Veronika Schadeck

Der Landkreis Kronach entwickelt sich weiter zu einer Bildungsregion. Schon Mitte März 2021 startet neu der Masterstudiengang "Autonomes Fahren". Daneben gibt es auch ein neues Semester des Masterstudiengangs "Zukunftsdesign". Wir sprachen mit dem Leiter des Masterstudiengangs, Christian Zagel von der Hochschule Coburg, über seine bisherigen Erfahrungen bei dem fünf Semester umfassenden Bildungsangebot und darüber, wie dieses auf den künftigen Lucas-Cranach-Campus-Betrieb übertragen werden soll.

Während des Gesprächs mit Zagel merkt man, der Professor leitet den Masterstudiengang "Zukunftsdesign", der im Frühjahr 2016 zum ersten Mal in Kronach angeboten wurde, mit Herzblut: "Der Studiengang ist für mich Persönlichkeitsentwicklung und Innovation!", sagt er. Mittlerweile nähmen 137 Studenten am Masterstudiengang "Zukunftsdesign" teil. 26 davon hätten bereits den "Zukunftsdesigner - Master of Arts" erfolgreich abgeschlossen.

98 Prozent der Studenten seien berufstätig. Das Alter der Teilnehmer liege zwischen 20 und 70 Jahren, wobei sich der Hauptteil auf die 30- bis 40-Jährigen konzentriere.

Bachelorstudiengang

Bis zum Beginn des neuen Semesters "Zukunftsdesign", sagt Zagel, werde man vom Loewe-Gelände in die Räume des neuen Campus, ins Carl-Link-Gebäude, umziehen. Neu ist zudem, dass die Hochschule Coburg in Zusammenarbeit mit der IHK einen Bachelorstudiengang "Zukunftsdesign" mit dem Schwerpunkt "Digital Transformation Concept" entwickelt, der in ein bis zwei Jahren in Kronach an den Start gehen soll. Der Hintergrund ist der, dass künftig nicht - wie bisher - nur Personen mit einem Hochschulabschluss "Zukunftsdesign" studieren können, sondern auch Bürger ohne akademische Voraussetzungen.

Christian Zagel leitet seit dem Jahr 2017 den Studiengang "Zukunftsdesign". Der Masterstudiengang drehe sich vor allem um die Fähigkeit, ein Gespür für neue Tätigkeitsfelder oder Produkte zu entwickeln. Das Besondere dabei sei, so Zagel, dass neben den diversen Altersgruppen auch Studenten aus verschiedensten Berufen mit dabei sind. Es träfen Menschen mit den unterschiedlichsten Lebenserfahrungen aufeinander. Das klassische Studienmodell, nämlich dass der "graue" Professor lehrt und die Studenten zuhören, komme hier nicht zum Tragen.

Die Aufgabenstellungen kämen von den Studenten selbst oder von Unternehmen aus der Region. Die Inhalte des "Zukunftsdesign" seien Themen wie Innovationsmanagement, Gründungswesen und Wirtschaftspsychologie.

Eine weitere Besonderheit sei, dass aufgrund der Berufstätigkeit vieler Studienteilnehmer anders als in Semestern üblich gelernt wird.

Michael Seidel von der Hochschule Coburg, der für das Marketing des Studiengangs "Zukunftsdesign" zuständig ist, ergänzt, dass sich dieser Masterstudiengang an Menschen richte, die zum Perspektivenwechsel bereit sind und den Status quo immer infrage stellen. Er wende sich an Macher mit Neugier und dem Antrieb, Innovationsprozesse in Gang zu setzen, Geschäftsideen zu entwickeln und damit gesellschaftlichen Nutzen zu erzeugen - dies alles in Teamarbeit.

Eigene Website kreiert

Stolz sind Seidel und Zagel, dass es gelang, nach Ausbruch der Corona-Krise binnen weniger Tage eine eigene Website mit verschiedenen Videos und Lerninhalten auf die Beine zu stellen. Die Studenten lernten digital. Erstmals sei vor wenigen Wochen auch der halbjährlich stattfindende "Zukunftsdesign-Talk", der sonst immer in Räumlichkeiten des Loewe-Geländes stattfand, digital übertragen worden.

