Klimadrama: Waldbrand, Wind und Wetter

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Auch das Stroh abgeernteter Getreidefelder bietet Angriffsflächen für Vegetationsbrände.Christian König
Auch das Stroh abgeernteter Getreidefelder bietet Angriffsflächen für Vegetationsbrände.Christian König

Die Gefahr von Waldbränden oder eher Vegetationsbränden im Landkreis Forchheim und in der Fränkischen Schweiz steigt

Der Mensch gewöhnt sich an alles, so lautet eine Binsenweisheit. Mittlerweile seit Wochen erleben wir nahezu in Echtzeit, wie riesige Kulturlandschaften in unseren Nachbarländern dem Flammenfraß zum Opfer fallen. Der Oberbegriff lautet zwar Waldbrände, korrekt wäre aber eher Vegetationsbrände.

Im Vergleich zu den riesigen Flächenbränden ist unsere Region noch eine Insel der Seligen. Es verleitet zur Annahme, dass wir bei diesem weltweiten Phänomen von Wald- beziehungsweise Vegetationsbränden kaum keine Rolle spielen.

Doch laut Fachleuten aus den Bereichen der Klimaforschung, Forstwissenschaft und Feuerökologie läuten auch für unseren Naturraum und unsere künftige Klimazone längst die Alarmglocken. Die Fakten für den regionalen Klimawandel aufgrund der fortschreitenden Erwärmung liegen längst auf dem Tisch.

Hier muss zudem ins Bewusstsein verankert werden, dass laut Statistik circa 90 Prozent der Ursachen für Waldbrände menschliches Handeln ist – egal, ob unbeabsichtigt durch Fahrlässigkeit oder gezielte Brandstiftung.

Hohe Waldbrandgefahr

 

Dass wir uns in der Region auch zum Start in den August beim Blick auf den Waldgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes großflächig auf Stufe 4 von 5, also „hohe Waldbrandgefahr “, befinden, darf nicht verwundern. So gab es rund um die Fränkische Schweiz seit der ersten Hitzewelle Ende Mai über das Pfingstwochenende weitere markante und extreme Hitzeschübe.

Doch damit nicht genug: Das Niederschlagsdefizit aus dem Frühjahr hat sich durch die bisherigen Sommerwochen fortgesetzt. Auch der zu warme Juli war mit einem Viertel des langjährigen Regensolls viel zu trocken. Hohe Temperaturen in Kombination mit teilweise kräftigem Wind erhöhen die Verdunstungsraten erheblich. Dadurch wurden die obersten Bodenbereiche großflächig ausgedörrt, was an den teilweise staubtrockenen landwirtschaftlichen Flächen zu sehen ist.

Trockene Luft

 

Große Hitze, trockene Luft und obendrein Wind in Kombination mit versteppter Landschaft bieten beste Voraussetzungen für einen wie auch immer ausgelösten Flächenbrand. Hinzu kommt die standortunbedingte Baumartenzusammensetzung der Waldflächen in der Region. Vor allem die karstigen Kalkböden mit hoher Durchlässigkeit und mangelhafter Wasserspeicherfähigkeit nach Regenereignissen in der Fränkischen Schweiz beschleunigen den Trockenstress für viele Baumarten bei Hitzewellen ohne Regenunterbrechung.

Ganz vorne dabei ist die Kiefer, gefolgt von den längst arg ausdünnen Fichten durch die Borkenkäfer-Kalamitäten vergangener Sommer ab 2017. Waldumbau hin zu klimaresilienten (Laub-)Baumarten ist also zwingend und muss vorangetrieben werden.

Die Fähigkeit des Menschen, sich an neue Verhältnisse zu gewöhnen, darf nicht dazu verleiten, die immer häufiger auftretenden Wetterextreme als das „neue Normal“ zu verharmlosen. Schlechtwetterphasen mit ausgiebigem Regen in kühler Luft können dazu verleiten, die vorangegangenen extremen Hitzewellen aus dem Gedächtnis zu drängen. Die Frage ist, ob bestimmte Strömungsrichtungen die Oberhand gewinnen und eine größere Verweildauer besitzen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Genau dies scheint, laut zahlreicher Klimaforscher der Fall zu sein und auch unsere Region zu betreffen. Extremen Auswüchse werden größer und dauern länger. Am Beispiel der wiederholten Hitzewellen in diesen Spätfrühjahr und Sommer lässt sich dies bestens ablesen, als lokale Allzeitrekorde der Spitzentemperatur bei vielen Messstationen purzelten.

Auch für das Phänomen Wetter gilt: Zu extrem ist gefährdend, stressend und belastend. Das gilt für die Parameter Lufttemperatur, Niederschlag und nicht zu vergessen: den Faktor Wind. So gab es allein im abgelaufenen Juli zweimal eine Unwetterwarnung vor Sturmböen wie aus dem Nichts durch eine Wetterfront (Konvergenzlinie), die nicht einmal Schauer oder Gewitter mitbringen musste. Man wurde buchstäblich von einer Sekunde auf die andere von starken Böen überrascht.

In Bezug auf das Waldbrandrisiko ist dies ein wesentlicher Faktor, der zu der Kombination aus Hitze, Trockenheit und örtlicher Vegetation hinzugenommen werden muss. Bricht ein lokales Feuer aus, tragen die Art und Stärke des Windes wesentlich zu möglichen Maßnahmen und der Chance auf Kontrollierbarkeit des Brandes bei.

Ist das Feuer mächtig genug, entwickelt sich sogar ein lokales Wettersystem, das sich selbst buchstäblich befeuert: die sogenannte Feuerwolke (Pyrocumulonimbus). Sie wird durch die aufsteigende Heißluft und den Rauch befeuert, so dass auch Blitzschlag und Orkanböen bis hin zu Feuertornados entstehen können.

Davon sind wir in unserer Region (noch) weit entfernt; das ist zumindest zu hoffen. Beim Blick auf die künftigen Klimaszenarien tun wir gut aber daran, das Thema Waldbrandgefahr , Vorbeugungsmaßnahmen und Aufbau einer Warn und Bekämpfungs-Infrastruktur konkret ernst zu nehmen und breitenwirksame Umsetzung zu bringen. Seite 10