Ärger mit dem Grünen Zentrum: Der Kaufpreis für das alte Spinnereigebäude am Bahnhofsplatz war am 21. Mai fällig - aber die 1,2 Millionen Euro kamen nicht bei der Stadt an. Im Rathaus wurde man nervös. Jetzt die Kehrtwendung: Das Geld ist da.

Wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) bestätigt, ging der Kaufpreis auf dem Konto der Stadt Kulmbach ein. Damit hat der Investor aus St. Gallen, Frank Dieter Naumann, Wort gehalten.

Wie berichtet, ließ er über seinen Münchner Rechtsanwalt, Arnim Rosenbach, ankündigen, dass die Bezahlung des Kaufpreises "spätestens Ende Juli" erfolgen werde. Eine Ankündigung, die eingehalten wurde.

Noch keine Erfolgsgeschichte

Das Grüne Zentrum ist bis jetzt aber noch keine Erfolgsgeschichte. In den denkmalgeschützten Gebäudetrakt von 1928 mit der seinerzeit fortschrittlichen, streng gerasterten Betonskelettbauweise sollen Behörden aus dem Bereich Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einziehen. Von rund 100 Arbeitsplätzen war bisher stets die Rede.

Doch die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Geschäftsmann gestaltete sich laut Stadt nicht einfach. In der Planungsphase gab es offenbar einige Schwierigkeiten und Abstimmungsprobleme. Unvollständige Unterlagen, der Umgang mit Originalsubstanz, die erhalten werden muss, der künftige Haupteingang an der Ostseite, die Größe des neuen Staffelgeschosses oder die Zufahrt zur Tiefgarage - eine Reihe strittiger Fragen sorgte für Verzögerungen.

Im März gab der Stadtrat grünes Licht für das Projekt mit einem Volumen von weit über 40 Millionen Euro.

Oberbürgermeister Lehmann ("Die alte Spinnerei ist tief in der Identität der Stadt Kulmbach verwurzelt") hatte die Sanierung des markanten Industriegebäudes zur Chefsache gemacht und Kontakt zum Käufer gehalten.

Gestern sagte der Rathauschef: "Ich bin froh, dass das Geld eingegangen ist. Wir haben von unserer Seite alles gemacht. Der Investor hat die Baugenehmigung, und jetzt hoffen wir, dass die Baumaßnahme zügig beginnt."

Bezugsfertig Ende 2022?

Daran hat auch der künftige Mieter Interesse: die Immobilien Freistaat Bayern (Imby). Denn es ist geplant, dass bis Ende 2022 das Grüne Zentrum mit der Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV), dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach (AELF) und dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Betrieb geht.

Die verbleibende Zeit reiche für die Sanierung noch aus, teilte der Investor der Stadt im Mai mit. Gibt es inzwischen einen Bauzeitplan? Wann sollen die Bauarbeiten losgehen? Auf Anfrage der Bayerischen Rundschau konnte Rechtsanwalt Rosenbach dazu gestern keine "belastbare Aussage" machen.