Müller aus Leidenschaft

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Andreas Hubmann (r.) stellt Besuchern das neu eröffnete Scheunenmuseum der Minderleinsmühle vor. Die Ausstellung zeigt historische Dokumente vom traditionellen Handwerksbetrieb zum modernen Bio-Unternehmen.
Andreas Hubmann (r.) stellt Besuchern das neu eröffnete Scheunenmuseum der Minderleinsmühle vor. Die Ausstellung zeigt historische Dokumente vom traditionellen Handwerksbetrieb zum modernen Bio-Unternehmen.
Eberhard Schorr
Zwischen historischen Gebäuden, Bierbänken und schattigen Plätzen genossen die sehr vielen Besucher das Jubiläumsfest der Minderleinsmühle. Das historische Jugendstil-Wohnhaus der Familie Hubmann prägt dabei die Kulisse.
Zwischen historischen Gebäuden, Bierbänken und schattigen Plätzen genossen die sehr vielen Besucher das Jubiläumsfest der Minderleinsmühle. Das historische Jugendstil-Wohnhaus der Familie Hubmann prägt dabei die Kulisse.
 

Jubiläumsfest  Seit 250 Jahren ist die Minderleinsmühle im Besitz der Familie Hubmann. Tausende feiern auf dem Mühlengelände an der Schwabach. Wie ein fränkischer Familienbetrieb zum internationalen Bio-Pionier wurde.

Schon von weitem waren am Pfingstsamstag die Klänge fränkischer Blasmusik zu hören, während der Duft von frischem Brot und Bratwürsten über das Gelände der Minderleinsmühle zog. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen feierte die Familie Hubmann gemeinsam mit ihren Mitarbeitern und Tausenden Besuchern das 250-jährige Bestehen ihres traditionsreichen Unternehmens.

Schon am Vormittag füllte sich das weitläufige Areal rund um die Mühle. Romantisch eingebettet zwischen Feldern, Wiesen und der Schwabach bewahrt das Traditionsunternehmen bis heute seinen historischen Charme. Zugleich hat sich die Minderleinsmühle zu einem modernen Bio-Pionier entwickelt, dessen Produkte längst weit über Deutschland hinaus Kunden finden.

Die Besucher erwartete ein abwechslungsreiches Programm: Führungen durch die Produktion, das neu eröffnete Scheunenmuseum, Spiele für Kinder sowie zahlreiche kulinarische Angebote. Junge Familien und Senioren ließen sich unter schattigen Bäumen und Pavillons nieder. Mit großem Engagement trugen die Mitarbeiter dazu bei, dass das Fest reibungslos verlief, vom Ausschank der Getränke über das Backen von Kuchen und Brot bis hin zur Betreuung der Spiele für Kinder. Musikalisch begleitet wurde das Fest von der Jugend- und Trachtenkapelle Neunkirchen am Brand, die mit traditioneller Blasmusik für passende Feststimmung sorgte.

Andreas Hubmann: Fleiß und Ausdauer

Im Mittelpunkt stand jedoch immer wieder Andreas Hubmann. Hier spricht kein reiner Unternehmer, sondern ein Müller mit Herz und Leidenschaft. Wenn Hubmann über Mahlsteine, Dampfmaschinen oder Roggen spricht, dann mit technischem Wissen, Heimatverbundenheit und spürbarer Leidenschaft. „Ich glaube, es sind die fränkische Bodenständigkeit, Fleiß und Ausdauer“, sagte Hubmann mit Blick auf die Frage, warum die Minderleinsmühle über Jahrhunderte bestehen konnte.

Gerade die Zeit des großen Mühlensterbens in den 1960er und 1970er Jahren sei für viele Betriebe das Ende gewesen. Während es um 1900 noch rund 10.000 Mühlen in Bayern gegeben habe, seien es heute weniger als 100.

Besonders eindrucksvoll erzählt Hubmann vom technischen Umbruch Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Vorfahre der Familie habe in Budapest moderne Mahltechniken kennengelernt und die Minderleinsmühle anschließend zur sogenannten Kunstmühle umgebaut. Neue Stahlwalzen und moderne Siebtechniken ersetzten dabei die traditionellen Mahlsteine und ermöglichten besonders feine und helle Mehle – damals die hohe Kunst der Müllerei.

Überhaupt spricht Hubmann über Geschichte nicht nostalgisch verklärt, sondern als ständigem Wandel. Tradition bedeutete für die Familie nie Stillstand, sondern immer auch Anpassung an neue Zeiten. Das zeigte sich besonders in den 1980er Jahren, als die Minderleinsmühle den Schritt zum Bio-Unternehmen wagte. Für Hubmann war das keine radikale Kehrtwende, sondern eine logische Entwicklung. Die Familie sei immer eng mit Landwirtschaft und Natur verbunden gewesen.

Verarbeiter von Bio-Schokolade

Heute verarbeitet das Unternehmen jährlich rund 1000 Tonnen Bio-Schokolade und gilt damit als größter Verarbeiter von Bio-Schokolade in Deutschland. Gleichzeitig entstehen in der Minderleinsmühle Naturkostprodukte, Müslis und Spezialprodukte für unterschiedlichste Ernährungsformen. Dennoch sieht sich Hubmann bis heute vor allem als Müller, oder genauer gesagt: als Spezialist für Getreide.

Dabei spricht er fast ehrfürchtig über Roggen, Dinkel oder die Kunst, unterschiedliche Ernten so zu kombinieren, dass über das ganze Jahr hinweg gleichbleibende Mehlqualitäten entstehen. „Es ist nicht nur ein maschineller Prozess, sondern eine Sensibilität für Rohstoffe“, sagt er.

Gerade diese Mischung aus Handwerk, Wissen und Heimatverbundenheit prägte auch das Jubiläumsfest. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, nicht nur die Produktion kennenzulernen, sondern auch die Geschichte hinter dem Unternehmen. Besonderes Interesse galt dem neuen Scheunenmuseum mit historischen Dokumenten, Fotografien und originalen Bauplänen aus dem Jahr 1882.

Zum Jubiläum wurde deshalb nicht nur die Geschichte eines Unternehmens gefeiert. Das Fest zeigte auch, wie stark die Minderleinsmühle bis heute in Franken verwurzelt ist – als traditionsreicher Familienbetrieb, als Ort der Begegnung und als Unternehmen, das sich trotz aller Veränderungen seinen ursprünglichen Charakter bewahrt hat.