Auseinandergesetzt - in des Wortes wahrer Bedeutung - war der Marktgemeinderat Hirschaid, als er kürzlich in der Regnitzarena den Haushalt 2020 verabschiedete. Es brauchte schon eine Turnhalle, um die Räte so breit zu verteilen, dass eine Übertragung des lebensgefährlichen Coronavirus von einem zum anderen unwahrscheinlich erschien. Eine Auseinandersetzung über das Zahlenwerk fand hingegen kaum statt: Trotz einer geradezu schwindelerregenden Neuverschuldung um 14,85 Millionen Euro in diesem Jahr wurde der vom Kämmerer Christian Kropfelder vorgelegte Haushaltsentwurf mit einem Gesamtvolumen von 45,3 Millionen Euro (15 Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahr) einstimmig gebilligt.

2020 brechen die Wogen über Hirschaid zusammen: Seit einigen Jahren bahnen sich einige Großprojekte an, so der Abbau des Investitionsstaus in der Wasserversorgung, der Beginn der Schulhaussanierung und der Neubau eines Kindergartens, um nur die dicksten Brocken zu nennen. Dazu kommen ein heftiger Schwund des Gewerbesteueraufkommens (minus 2,35 Mio. Euro) nicht nur im Zusammenhang mit der Corona-Krise sowie Abstriche bei der Einkommensteuer- und der Umsatzsteuerbeteiligung (minus 1,95 Millionen Euro). Statt wie seit 2008 üblich einen siebenstelligen Betrag aus dem Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt zu transferieren, müssen in diesem Jahr 2,82 Millionen Euro in umgekehrte Richtung verbucht werden.

Trotz allem verbreitete Bürgermeister Klaus Homann (CSU) Zuversicht: Wegen der derzeit niedrigen Darlehenszinsen "werden wir das in den Griff bekommen, da müssen wir jetzt einfach durch". Im Übrigen herrschte im Marktgemeinderat Einvernehmen darüber, dass es sich bei den Investitionen um Pflichtaufgaben handelt. Nur SPD-Rat Josef Haas mahnte an, mehr denn je die freiwilligen Leistungen zu beschränken und die Bürger entsprechend zu informieren, worauf Bürgermeister Homann um Kürzungsvorschläge aus dem Gemeinderat bat.

Das Wort vom "finanziellen Fiasko", ausgesprochen von Kurt Barthelmes von der WG Regnitzau, ließ Homann nicht stehen. Zu einer Reihe von Maßnahmen bekomme die Gemeinde wiederum Zuschüsse vom Staat, auch wenn sie ein oder zwei Jahre vorfinanziert werden müssten. Investitionen in die Wasserversorgung sind ohnehin kostenrechnend.

Der Verwaltungshaushalt schließt in diesem Jahr mit 28 Millionen Euro ab, der Vermögenshaushalt hat gegenüber 2019 ein um 82 Prozent gesteigertes Volumen von 17,3 Millionen . Euro. Die Hebesätze für die Grundsteuern und die Gewerbesteuer betragen 360 Prozent.

Kämmerer Kropfelder führt das "hohe Niveau" im sachlichen Verwaltungs- und Betriebsaufwand mit rund 10,77 Millionen Euro auf die beträchtlichen Instandhaltungskosten der Frankenlagune, den Straßenunterhalt, die Abwasserreinigung und die Wasserversorgung zurück. Die Personalkosten der Marktgemeinde belaufen sich heuer auf 6,62 Millionen Euro. 6,16 Millionen muss Hirschaid an den Landkreis abgeben. Den Betriebskostenzuschüssen für die Kindertagesstätten in Höhe von drei Millionen Euro stehen Ausgaben von 6,7 Millionen Euro gegenüber. Zwei Millionen Euro beträgt das Defizit der Frankenlagune; 1,8 Millionen kostet der Schulbetrieb und mit 633 000 Euro Kosten schlägt die Regnitzarena zu Buche. Im Vermögenshaushalt stehen auf der Einnahmenseite nur 1,1 Millionen Euro aus dem Verkauf von Grund- und Anlagevermögen, 361 000 Euro Herstellungsbeiträge sowie 986 000 Euro Zuschüsse. Und dann der dicke Brocken: 14,85 Millionen Euro neue Schulden.

Schulhaus verschlingt Millionen

Wofür wird das viele Geld benötigt? Die Schulhaussanierung (erster Bauabschnitt) verschlingt 3,26 Millionen Euro, die Abwasseranlage wird mit 2,63 Millionen Euro ertüchtigt, die Wasserversorgung für 2,4 Millionen Euro verbessert. 1,2 Millionen Euro werden in die Kindergärten investiert, eine Million Euro in den Straßenbau und 331 500 Euro in den Brand- und Katastrophenschutz.

Zur Tilgung alter Kredite sind 1,2 Millionen Euro vorgesehen. In das laufende Haushaltsjahr ging die Marktgemeinde mit einem Schuldenstand von 5,25 Millionen Euro, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 423 Euro entspricht (Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden: 648). Wenn alle für 2020 geplanten Maßnahmen durchgeführt und die Rechnungen - mit Hilfe der neuen Kredite - beglichen sind, steht die Marktgemeinde Hirschaid bei rund 20 Millionen Euro Schulden. Und damit ist noch nicht Schluss: Für 2021 sieht der Kämmerer einen weiteren Kreditbedarf im Umfang von sieben Millionen Euro voraus. Bei der Gemeindeaufsicht im Landratsamt Bamberg hat sich Kropfelder schon das Wohlwollen abgesichert. Nicht, dass von dort ein dicker Strich durch die Rechnung gemacht wird. Die größte Gemeinde des Landkreises gerät ganz tief in die roten Zahlen.