Am Sonntag konnte Regina Endres in Königsberg bei guter Gesundheit im Kreise ihrer großen Familie ihren 90. Geburtstag feiern. Regina Endres hat ein bewegtes Leben hinter sich, über das sie selbst sagt: "Ich habe im Leben immer Glück gehabt! Ich bin zufrieden."

Geboren wurde sie als Regina Plattner am 17. Februar 1929 in Nimesch in Siebenbürgen. In manchen Geschichtsbüchern werden die Bewohner Siebenbürgens die deutschen Urpioniere genannt. Menschen, die sich damals für die Ostwanderung meldeten, sagte man den Spruch nach: "Wer nicht arbeiten kann wie ein Gaul, genügsam fressen wie eine Sau, bellen wie ein Hund - der wird dort nicht gesund." Die Herrschaft über Siebenbürgen wechselte im Lauf der Geschichte mehrmals. 1918 fiel dieses Land mit den deutschen Bewohnern, deutscher Kultur und Traditionen an Rumänien. Regina Endres wurde also in Rumänien geboren, in Nimesch, einem kleinen Dorf mit 200 Einwohnern, rund 100 Kilometer nördlich der Kreisstadt Hermannstadt.

Kindheit auf dem Bauernhof

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Die Eltern hatten einen Bauernhof, dort verbrachte Endres ihre Kindheit, Schul- und Jugendzeit. Zu Hause musste sie hart mitarbeiten, auf den kleinen Bauernhöfen gab es jede Menge zu tun. Bescheidenheit, die die Menschen prägte, war angesagt. Da gab es keine Ausflüge in die großen Städte oder an das gar nicht so weit entfernte Schwarze Meer, wie sich das Geburtstagskind erinnert. Der enge Bereich des Dorfes war für Regina Endres Lebensraum und Heimat.

1945 änderte sich das Leben völlig. Sowjetische Truppen kamen zum Ende des Zweiten Weltkrieges nach Rumänien. Die Deutschstämmigen traf das hart.

Alle Arbeitsfähigen über 18 Jahren wurden nach Russland verschleppt. Regina war noch nicht so alt. Aber, da die Russen es damit nicht so genau nahmen, baute ihr der Vater vorsichtshalber ein Versteck in der Doppeldecke der Speisekammer.

Nachdem diese Gefahr vorbei war, kam die Enteignung des elterlichen Anwesens. Regina arbeitete dann auf einem Staatsgut. 1947 heiratete sie den Landsmann Albert Binder, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite gekämpft hatte und aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte. Drei Kinder (Regina, Albert und Erna) gingen aus der Ehe hervor. 1962 starb ihr Mann Albert.

Da die Deutschen in Rumänien immer mehr ausgegrenzt wurden und sich die Armut ausbreitete, beschloss Regina, sich mit ihren drei Kindern nach Deutschland zu begeben. Das ging damals nur über Österreich. Sie fand dort 1968 erst einmal Asyl. Über ihren Cousin Konrad Plattner, der zu dieser Zeit in Königsberg wohnte, und einer durch die Stadt Königsberg ausgestellten Wohnungsbescheinigung, kamen die Binders über Friedland, wo damals die Einreisepapiere ausgestellt wurden, 1969 nach Königsberg.

Hier fand sie in der Regiolux bald Arbeit. 1976 heiratete sie in den Holzhäuser Oswald Endres, zog zu ihm nach Holzhausen und zog zwei Kinder (Norbert und Betina) groß.

Soziales Engagement

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Das Schicksal wollte es, dass auch diese Ehe durch den Tod ihres Mannes 1988 nicht lange Bestand hatte. 1989 zog sie wieder n ach Königsberg, wo sie sich im Volksbildungswerk, beim Roten Kreuz und im Gesangverein Unfinden sehr aktiv einbrachte. Regina ist eine allseits geachtete Königsbergerin. An ihre ursprüngliche Heimat erinnert sie sich aber auch noch gerne. Zu ihrem runden Geburtstag gratulierten ihr neben acht Enkeln und zehn Urenkeln auch Bürgermeister Claus Bittenbrünn und Pfarrer Peter Hohlweg. Der Gesangverein Unfinden gratulierte mit einem Geburtstagsständchen.