Die Industriegewerkschaft (IG) BAU warnt vor einer Fachkräfte-Krise im Kreis Haßberge. Der Grund: Die Zahl der Gesellen-Prüfungen geht zurück.


Goldener Boden?

Das Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Aber gilt das auch noch in Zukunft?, fragt die Gewerkschaft in einer Mitteilung an die Medien. Angesichts einer zunehmenden "Akademisierung" warnt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) vor einer Fachkräfte-Krise für Handwerksbetriebe im Kreis Haßberge. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Handwerkskammer für Unterfranken: In deren Bereich legten im vorletzten Jahr lediglich rund 2300 Auszubildende eine Abschlussprüfung ab - zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 3220. Das macht einen Rückgang von 29 Prozent, hat die IG BAU errechnet. Der Gesellen-Schwund ist dabei ein landesweites Phänomen: Zwischen 2010 und 2015 sank die Zahl der Gesellen-Prüfungen in Bayern um 19 Prozent.
Die IG BAU Mainfranken spricht von einem "besorgniserregenden Trend. Immer mehr Schulabgänger gehen lieber an die Uni statt in einen Handwerksbetrieb", sagt Bezirkschef Michael Groha.
Dabei biete etwa die Baubranche im Landkreis Haßberge und andernorts gute Verdienstmöglichkeiten und eine lange "Karriere-Leiter". Per Aufstiegsfortbildung könne man es bis zum geprüften Polier oder Bauleiter bringen - und dann sogar mehr verdienen als viele Architekten. "Sei schlau, geh zum Bau - dieser Tipp gilt nach wie vor", meint Michael Groha.
Nach den Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft waren im vergangenen Oktober 57 Bau-Azubis im Landkreis Haßberge gemeldet. "Damit steht der Bau besser da als viele andere Handwerksbereiche. Trotzdem: Jeder zusätzliche Azubi wird gebraucht", sagt der Gewerkschafter - "besonders in Zeiten einer deutlich anziehenden Baukonjunktur." Zudem werde der Fachkräftebedarf angesichts geburtenschwacher Jahrgänge in den 90er-Jahren weiter steigen.


Gut bezahlte Tätigkeit

Ein wichtiges Argument, eine Bau-Ausbildung zu machen, sei nach wie vor die Bezahlung, so Groha. Die Verdienste der Auszubildenden lägen meist sogar über denen der Industrie. Im ersten Lehrjahr geht ein angehender Maurer oder Straßenbauer laut Gewerkschaftsangaben mit 755 Euro pro Monat nach Hause. Im dritten Ausbildungsjahr sind es sogar 1400 Euro. Damit sind Bau-Azubis laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Schnitt die Bestverdiener unter allen Auszubildenden. "Wer aber Fachkräfte in der Branche halten will, muss auch im Anschluss etwas tun. Der Einkommensabstand zwischen Industrie und Handwerk vergrößert sich seit Jahrzehnten", betont Groha. Die Rahmenbedingungen am Bau müssten darum entsprechend denen in der Industrie angeglichen werden, fordert er.
Mehr Schulabgänger werde man nur gewinnen, wenn sich neben dem Einkommen auch die Arbeitsbedingungen und das Image der Branche verbesserten, ist die IG BAU überzeugt. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefordert. "Beim Bau denken viele an extremes Malochen. Doch hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Maschinen und digitale Technik erleichtern das Arbeiten." Und wer auf dem Bau arbeite, komme auch herum und lerne das Land kennen. Bei der Arbeit auf auswärtigen Baustellen müsse der Chef mittlerweile auch die Unterkunft stellen und bezahlen, erklärt Michael Groha.
Die IG BAU Mainfranken befindet: "Je besser die Perspektiven am Bau, desto eher werden wir die Leute halten." red