Da geht's den Besuchern des Theaterrings wie den Premierengästen am 3. Oktober in Berlin zur Wiedereröffnung der Staatsoper: So ganz passt eine ganz große Oper dort noch nicht, und auch in Bad Kissingen nicht wirklich auf die Bühne des Hauses. Die Oper des Theaters Hof, die nach ihrem großartigen Erfolg mit Bizets "Carmen" in der letzten Spielzeit unbedingt wieder zum Theaterring kommen sollte und wollte, eröffnet am 18. Oktober den 33. Theaterring im Kurtheater mit Richard Wagners "Der fliegende Holländer" in einer Spielzeiteröffnungs-Premieren-Produktion, für die die Dimensionen des Kurtheaters etwas knapp bemessen sind.
Da Hof aber auch noch andere Gastspiele in kleineren Häusern gibt, haben die findigen Oberfranken eine zweite Inszenierung erarbeitet: Das Orchester sitzt auf der Bühne, Sänger und Chor spielen die Handlung mit Lichtregie und in den Originalkostümen, soweit das die Abmessungen des Kurtheaters zulassen.
Keinerlei Abstriche gibt es bei Wagners grandioser und mitreißender Musik. Wie dessen großes Vorbild Carl Maria von Weber in seinem "Freischütz" hat Wagner für seine romantische Oper einen Stoff gewählt, der sich noch nicht der germanischen Großmythen bedient, sondern im schwarzromantischen Bereich der Volkslegenden zwischen Fantasie und Realität angesiedelt ist. Die Volkslegende vom "Fliegenden Holländer", der wie Ahasver bis zum Jüngsten Gericht durch die Welt, in seinem Fall mit seinem Gespensterschiff, über die Weltmeere irren muss, ist durch Heinrich Heine in die deutsche Literatur eingegangen.


Geschickte Mischung

In diesen Unerlösten verliebt sich Senta aus dem kleinen norwegischen Ort am Meer, noch bevor sie den Holländer, einen Handelspartner ihres Vaters, den er zufällig getroffen und ihm aufgrund seines offensichtlichen Reichtums auch gleich seine Tochter versprochen hat, zum ersten Mal leibhaftig vor sich hat. Wagner mischt geschickt realistische Szenen, die Werkstatt, in der die Spinnerinnen bei der Arbeit singen, oder das Dorffest, bei dem die Seeleute wild feiern mit der Darstellung der Wildheit des Meeres und des immer wieder eindringenden Unheimlichen in seiner Musik.
Senta wirft sich für den Geliebten in eine Opferrolle, obwohl der Holländer sie gewarnt hat, entfernt sich von ihrem Verlobten Eric, ihren Kolleginnen und ihrem Vater.
Inszeniert hat der Hofer Intendant Reinhardt Friese, der sich absolut nicht als Wagnerianer sieht: "Das, was ich an Wagner problematisch finde, kommt bei dem Stück nicht wirklich zum Tragen. Bei dem Werk handelt es sich um einen großen Stoff, der der deutschen Romantik verpflichtet ist - sowohl in seiner Aussage als auch in der Art der musikalischen Umsetzung. Und die Musik ist ungeheuer kraftvoll! Also: Gute Musik, eine spannende Story, tolle Rollen für unser Musiktheaterensemble und den Opernchor - das passt einfach alles und da haben wir gesagt: Das machen wir!" Obwohl die Erlösung des Holländers zentral ist im Stück, bekennt Friese: "Für mich ist das Stück von der Figur der Senta aus gedacht. Über ihren Kopf hinweg wird ein Eheversprechen gegeben, weil die Kasse für Sentas Vater Daland stimmt und der Holländer eine Frau braucht, die treu zu ihm steht und ihn erlösen könnte: "Ich hab Schätze und du hast eine Tochter." Dieses nüchterne Kaufmannskalkül trifft auf die hypersensible Senta, die sich ein spannenderes Leben als ihre Altersgenossinnen in dem kleinen norwegischen Küstenort erträumt, ein erfülltes und erfüllendes Leben jenseits ihres Alltags mit einem "einsamen Wolf" wie dem Holländer. Die musikalische Leitung hat der neue Hofer Generalmusikdirektor Walter E. Gugerbauer, der bis 2012 als GMD in Erfurt sehr erfolgreich arbeitete - Chefsache auf beiden Positionen also. Es singen hauseigene Solisten und Gäste; es spielen die Hofer Symphoniker. Karten gibt es bei der Tourist-Information Arkadenbau, bei kissingen-ticket@badkissingen.de und unter der Telefonnummer 0971/804 84 44 und an der Abendkasse im Kurtheater.