Wenn zwei bis drei Prozent der Menschen in unserem Land alkoholkrank sind, würde das ungefähr 260 bis 390 Menschen in Höchstadt betreffen, ist sich Norbert Weigand-Schönnagel sicher. Er möchte in Höchstadt eine Begegnungsgruppe für alkoholkranke Menschen und ihre Angehörigen unter der Schirmherrschaft des Blauen Kreuzes ins Leben rufen. Das erste Treffen soll am Montag, 11. Januar, in den Räumen der WAB Höchstadt in der Kapuzinerstraße 7 a stattfinden.
Es gibt viele Vorurteile gegenüber Alkoholikern. Weigand-Schönnagel zählt auf: Sie seien obdachlos, arbeitslos, verfügten über geringe Bildung und trinken tagsüber Schnaps. Doch Alkoholkrankheit hat nichts mit dem Bildungsstand oder einer charakterlichen Schwäche zu tun, stellt der künftige Gruppenleiter fest.
Er war selbst alkoholkrank, hatte aber das Glück, dass es ihm verhältnismäßig leicht fiel, auf das überall verfügbare Suchtmittel zu verzichten und dass seine Frau bis heute zu ihm hält. "Einen Rausch hat jeder einmal", konstatiert er. Schwierig wird es erst dann, wenn ein Mensch regelmäßig eine immer größere Menge Alkohol trinkt. Während es bei Erwachsenen oft zehn Jahre dauert, bis sie abhängig sind und eine Entgiftungs- und Entwöhnungskur brauchen, um davon loszukommen, setzt die Abhängigkeit bei Jugendlichen viel schneller ein.
Wichtig für eine Heilung ist die eigene Einsicht, betont Weigand-Schönnagel. Er weist darauf hin, dass man eine Therapie für sich machen sollte, wenn man geheilt werden wolle. Zu den Treffen, die 14-täglich stattfinden sollen, kann jeder kommen. "Es kostet allerdings meist Überwindung", weiß der Initiator. Deswegen sagt jeder nur das, was er selbst möchte - oder er setzt sich erst einmal einfach hin und hört zu.
"Die Krankheit sucht sich niemand freiwillig aus. Es ist ein schleichender Prozess", erklärt Weigand-Schönnagel. Zudem sei damit oft eine Depression verknüpft. Nach einer Entgiftung im Krankenhaus findet in der Regel eine Entwöhnungstherapie statt. Danach ist selbst alkoholfreies Bier tabu: Die Rezeptoren im Gehirn warten nur auf den Geschmack. Bekommen sie Alkohol, wachen sie auf und das Ganze geht von vorn los.