Sie haben vieles gemeinsam. Beide feierten am Freitag einen runden Geburtstag, zusammen sind sie jetzt 130 Jahre alt. Beide haben sie mit sechs Jahren begonnen, beim TSV Thurnau das Fußballeinmaleins zu erlernen und beide spielten später erfolgreich höherklassig: Vater Klaus Thau (80) bei der SpVgg Bayreuth und Sohn Alexander (50) ebenfalls zunächst bei der "Altstadt", später unter anderem beim SC Weismain in der Bayernliga.

Als vierjähriger Bub kam Klaus Thau mit seiner Familie aus dem schlesischen Waldenburg in die Töpfergemeinde. Er ging hier zur Schule und erlernte bei der Firma Schwender den Beruf des Bauschlossers, später war er als Kundendienstmonteur für die Firma tätig. Und auch hier gibt es zwischen Vater und Sohn Parallelen, denn Alexander absolvierte ebenfalls bei Schwender seinen Beruf, den er heute noch in seiner neuen baden-württembergischen Heimat ausübt.

In Thurnau merkte man sehr schnell, dass mit Klaus Thau ein ausgesprochenes Fußballtalent heranwächst. Nach der Schülermannschaft wechselte der Jubilar allerdings zum Nachbarverein SSV Kasendorf: "In der Jugend ging damals beim TSV nichts zusammen. Ich wurde immer mit dem Motorrad zum Training und den Spielen abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht." Als Thau noch als Jugendlicher einmal beim Seniorentraining des TSV Thurnau Zaungast war, kam die Aufforderung mitzuspielen, zur rechten Zeit: ",Hopp Borsch, gi mol rei, uns fehlt nuch aner!' Sie mussten es nicht zweimal zu mir sagen."

Das Fußballtalent holten die Thurnauer dann schnell aus Kasendorf zurück, und der junge Klaus leitete als torgefährlicher Spieler im Mittelfeld mit seiner Mannschaft eine sehr erfolgreiche Ära beim TSV ein: "Ich schoss damals über 25 Tore und spielte bis zur Bezirksliga. Karl Siemko - er ging bei mir in Thurnau ein und aus - versuchte, mich damals zum ATS Kulmbach zu holen." Die verwandtschaftlichen Bande zur SpVgg Bayreuth waren aber stärker als das Werben des unvergessenen ATS-Trainers. "Der Größlers Manne und der Hackers Werner, der mit uns verwandt und damals der Fußballabteilungsleiter bei der Altstadt war, haben das natürlich mitbekommen und zu mir gesagt: Wenn einer als Mittelfeldspieler so viele Tore schießt, dann muss er gut sein."

Nach einem Probetraining wurde Klaus Thau 1968 als 28-Jähriger mit einem Vertrag auch schnell an die SpVgg Bayreuth, die damals in der 2. Liga spielte, gebunden: "Ich bekam ein Grundgehalt von 400 Mark und bei Auswärtssiegen 100 Mark extra. Als ich einmal in München war, erfuhr ich, dass die Spieler des FC Bayern München mit ihrem Grundgehalt noch unter uns lagen."

Die Karriere bei der SpVgg Bayreuth war aber schon nach der zweiten Saison für Klaus Thau beendet, denn ein Magendurchbruch bedeutete das Ende des Leistungssports. Doch Aufhören mit dem geliebten Fußballsport konnte Klaus Thau nicht, und so trainierte er beim TSV Thurnau und bei der SpVgg Bayreuth den Nachwuchs, unter anderem auf der Jakobshöhe auch Michael Hofmann, den späteren Bundesligakeeper des TSV 1860 München. Klaus Thau hat Michael Hofmann noch in bester Erinnerung: "Er war ein Fußballbesessener. Als ich einmal das Training aufhören wollte, kam er zu mir und sagte, dass er noch weiter trainieren wollte."

Später folgte Thau auch dem Ruf der SpVgg Wonsees und des SV Hutschdorf als Seniorentrainer. Und auch hier kam es wieder zu Gemeinsamkeiten mit Sohn Alexander, denn er war beim Training des Vaters oft mit dabei und zeigte als Jugendfußballer bereits sein Talent, das vor allem bei der SpVgg Bayreuth besonders gefördert wurde. Klaus Thau hält sich auch mit seinen nunmehr 80 Jahren sportlich immer noch fit, läuft gern, manchmal mit dem Hund der Enkeltochter über 50 Kilometer in der Woche, oder ist mit dem Fahrrad unterwegs. Der Fußball interessiert ihn nicht mehr in dem Maße wie früher, aber ab und zu schaut er sich ein Heimspiel des SSV Kasendorf an. "Da drüben bin ich wie daheim, da kennt mich jeder und da kommt Hinz und Kunz zu mir."

Dass der Kommerz den Profi-Fußball nahezu grenzenlos beherrscht, finden Vater und Sohn gleichermaßen verrückt. Klaus Thau: "Ich denke, dass es mit den Gehältern und Ablösesummen nicht mehr lange so weitergehen wird." Werner Reißaus