Siege über den FC Bayern München waren für Andrea Trinchieri während seiner erfolgreichen Zeit als Trainer der Bamberger Brose-Basketballer immer besonders süß. Der Italiener bezeichnete damals den reichen Emporkömmling aus der Landeshauptstadt als Aliens, die aus dem Nichts erschienen seien und die Herrschaft über die Bundesliga an sich reißen wollten. Trinchieri verhinderte dies zunächst, indem er die Bamberger in den Jahren 2015, 2016 und 2017 zu drei deutschen Meisterschaften in Folge führte.

Doch jetzt wollen die Münchner endlich eine eigene Erfolgsära einläuten. In den nächsten fünf bis zehn Jahren, so sagte Vereinspräsident Herbert Hainer unlängst, möchten die Bayern nicht nur in Deutschland den Ton angeben, sondern auch in der europäischen Spitze etabliert sein. Und als Trainer, der das Team auf den Weg dorthin führen soll, haben sie sich Trinchieri ausgesucht.

Für den italienischen Maestro schließt sich im Bundesliga-Heimspiel gegen die Bamberger am Sonntag, 27. Dezember (20.30 Uhr/Audi Dome), ein Kreis. Erstmals seit seiner Entlassung trifft der 52-jährige Mailänder als Coach der Bayern in einem Pflichtspiel auf seinen ehemaligen Verein, mit dem er etliche "süße Siege" über die Münchner gefeiert hat. Wir blicken auf einige denkwürdige bayerische Duelle aus Trinchieris Zeit als Trainer der Bamberger zurück.

1. Das erste Duell Am 17. Spieltag der Saison 2014/15 traf Trincheri erstmals als Bamberger Coach auf die Münchner, die in diese Spielzeit als Titelverteidiger gegangen waren. Im Spitzenspiel der beiden punktgleichen Teams (jeweils 30 Zähler) setzten sich die Bamberger, angeführt von Josh Duncan, der mit 22 Punkten, neun Rebounds und sechs Assists gleich drei persönliche Bestleistungen aufstellte, und Brad Wanamaker (18 Punkte/7 Assists) klar mit 80:63 durch. "Der Sieg ändert jedoch nichts an der Ausgangslage. Wir sind immer noch der Herausforderer, München das Team, das es zu schlagen gilt", meinte Trinchieri nach der Partie.

2.Der erste Titel

Am Ende von Trinchieris erster Saison in Bamberg standen sich die Oberfranken und die Oberbayern in der bislang einzigen Finalserie der beiden bayerischen Kontrahenten gegenüber. In der fünften Partie entthronten die Bamberger am 21. Juni 2015 mit dem 88:84-Erfolg in der Brose-Arena den Titelverteidiger und gewannen ihre siebte deutsche Meisterschaft.

Das Trinchieri-Team führte im dritten Viertel bereits komfortabel mit 55:37, doch die Münchner kamen in der spannenden Schlussphase noch einmal bis auf drei Zähler heran. Dawan Robinson machte aber vier Sekunden vor Schluss nervenstark mit zwei Freiwürfen den Deckel drauf. "Ich habe viele Emotionen in mir. Als Trainer war das heute ein besonderer Job. Jetzt sind wir Meister, das fühlt sich richtig gut an", sagte Trinchieri.

3. Pokal-Aus im Halbfinale

Beim Top Four der Saison 2015/16 warfen die Münchner in eigener Halle den Titelverteidiger aus Bamberg mit 86:79 im Halbfinale aus dem Pokalwettbewerb. Viereinhalb Minuten vor Spielende lagen die Gäste mit 69:64 vorne, Ballverluste bestraften anschließend Deon Thompson und Bryce Taylor mit Dunkings, so dass die Münchner die Partie drehten. "Der wichtigste Muskel in einem K.-o.-Spiel ist das Gehirn. Das Momentum in so einem Spiel ist alles. Jeder Ballbesitz zählt doppelt. Das Spiel war bis drei Minuten vor Schluss offen. Es war ein gutes Spiel, mit viel Kontakt und Kampf. Alles verändert sich mit dem Momentum, und das haben wir auf der Zielgeraden verloren. Das war unsere größte Sünde", kommentierte Trinchieri seine wohl bitterste Niederlage als Brose-Coach gegen den FC Bayern.

4.31 Punkte Vorsprung

Noch in der gleichen Saison revanchierten sich die Bamberger für das Pokal-Aus. In der Halbfinalserie um die deutsche Meisterschaft warfen sie die Münchner mit drei deutlichen Erfolgen aus dem Rennen und zogen mit einem Sieg mit 31 Punkten Vorsprung (96:59) in die Endspielserie gegen Ulm ein. "Wir waren heute bereit, unseren Basketball zu spielen, und jeder hat für das Team gespielt. Das Resultat: Wir spielen das zweite Finale in zwei Jahren", sagte Trinchieri nach seinem deutlichsten Erfolg als Bamberger Trainer über die Bayern. Vor den Augen von NBA-Star Dennis Schröder hatten bei den mit 29 Assists groß aufspielenden Bambergern neun Spieler zwischen acht und zwölf Punkte erzielt.

5.Trinchieris einziger Pokal-Triumph

Beim Top-Four-Turnier der Saison 2017/18 standen sich die beiden bayerischen Kontrahenten in Berlin in einem dramatischen Finale gegenüber. 24 Sekunden vor Schluss verkürzten die Münchener auf 69:70. Als Bamberg kurz darauf den Ball verlor, hatte München plötzlich die Chance zur Führung, aber Nicolo Melli blockte den Korblegerversuch von Nick Johnson - und der letzte Dreier von Bryce Taylor, damals noch in Diensten des FC Bayern, fand drei Sekunden vor dem Ende sein Ziel nicht. "Es war ein sehr schweres Spiel für uns, aber für Basketballfans war es ein wunderbares Duell. Wir haben das Spiel 39 Minuten kontrolliert und haben dann etwas gemacht, was nur wirklich große Teams können: Wir haben das Spiel gewonnen, ohne gut zu spielen. Aber wenn wir wichtige Punkte brauchten, haben wir getroffen", meinte Trinchieri.

6. Das letzte Duell

Mit 63:71 verloren die Bamberger am 11. Februar 2018 in eigener Halle gegen die Münchner. Zwar gewannen sie das erste Viertel mit 25:11 deutlich, dann aber drehten die Gäste aus der Landeshauptstadt auf, ließen in den weiteren drei Vierteln nur 38 Punkte der Oberfranken zu und entschieden auch das dritte Duell der Saison 2017/18 für sich. Eine Woche später gaben die Bamberger, die zuvor aus den letzten 15 Spielen in Euroleague und Bundesliga nur drei Siege geholt hatten, die Trennung von Trinchieri bekannt. Zum Abschied twitterte der Italiener: "Es war eine gute Zeit, Dankbarkeit geht an alle, die das möglich gemacht haben, viel Glück!! Tschüss..."