vielfach ausgesprochener Wunsch. "Glück im Stall" wird auch heute noch gewünscht, wenngleich die Dienstboten längst vom Maschinenpark verdrängt worden sind.