Lässig und völlig tiefenentspannt liegt der 24-Jährige auf seinem Bett im Hotelzimmer. Er trägt ein orangefarbenes DOSB-T-Shirt mit japanischem Schriftzug und hat sein Handy in der Hand. Es ist kurz vor 20 Uhr in Osaka - Zeit für den vereinbarten WhatsApp-Call nach Coburg.

Wir haben uns mit Profifußballer Cedric Teuchert verabredet. Hierzulande ist es mittags kurz vor eins. Der Ex-Coburger schildert uns seine ersten Eindrücke aus dem Land der aufgehenden Sonne. Schon seit Mittwochabend ist er im Trainingslager-Teamhotel. Im "Wakayama Marina City" bereitet sich der ehemalige Jugendspieler des DVV Coburg mit 17 weiteren auserwählten Olympioniken auf das große Turnier in Japan vor.

Große Euphorie - starke Gefühle

"Das ist für mich natürlich ein Traum. Wir haben eine richtig gute Mannschaft. Wir werden alles dafür tun, um eine Medaille zu gewinnen", sagt er stolz. Der Bundesligaprofi von Union Berlin ist nämlich bereits im Flow. Seine Euphorie und seine Freude über die Nominierung ist selbst knapp 10 000 Kilometer entfernt am anderen Ende der Leitung spürbar. Spätestens seitdem ihn DFB-Trainer Stefan Kuntz zehn Tage vor Abenteuer-Beginn darüber informierte, dass er zum deutschen Olympia-Aufgebot gehört, schwebt er auf Wolke 7: "Ich habe mich riesig über seinen Anruf gefreut. Ich hatte schon die ganze Zeit darauf gehofft. Ich freue mich, diese Klamotten mit dem Adler tragen zu dürfen."

Heute gegen Honduras

Am Mittwochmorgen landete der Flieger mit den DFB-Spielern nach gut elf Stunden in Tokio. Nach sechs Stunden Aufenthalt flog das Team von dort nach Osaka ins Trainingslager. Es war ein herzlicher Empfang im Hotel, das direkt am Meer liegt. Optimale Bedingungen also. Die Anreise lief wegen der Corona-Pandemie allerdings nicht ganz reibungslos.

"Es war ein bisschen komisch, weil wir mehre Stationen durchlaufen mussten. Am Flughafen haben wir mehrere Stunden gebraucht", verrät Cedric Teuchert.

Nach mehreren Einheiten steht am heutigen Samstag bereits ein Testspiel gegen Honduras an. Einen Tag später fliegt Teuchert nach Yokohama, wo die deutsche Mannschaft ihre ersten beiden Gruppenspiele bestreitet. Auftakt ist am Donnerstag, 22. Juli (13.30 Uhr MESZ/ARD und Eurosport), gegen Brasilien. "Das ist natürlich gleich ein harter Brocken", weiß Teuchert.

Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf

Er selbst sei nach einer leichten Blessur wieder topfit und nach eigenen Worten "total heiß" auf die Spiele. "Ich werde mich voll reinhauen", verspricht der junge Mann, der in der Vestestadt geboren wurde und für die "Eisernen" in Berlin täglich seinen Mann steht. Beim Trainingsauftakt von Union am letzten Wochenende fehlte er allerdings verletzungsbedingt - "das war eine reine Vorsichtsmaßnahme für Olympia".

Die ersten Trainingseinheiten liefen aus seiner Sicht hervorragend. Der Wahl-Berliner macht sich berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf gegen Brasilien: "Wir haben eine tolle Truppe zusammen, die sich auf und neben dem Platz blendend versteht." Die interne Konkurrenz für die Positionen in der Offensive ist trotz eines relativ kleinen Kaders aber groß. Neben seinem Berliner Teamkollegen Max Kruse, der aufgrund seiner Erfahrung im Sturmzentrum gesetzt sein sollte, wollen auch Marco Richter (FC Augsburg) oder Nadiem Amiri (Bayer Leverkusen) von Beginn an ran. Apropos Kruse: "Er kann uns viel mitgeben, er ist ein erfahrener Spieler. Außerdem schadet seine lockere Art neben dem Platz keiner Mannschaft", urteilte Teuchert. Es würde viel Spaß mit ihm machen. Er sei für jede Mannschaft eine Bereicherung: "Er nimmt uns alle an die Hand und hat Bock, mit uns zu spielen."

Kleiner Kader - große Kameradschaft

Stefan Kuntz hat nach Überzeugung Teucherts sicher mehrere Optionen und Ideen im Kopf, die er mit "uns Spielern rechtzeitig teilt". Doch Taktik und Aufstellung hin oder her - "mit Deutschland ist immer zu rechnen. Wenn uns der Auftakt erst einmal gelingt und wir uns in einen Flow spielen, dann ist alles möglich", gibt sich Teuchert optimistisch.

Dem Umstand, dass diese verschworene Gemeinschaft lediglich aus 15 Feldspielern und drei Torleuten besteht, misst er dabei noch keine all zu große Bedeutung zu. Noch nicht. Denn: "Ja, es kann schon eng werden. Aber ich kenne alle Spieler gut, schätze dieses Trainerteam. Ich habe mich beim DFB immer sehr, sehr wohlgefühlt. Bei diesem tollen Staff können wir uns zu 100 Prozent auf Fußball konzentrieren", sagt der achtfache U21-Nationalspieler.

Der Traum von einer Medaille lebt auf jeden Fall bei "Cedi", wie ihn seine Familie und seine vielen Freunde in Coburg rufen. Sollte das Viertelfinale als Gruppenerster erreicht werden, zieht der DFB-Tross ins olympische Dorf um. Und dann gibt es vielleicht auch die Möglichkeit, andere deutsche Sportler zu unterstützen. "Ich würde mich natürlich gerne mit Kevin treffen (gemeint ist der Witzmannsberger Tennisprofi Kevin Krawietz/Anm. d. Red.) und am liebsten auch ein Spiel von ihm live anschauen", sagt Teuchert. Gleichzeitig berichtet der Profikicker aber auch von einer "Blase", in der er und seine Teamkollegen derzeit leben müssen: "Wir sind wegen strenger Corona-Vorschriften quasi abgeschirmt. Noch weiß keiner, wie das weitergeht und was wir letztlich unternehmen dürfen. Aber ich befürchte, dass da wenig möglich sein wird."

"Daheim ist jetzt weit, weit weg"

An zu Hause - ob Coburg oder Berlin - denkt der Vollblutstürmer derzeit nicht: "Ich bin jetzt weit, weit weg von Berlin. Jetzt steht etwas anderes auf dem Plan. Ich konzentriere mich voll auf Olympia und mache mir über Union erst wieder Gedanken, wenn ich zu Hause bin." Und was ist mit Coburg? "Da war ich ja erst im Urlaub ein paar Tage. Das wird immer meine Heimat bleiben. Dort leben meine Freunde, meine Familie, meine Großeltern." Als junger Bursche hat er in der Vestestadt vor dem Fernseher jede einzelne Sportart angesehen und mit meinem Land mitgefiebert. Mit Corona sei zwar jetzt vieles anders, der Stellenwert bliebe aber der gleiche: "Es geht um Medaillen." Und eine davon würde er am allerliebsten seinem Sohnemann Neo mit nach Berlin bringen. "Cedi" ist nämlich seit sieben Monaten stolzer Papa - für Teuchert werden derzeit Träume wahr ...