von unserem Korrespondenten Nikolas Pelke

Fürth — Die Fürther finden die Michaelis-Kirchweih so schön, dass sie meinen, das Traditionsfest habe das Zeug zum Weltkulturerbe. Eine Lachnummer sei die Bewerbung nicht, sagt Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD). "Wir gehen ins Rennen. Wir haben nichts zu verlieren", betonte Jung kurz vor dem Start der Kirchweih am 3. Oktober in der Kleeblattstadt.
Die "Königin der fränkischen Kirchweihen" brauche sich vor keiner Konkurrenz zu fürchten. "Ein Versucht ist es wert, weil wirklich eine jahrhundertealte Tradition dahinter steht", ist sich der Oberbürgermeister sicher. Die Wurzeln des Traditionsfestes gehen auf den Bau der Michaelis-Kirche im elften Jahrhundert zurück. Die erste Kerwa sei bereits im 16. Jahrhundert urkundlich erwähnt. "Damit ist die Fürther Kirchweih wesentlich älter das Oktoberfest in München oder das Annafest in Forchheim", sagt Wirtschafts- und Kirchweihreferent Horst Müller.
Vor dem schönen Titel muss sich das Fürther Fest freilich noch gegen drei Konkurrenten aus dem Freistaat durchsetzen. Wenn das gelingt, wartet noch die nationale Ausscheidung mit 63 Gegenkandidaten.
Man grenze sich bewusst von Gerstensaft-Happenings wie dem Erlanger Berg oder der Münchner Wiesn ab, erklärt Jung. Dort stünden schließlich nicht das Kleinkind und die Oma, sondern "der Biertrinker im Mittelpunkt". Das Fest in Fürth sei einfach familienfreundlicher. "Wir haben keine Festzelte. Wir haben keine Ballermann-Musik", sagt Horst Müller.


300 Stände in der Altstadt

Trotz der ganzen Aufregung um den möglichen Welterbe-Titel wollen die Fürther freilich am Boden bleiben. "Wir könnten problemlos behaupten, dass wir die größte Straßenkirchweih in ganz Deutschland sind", sagt Kirchweihreferent Müller. Immerhin stünden in der Fürther Altstadt allein rund 300 Stände. Aber weil Fürth eben Fürth sei, spreche man nur von der größten Straßenkirchweih in Süddeutschland.
Apropos auf dem Boden bleiben: Mit der Zahl der Besucher ist man in Fürth auch zufrieden. Mehr als die rund 1,5 Millionen Gäste sollen es laut Müller auch heuer nicht werden, um die Atmosphäre und den Charakter rund um die Fürther Freiheit nicht zu zerstören. Am 3. Oktober geht in Fürth die fünfte Jahreszeit los und dauert bis zum 14. Oktober. Einen Werbe-Slogan haben sich die Fürther rechtzeitig für ihre "Kärwa" (so schreibt sich Kerwa in Fürth) schon ausgedacht: "Dou mäi mer hie!" Das Programm mit allen Höhepunkten gibt es im Internet unter www.michaelis-kirchweih.de.