Landwirte sind aufgrund ihrer oftmals großen Hofstellen sowie ihrer Arbeit auf Feld und Flur im Fokus der Öffentlichkeit . Die Außenwirkung, die landwirtschaftliche Betriebe bei der Bevölkerung ausstrahlen, ist uneinheitlich, stellt der Bayerische Bauernverband (BBV) in einer Pressemitteilung fest. Nicht selten müssten sich Landwirte sogar mit kritischen Äußerungen auseinandersetzen. Je weniger Kontakt und Bezug die Verbraucher zu den Erzeugern der Lebensmittel hätten, desto wichtiger sei es, dass die Landwirte mit Verbrauchern in Kontakt treten und ihnen die Arbeit und Themen näherbringen. Genau dies hat der BBV in Oberfranken in seinem Jungunternehmertag im Januar thematisiert.

Mit Referenten wurden die Themen Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft und der Kontakt zu Verbrauchern sowie die eigene Außendarstellung erörtert. Nachdem zunächst Stefan Luther, Inhaber des Agrarmarketingbüros "Authentisch & Green" aus Baiersdorf sämtliche Möglichkeiten des Marketings für Landwirte und Direktvermarkter dargestellt hatte, kamen auch zwei Praktiker zu Wort.

Mit Peter Schlund wurde ein Marktfruchtbaubetreiber und Lohnunternehmer aus Buttenheim als Referent gefunden, der "kontaktlos" mit Verbrauchern in Kontakt gekommen ist. Gemeinsam mit einer Gruppe von Berufskollegen hat er im vergangenen Jahr, in der Anfangszeit der Corona-Pandemie, einen Schilderlehrpfad durch die heimische Flur initiiert und umgesetzt. Die dafür erstellten Infotafeln wurden in Form eines Rundwegs an den entsprechenden Feldrändern platziert und boten den Spaziergängern einen Einblick in die Vielfalt der Ackerfrüchte.

"Als Ackerbaubetrieb komme ich kaum in den echten Austausch mit Verbrauchern. Darüber hinaus wurde aufgrund Corona der Kontakt in der Gesellschaft insgesamt massiv eingeschränkt. Mit Hilfe der Infoschilder habe ich dennoch eine Großzahl an Spaziergängern jeglichen Alters erreichen können und die Vielfalt unserer Feldfrüchte vorstellen können", berichtete Schlund.

Mit mehr als einem Dutzend Schildern entlang des zwei Kilometer langen Rundwegs wurde Insiderwissen über Braugerste, Dinkel , Mais und Raps bis hin zu Quinoa, Lupinen und Sojabohnen von den Landwirten preisgegeben. Für Schlund haben sich die Arbeit und die Kosten seines "Weges der vielfältigen Ackerkulturen" gelohnt. Die Resonanz zu dieser Aktion sei enorm gut und die Schilder sollen auch im neuen Jahr wieder einen Platz in der weiten Feldflur um Buttenheim finden.

Mit Pensionspferdehaltung

Mit Martin Schubert aus Stegaurach kam ein weiterer Praktiker zu Wort, der am Ende seines Vortrags so manchen Teilnehmer ins Staunen versetzt hatte. Seine Kreativität schien unerschöpflich. Als er den konventionell geführten Nebenerwerbsbetrieb seines Vaters mit Pensionspferdehaltung 2015 übernommen hatte, glaubte keiner an den Einstieg in den Vollerwerb - außer Martin Schubert selbst. Mit Durchhaltevermögen, Ideenreichtum und Mut hat sich der Hof zum "Naturgarten Stegaurach" entwickelt. Am Rande der Ortschaft werden auf den Koppeln neben den Hanffeldern zwischenzeitlich nicht nur Reittherapie und Yoga, sondern sogar eine Betreuung für Kinder mit und ohne Handicap angeboten.

Ermöglicht wurden diese Vorhaben durch zahlreiche Akteure, die der Betriebsleiter in seine Projekte eng eingebunden hat. Die Finanzierung sicherte sich Martin Schubert unter anderem durch die Ausgabe sogenannter Genussscheine. Durch den Kauf dieser Zertifikate erhält der Erwerber neben einer Verzinsung seines eingesetzten Kapitals auch ein kostenloses Angebot auf dem Biohof der Schuberts.

Alles in allem war das Halbtagesseminar laut BBV für die oberfränkischen Jungunternehmer eine interessante Veranstaltung mit vielen kreativen Impulsen, wie man in der täglichen Arbeit und über das normale Gespräch hinaus in Kontakt mit Verbrauchern kommen kann. Flankiert wurde die Bewerbung der vorgestellten Projekte stets mit der Nutzung der digitalen Medien und der sozialen Netzwerke. Deshalb bedeutete es für die medienaffinen Teilnehmer auch keine Einschränkung, dass das diesjährige Seminar in Form einer Videokonferenz stattfand.

Aufgrund des positiven Feedbacks werde es auch im kommenden Jahr ein oberfränkisches Jungunternehmerseminar geben. Ob es wieder in digitaler Form oder im Rahmen einer Präsenzveranstaltung ablaufen wird, ist noch offen. Womöglich könnten für die Teilnahme zukünftig sogar beide Optionen offenstehen. red