Ist Fußpflege im Lockdown überhaupt möglich? Bei dieser Frage scheint im Allgemeinen die Antwort "Nein" vorzuherrschen. "Fußpfleger dürfen doch jetzt gar nichts machen." Diesen Satz bekommt auch Silke Groß oft von potenziellen Kunden zu hören.

Groß betreibt seit gut einem Jahr ein Kosmetikstudio in Hochstadt im Nebenerwerb. Ab Februar macht sich die Fachkraft für Fußpflege mit ihrem Studio und mobiler Fußpflege komplett selbstständig und möchte diese Behauptung im Sinne ihres gesamten Berufsstandes und dessen Kunden richtigstellen. "Die Leute sind verunsichert und sagen mir: Wieso machst du Werbung und willst im Februar eröffnen? Du darfst doch im Lockdown sowieso nichts machen", so Groß.

Die Corona-Beschränkungen beziehen sich jedoch nur auf kosmetische und nicht auf medizinische Behandlungen, weiß die ehemalige Kinderkrankenschwester und verweist auf die Internetseite der Handwerkskammer von Oberfranken.

Ärztliche Anleitung

Hier ist für jedermann einsehbar, dass laut Bayerischem Gesundheitsministerium medizinische Fußpflege dann erlaubt ist, wenn sie von einem Arzt verordnet wurde oder unter ärztlicher Anleitung erfolgt. Wenn ein Arzt per Attest bescheinigt, dass die betreffende Person ihre Nägel aufgrund körperlicher Einschränkung nicht selbst schneiden kann und deshalb gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen, dann können Fußpfleger diese Leistung auch ohne podologische Ausbildung vornehmen. Des Weiteren sind Fußpflegeleistungen an Personen mit mindestens Pflegegrad zwei zulässig, da diese als pflegerische Leistungen angesehen werden. Silke Groß wollte mit ihrer Selbstständigkeit eigentlich schon im Dezember 2020 durchstarten und ihre Dienstleistungen sowohl in ihrem Studio als auch mobil anbieten. Diesen Plan haben der Lockdown und die allgemeine Verunsicherung jedoch durchkreuzt.

Viel Bürokratie

Schon zu normalen Zeiten sei die Bürokratie für ein solches Vorhaben immens, so die 44-jährige Mutter einer Patchwork-Familie mit sechs Kindern. Jetzt zu Corona-Zeiten sei es noch viel schlimmer. Zuverlässige Informationen, Fakten und Aussagen bei den Behörden zu bekommen sei ein Geduldsspiel. "Du hältst dich an alle Auflagen, aber du weißt nicht, ob du was machen darfst", sagt Silke Groß. Auch mit der Anlieferung bestellter Waren gab es Probleme. "Die Zusteller lesen auf den Paketen das Wort Kosmetikstudio und liefern gar nicht erst an, weil sie denken, da ist ja sowieso nicht offen."

Trotz aller Widrigkeiten lässt sich Silke Groß aber nicht entmutigen und wagt den Schritt in die Selbstständigkeit.