Christian Zagel gesteht, dass er als gebürtiger Oberpfälzer noch vor wenigen Jahren wenig mit Oberfranken und Kronach am Hut hatte. Auf den Studiengang "Zukunftsdesign" sei er durch eine Stellenausschreibung aufmerksam geworden, in der unter anderem stand, dass "Abenteurer und Querdenker" gesucht werden. "Das hat mich fasziniert."

Mittlerweile 80 Projekte

In den Anfangsmonaten sei "Zukunftsdesign" mit vielen Herausforderungen verbunden gewesen. Es galt, diese neue Bildungsmöglichkeit zu formen und bekanntzumachen. Mittlerweile kamen 80 Projekte zustande. Dabei ging es bisher unter anderem um die Gemeinde Küps, um heimische Unternehmen, aber auch um die Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen. Zagel erklärt, dass er trotz Doktortitel und Professur nicht allwissend sei und durch den Studiengang "Zukunftsdesign" dazulerne. Es sei ein Unterschied, Jugendlichen akademisches Wissen zu vermitteln oder Erwachsenen, die im Leben auf eigenen Beinen stehen und oftmals eine Führungsrolle in ihren Unternehmen innehaben.

Stolz ist er, dass eine "Zukunftsdesign"-Projektgruppe im Herbst 2020 mit ihrem entwickelten Spiel "Game of rain" mit dem Zukunftsdesign-Award 2020 ausgezeichnet wurde. Mittlerweile habe diese auch auf Bundesebene unter 1000 Bewerbern einen Spitzenplatz erreicht und 12 500 Euro an Förderung für die Weiterentwicklung ihres Projekts erhalten.

"Experiment ist geglückt!"

Einer, der "Zukunftsdesign" mit ins Leben rief und sich auch heute noch mit viel Kraft für die Weiterentwicklung des Studiengangs und den Lucas-Cranach-Campus einsetzt, ist der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kronach, Hans Rebhan. Der Gedanke, so erinnert er sich, entstand im Jahr 2010. Als es schließlich bei der bayerischen Kabinettsausschusssitzung im Sommer 2013 darum ging, was der Landkreis Kronach angesichts der demografischen Entwicklung benötige, lag ein fertiges Konzept für diesen Masterstudiengang vor. Denn bereits ein Jahr zuvor war das Innovationszentrum Kronach gegründet worden, das sich unter anderem die Etablierung von "Zukunftsdesign" mit den drei Säulen Vernetzung/Austausch/Lehre als Ziel gesetzt hatte.

Hans Rebhan ist seinen Mitstreitern noch heute dankbar. Dazu zählen der mittlerweile verstorbene Professor der Hochschule Coburg, Michael Pötzl, der ehemalige Landrat Oswald Marr, der amtierende Landrat Klaus Löffler sowie der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner.

Mittlerweile, erklärt Rebhan, gelte der Studiengang überregional als Inbegriff für Innovationsförderung außerhalb von Ballungszentren. Und so ist er glücklich: "Unser Experiment ist geglückt!" Glücklich ist er auch darüber, dass nun der Bachelor-Studiengang in greifbare Nähe rückt. Ihm liege es immer noch am Herzen, dass jedem Bildungsinteressierten, sei er Facharbeiter oder sonstiger Berufspraktiker, die Chance auf Weiterbildung und lebenslanges Lernen auf einem akademischen Niveau gegeben wird und dass dabei ein Studiengang an die Anforderungen der Unternehmen und den modernsten Stand der Wissenschaft angepasst ist. "Das ist uns mit diesem Studiengang gelungen und wird auch ab dem Sommersemester, wenn die Begrüßung der Studenten am LCC in der Innenstadt sein wird, weiterhin gelingen."

Noch Anmeldungen möglich

Für die beiden Studiengänge "Zukunftsdesign" (fünf Semester mit Masterarbeit) und "Autonomes Fahren" (drei Semester Vollzeit mit Masterarbeit), die im März 2021 in neuen Räumen des Lucas-Cranach-Campus in der Güterstraße starten, werden noch Anmeldungen bis 15. Januar 2021 entgegengenommen. Für beide Semester laufen die Bewerbungen online ab. Mehr Informationen dazu gibt es im Internet unter www.hs-coburg.de.