Eine ganze Reihe an Gewalttaten beschäftigt derzeit das Landgericht Bamberg. Ein 47-jähriger US-Amerikaner muss sich wegen eines Angriffs auf einen Radfahrer in Bamberg, auf eine Gruppe Jugendliche in Rattelsdorf und zwei Polizeibeamte in Bamberg verantworten. Ihm droht nicht nur eine empfindliche Haftstrafe. Möglicherweise hält ihn die Strafkammer unter Vorsitz der Richterin Kerstin Harpf für so gefährlich, dass er für längere Zeit in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden muss.

Es ist später Abend am Ostersonntag letzten Jahres. Am Bolzplatz in Rattelsdorf trifft sich die "Dorfjugend". Mit Fahrrädern, Mofas und Rollern sind die Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren unterwegs. Freudig hupt man zur Begrüßung. Das gefällt Brian D. (Name geändert) gar nicht. Er hat gerade eine Geburtstagsfeier eines Kumpels besucht und macht sich Sorgen um das schlafende Kleinkind des Nachbarn. Er stellt die Gruppe zur Rede. Nach Aussage der Teenager nennt Brian D. sie "Motherfucker" und verpasst einem von ihnen einen schmerzhaften Kniff in die Nase.

"Ich dachte, er steht unter Drogen. Er redete ganz wirres Zeug. Auch dass er uns kaltmacht", so ein Zeuge. Einige Minuten später soll der Mann dann sein Skateboard zur Hand genommen und damit heftig zugeschlagen haben. Einen weht es gar vom Roller. Nur der Schutzhelm verhindert, dass zwei Jugendliche schwerere Verletzungen davontragen. "Er hat ganz laut gelacht und geschrien. Das hat sich ganz gruselig angehört".

Schon zwei Wochen zuvor hatte Brian D. am Bamberger Kunigundendamm für Aufsehen gesorgt. Wenn man den Zeugen glaubt, dann hat er einen auf dem Gehweg dahinschleichenden Radfahrer aus Eritrea zuerst angeschrien, dann rassistisch beleidigt und gegen das Geländer geschubst. "Er hat nach Alkohol gerochen und laut vor sich hingesprochen", so das Opfer. Offenbar störte Brian D., dass ihm und seinem Skateboard der andere Verkehrsteilnehmer im Wege war. Später soll er den 30-jährigen Afrikaner an den Haaren gezogen und ins Gesicht geschlagen haben. Der war völlig perplex und fragte immer nur "Warum"? Als Passanten aufmerksam wurden, flüchtete Brian D., wurde aber von einem anderen Radler bis zu einem nahe gelegenen Supermarkt verfolgt. Die Polizeistreife nahm ihn noch an der Kasse fest.

Endloses Strafregister

Brian D. ist das, was man landläufig einen Kleinkriminellen nennt. Seit 26 Jahren beschäftigt er das Amtsgericht Bamberg regelmäßig mit Ladendiebstählen, Sachbeschädigungen, Schwarzfahrten, unerlaubtem Erwerb, Besitz und Handel von Betäubungsmitteln, Unfallflucht, unerlaubtem Aufenthalt ohne Pass, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzlicher Körperverletzung und exhibitionistischen Handlungen. Die eine Hälfte der Taten diente dazu, ihm Geld für seine Drogensucht zu beschaffen. Die andere Hälfte zeigte die Folgen des Rauschgift-Missbrauchs für seine Umgebung. So hatte er sich und sein Geschlechtsteil augenscheinlich nicht unter Kontrolle, als er im Mai 2012 mitten im Lesesaal der Universitätsbibliothek am Heumarkt die Blicke der weiblichen Studentinnen auf sich zog. In den Jahren 2014 und 2015 nutzte er die Bahnfahrten nach Strullendorf und Zapfendorf, um sich in aller Öffentlichkeit zu befingern. Eine gefährliche Körperverletzung mitsamt Beleidigung brachte ihn vor zwei Jahren gar ans Landgericht Bamberg. Er hatte versucht, einen Bekannten und dessen sechsjährige Tochter die Treppe hinunterzuwerfen. Als das nicht gelungen war, schlug er dem Bekannten vor den Augen des Kindes mehrfach mit der Faust und einer Kopfnuss ins Gesicht und traf ihn zuletzt mit einem City-Roller am Kopf. Die Folgen waren neben Prellungen und Blutergüssen eine Gehirnerschütterung und ein Nasenbeinbruch.

Zum Auftakt des Prozesses bestritt Brian D. alle Vorwürfe. In den übrigen Verhandlungstagen wird es noch um einen tätlichen Angriff auf zwei Polizeibeamte gehen, die ihn im April 2018 in der Bamberger Innenstadt hatten kontrollieren wollen. Dem hatte er sich nach Ansicht der Staatsanwältin Christiane Schütte widersetzt und dabei auch für Nasenbluten und Schürfwunden gesorgt. Ein ähnlicher Vorfall in der Wohnung seiner Freundin hatte ihn bereits 2012 vor Gericht gebracht.

Viel wichtiger aber wird sein, was der psychiatrische Sachverständige Christoph Mattern sagt. Von dessen Gutachten hängt ab, ob Brian D. schon wieder hinter Gittern landet oder "zur Besserung und Sicherung" in einem Bezirksklinikum untergebracht wird.