von unserem Mitarbeiter Helmut Will

Haßfurt — Wegen eines Vergehens nach dem Betäubungsmittelgesetz (BTMG) musste sich eine 46-jährige Frau aus dem Landkreis vor dem Amtsgericht in Haßfurt verantworten. Ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, lautete das Urteil des Schöffengerichts.
Staatsanwalt Markus Reznik warf ihr vor, dass sie Haschisch von guter Qualität und in nicht geringer Menge unerlaubt besessen und damit Handel getrieben habe. Im November 2013 waren in ihrer Wohnung 111 Gramm Haschisch, Geld und Rauschgiftutensilien gefunden worden. Beamte der Kriminalpolizei Schweinfurt, die als Zeugen gehört wurden, hatten die Platte Haschisch als sogenannten "Zufallsfund" bei Ermittlungen wegen eines zunächst angenommenen unnatürlichen Todesfalls des ehemaligen Lebenspartners gefunden.
Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Jochen Kaller, sagte auf Vorhalt von Richterin Ilona Conver, seine Mandantin gebe nur zu, dass sie das Haschisch zum Eigengebrauch hatte. "Besitz ja, Handel nein", so der Anwalt.

"Hast du einen Fuffy für mich"

Die beiden Kripobeamten stellten bei ihren Ermittlungen fest, dass auf dem sichergestellten Handy SMS-Nachrichten mit "rauschgifttypischer Kommunikation" gefunden wurden. "Kann ich vorbei kommen", "hast du einen Fuffy für mich", wurde von der Polizei als Hinweis auf Handel mit Betäubungsmittel (BTM) gewertet. Dieser Annahme widersprach Rechtsanwalt Kaller, weil er keinerlei beweisbare Erkenntnisse sah, die auf einen Handel mit Drogen hinwiesen.

"Beikonsum"

Der Kripobeamte, der das Haschisch fand, sagte aus, dass die Angeklagte bei der Durchsuchung angegeben habe, das Haschisch gehöre ihr nicht. Auf Vorhalt von Staatsanwalt Reznik sagte der Kripobeamte, dass auch beim Sohn der Angeklagten Ecstasy gefunden wurde und auch ihr ehemaliger Lebensgefährte mit Rauschgift zu tun gehabt habe.
Die Angeklagte sagte auf Frage der Richterin, dass sie clean sei, was einen Schöffen zur Frage veranlasste, warum man dann Haschisch zu Hause habe. Dazu sagte sie, dass sie früher ein Drogenproblem mit Opiaten hatte und das Haschisch als "Beikonsum" nutzte. Das Bundeszentralregister der Angeklagten wies fünf Einträge auf, darunter auch solche nach dem Betäubungsmittelgesetz.
Staatsanwalt Reznik führte in seinem Plädoyer aus, dass die Angeklagte den Besitz der 111 Gramm Haschisch zugegeben habe. Die Hälfte dieser Menge rechnete ihr die Staatsanwaltschaft als Handel an, sie habe ja auch schon früher Handel mit Drogen betrieben. Einen minderschweren Fall könne er nicht erkennen, weshalb er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten beantragte. Außerdem sollen ihr 150 Arbeitsstunden auferlegt werden.

80 Sozialarbeitsstunden

"Wir hatten heute eine unergiebige Beweisaufnahme", führte dagegen Rechtsanwalt Kaller in seinem Plädoyer aus. Der Handel ist seiner Überzeugung nach nicht nachzuweisen, weil außer der Angeklagten in deren Wohnung noch zwei weitere Personen in Frage kämen, die damit etwas zu tun haben könnten. "Neun Monate Freiheitsstrafe halte ich für angemessen", so der Verteidiger.
Das Urteil des Schöffengerichts lautete auf ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem hat die Verurteilte innerhalb von acht Monaten 80 Sozialarbeitsstunden zu leisten und sie muss sich vierteljährlich einem Drogentest unterziehen. "Wahrscheinlich ist, dass sie BTM vertickt haben, aber das Gericht ist hiervon nicht voll überzeugt, weshalb Ihnen nur der Besitz zur Last gelegt wurde", sagte die Richterin zur Verurteilten. Das Urteil ist indes noch nicht rechtskräftig.