Da ist er wieder, der Schlagabtausch zweier verhärteter Fronten im Gemeinderat Kleinsendelbach , bei dem mitunter sachliche Argumente zugunsten von Prinzipien zurücktreten. Die Diskussion entzündete sich diesmal an der Information über den Sachstand zu den Planungen am „Schwabachstüberl“, das seit 2019 schon für viel Zündstoff gesorgt hatte und bei dem die Räte nun erneut kontrovers diskutierten.

Gemeinderat Folko Bührle (DG) bemängelte, dass der Grundsatzbeschluss für die Sanierung des „Schwabachstüberls“ für 140 000 Euro nicht ausgeführt werde und dafür 550 000 Euro im Haushalt 2021 eingestellt seien. Er fordert, das „Schwabachstüberl“ trotz Schimmelbefall zu sanieren, und findet, dass es einfach zu weit gehe, einen gültigen Beschluss „in die Tonne zu stampfen“ und dafür einen Ersatzneubau zu fordern.

Bürgermeisterin Gertrud Werner (UWK) widersprach dem und erläuterte dem Gremium, dass sie nur habe darüber informieren wollen und nirgendwo stehe, dass der Beschluss zur Disposition steht. Außerdem, sagte Werner, hätte der Sachverständige in seinem Gutachten 2019 explizit den Gemeinderat über den Schimmelbefall und die gesundheitlichen Folgen für die Nutzer informiert.

„Wer sagt denn eigentlich, dass eine Sanierung günstiger ist?“, fragte Martin Regenfus (UWK).

Auf Gutachten hingewiesen

Armin Fuchs (UWK) meinte, eine Sanierung mache keinen Sinn, da der Schimmelbefall im gesamten Gebäude, auch im Kühlraum, sichtbar sei und hier die Kosten explodierten. Er sieht keine Alternative zu einem Ersatzneubau, da der Sachverständige in seinem Gutachten darauf hingewiesen habe, dass nach zehn bis zwölf Jahren über einen Neubau nachgedacht werden müsse.

Bürgermeisterin Werner meinte: „Wir können doch auch einmal was für unsere Vereine investieren.“ Ob Fischereiverein , Gesangverein , Seniorenkreis, Männergesangverein Steinbach und viele andere – sie alle wünschten sich schon lange ein Vereinsheim. „Wollen wir ihnen das vorenthalten?“ fragte Werner.

„Was ist denn alles bei einem Neubau dabei?“, fragte Micheal Kellner (DG).

„Der Neubau wäre schlüsselfertig mit Wärmepumpe und Behinderten-WC und barrierefrei“, antwortete Werner und fügte hinzu, dass die Maßnahme mit bis zu 300 000 Euro gefördert werde.

Elisabeth von der Grün äußerte Bedenken: Sie habe „Bauchschmerzen“, falls man keine Förderung bekomme.

Folko Bührle beharrte ungeachtet der Diskussion weiter auf seiner Auffassung, den Grundsatzbeschluss für die Sanierung auszuführen. Man solle sich überlegen, ob man so viel Geld für einen Ersatzneubau des „Schwabachstüberls“ ausgeben wolle.

Das Ergebnis der über einstündigen Diskussion fiel mager aus, denn es sollen noch vor der Sommerpause erst einmal die Vereine abgefragt werden, wer bereit wäre, Eigenleistungen für einen Neubau einzubringen.

Viele Infrastrukturmaßnahmen

Ein Jahr mit vielen Maßnahmen steht der Gemeinde Kleinsendelbach bevor. Der Gemeinderat hat die Haushaltssatzung und den Haushaltsplan für das Jahr 2021 einstimmig angenommen. Der Haushalt der Gemeinde Kleinsendelbach für das Jahr 2021 hat ein Gesamtvolumen von rund 3,47 Millionen Euro . Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Verringerung um 549 300 Euro. Bürgermeisterin Werner verband in ihrer Einleitung den Ansatz des Vermögenshaushaltes mit dem Hinweis auf diverse Projekte, neue und die, die es schon lange abzuarbeiten gelte, um die Infrastruktur zu erhalten. Möglicherweise sei dafür eine Kreditaufnahme notwendig. Ob und in welcher Höhe es dazu kommt, werde sich aber erst im Laufe des Jahres zeigen.

Kämmerin Ursula Lauterbach hatte das umfangreiche Zahlenwerk ausgearbeitet. Der neue Gesamthaushalt teilt sich in den Verwaltungshaushalt mit rund 2,66 Millionen Euro und den Vermögenshaushalt mit 803 100 Euro auf.

Zu den wichtigsten Einnahmen im Verwaltungshaushalt gehören der Einkommensteueranteil von 1,15 Millionen Euro sowie die Betriebskostenförderung für das Kinderhaus in Höhe von 300 000 Euro, die der Freistaat Bayern überweist. Die Einnahmen aus der Grundsteuer wurden laut der Kämmerin den Vorjahreszahlen angepasst, der Ansatz für die Gewerbesteuer auf 300 000 Euro festgesetzt. Die Schlüsselzuweisung geht um 64 292 Euro auf 252 000 Euro zurück. Umgekehrt steigt die Kreisumlage auf 683 400 Euro, was gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 30 382 Euro bedeutet. Die Zuführung zum Vermögenshaushalt hat Kämmerin Ursula Lauterbach mit 108 900 Euro errechnet.

Im Vermögenshaushalt ragen als größte Ausgabeposten der Anbau am Feuerwehrgerätehaus Kleinsendelbach mit 120 000 Euro und der Löschwasserbehälter in Schellenberg mit 130 000 Euro heraus. Wichtig für die Gemeinde sind die veranschlagten Ausgaben für Straßensanierungen im Gemeindegebiet in Höhe von 200 000 Euro.

Für den Ersatzneubau „Schwabachstüberl“ wurden Planungskosten von 50 000 Euro in den Haushalt eingestellt.

Schulden eventuell bei 561 234 Euro

Für die Finanzplanungsjahre 2022 bis 2024 sei eine Fortschreibung der Haushaltsansätze ohne genaue Angaben über die Höhe der Mindereinnahmen oder Mehrausgaben durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie nur schwer zu kalkulieren, erklärte die Kämmerin. Den aktuellen Schuldenstand bezifferte sie bei Neuaufnahme eines Kredits unter gleichzeitiger Berücksichtigung der laufenden Tilgung auf voraussichtlich 561 234 Euro zum Ende des Jahres. Die Pro-Kopf Verschuldung zum Ende des Jahres werde voraussichtlich 380,76 Euro betragen.