„Was essen wir und woher kommt unser Essen?“ Dieser Frage geht der Bayerische Bauernverband (BBV) mit seiner bayernweiten Traktor-Tour auf den Grund. Gestartet am 1. Juni im Landkreis Dillingen machte er am vergangenen Freitag bei der Absatz- und Verwertungsgenossenschaft für Obst- und Gartenbauerzeugnisse Igensdorf sowie beim Obstbau-Betrieb der Familie Fahner Halt.

„Der Schlepper fährt durch ganz Bayern und soll zeigen, dass wir stolz sind auf unsere einheimische Produktion und dass man Essen aus Bayern genießen soll und die Qualität, die unsere Landwirte erzeugen, extrem hochwertig ist“, so Kreisobmann Hermann Greif. „Wir machen heute nicht nur Werbung für Obst, das für den Landkreis Forchheim prägend ist, sondern für alle bayerischen Nahrungsmittel.“

800 Obstbauern sind Mitglieder

Geschäftsführerin Tina Weißhaupt von Franken Obst empfing die Gäste aus dem BBV Kreisverband. 2007 haben die Obstbaugenossenschaften AVG Igensdorf, Großmarkt Pretzfeld und AVG Mittelehrenbach die Franken Obst ins Leben gerufen, berichtete Weißhaupt. Derzeit sind zirka 800 Obstbauern innerhalb der Erzeugerorganisation, welche einschließlich Streuobstbestände von rund 1250 Hektar und davon etwa 650 Hektar intensiv bewirtschaften. „Vermarktet werden jährlich zwischen 1500 bis 2000 Tonnen fränkische Süßkirschen sowie zirka 1500 Tonnen Zwetschgen , je 20 Tonnen Beerenobst und Mirabellen . Außerdem 700 Tonnen Äpfel und Birnen, je nach Ernte und Marktlage“, erläutert Weißhaupt den Gästen beim Rundgang durch das Kompetenz-Zentrum Igensdorf.

Die Produkt- und Prozessqualität wird durch ein Qualitätsmanagement überwacht und jährlich zertifiziert. „Seit 2010 verarbeiten wir das erntefrische Obst in einer Kühl-, Sortier- und Verpackungsanlage. Dadurch können die geforderten einheitlichen Fruchtgrößen und verbraucherfreundlichen Verpackungsgrößen zwischen 250 g bis 2 kg angeboten werden“, so die Geschäftsführerin. Mit der Inbetriebnahme einer neuen Maschine in diesem Jahr investierte man in innovative und umweltbedachte Verpackungslösungen.

Vor Ort

Bunt leuchtet das frische Obst auf dem Hof von Thomas Fahner und Doris Bachmeier, als die Gäste vom BBV dort mit ihrem Schlepper anschließend ihren nächsten Halt einlegen. Bereits in den 70er Jahren wurde an den Südhängen des Eberhards- und Küheberg Obst angebaut. Zuerst als gemischt landwirtschaftlicher Betrieb mit Viehhaltung und ab 1996 mit der Aussiedlung an den Ortsrand von Igensdorf als reiner Obstbaubetrieb, erzählt Doris Bachmeier. Die beiden Geschwister führen den elterlichen Hof und sind Selbstvermarkter. Sie versorgen auch die Schulen im Rahmen des Schulobstprogramms. Neben der Vermarktung von Frischobst verarbeiten die Geschwister ihre Früchte auch. Im Hofladen gibt es zum Beispiel naturtrübe Obstsäfte wie Apfel-, Birnen- und Apfel-Kirsch-Saft. Verschiedene Sirups, Fruchtaufstriche, Dörrobst, eingelegte Früchte sowie Destillate und Liköre runden das regionale Angebot ab.

Eine enge Zusammenarbeit pflegen die Fahners mit befreundeten Landwirten aus der Region, von denen sie weitere Produkte für den Hofladen beziehen. „Mit unserem Hofladen gehen wir optimistisch in die Zukunft“, sagen Thomas Fahner und Doris Bachmeier übereinstimmend, denn die Nachfrage nach gesunden, landwirtschaftlichen Lebensmitteln steige immer mehr.

Ein Vorzeige-Hof

Die Gäste vom Bauernverband sind begeistert von diesem Vorzeige-Hof. „So stellt sich die Bevölkerung einen landwirtschaftlichen Betrieb vor“, lobt Kreisbäuerin Rosi Kraus. Stammkundin Stefanie Kranich findet, die Ware vom Hofladen sei klimaschonend, saisonal und qualitativ hochwertig, weswegen sie gerne herkomme. Und auch BBV Kreisobmann Hermann Greif ist angetan: „Eine solche Bandbreite von regionalem Obst und landwirtschaftlichen Produkten hat man wirklich selten.“ Dass die Geschwister Thomas Fahner und Doris Bachmeier von Anfang an auf Direktvermarktung gesetzt hätten, zeige: „Sie sind innovative Unternehmer.“

Greif machte deutlich, dass die Standards in der landwirtschaftlichen Erzeugung und ihrer Produkte hoch seien. Gerade das Corona-Jahr habe gezeigt, wie wichtig Leben und Nahrung zu Hause seien.

„Einkaufen beim Landwirt vor Ort wird wieder interessant und nicht nur beim Discounter“, resümierte Greif. Künftig müsse die Landwirtschaft aber noch nachhaltiger und wertschöpfender arbeiten. „Der Strukturwandel in der Landwirtschaft wird kommen und der kostet mehr Geld“, so Greif.