Eine Spur der Gewalt hat ein 27-jähriger Kurde 2019 durch Forchheim gezogen. Unter seinen Fausthieben und Tritten, aber auch Stichen mit einer abgebrochenen Bierflasche und scharfen Glasscherben litten ein Landsmann, ein Rettungssanitäter, mehrere Polizisten und zwei junge Männer. Es kam zudem zu zahllosen Beleidigungen und Sachbeschädigungen. Nun ging es am Amtsgericht Bamberg um zwei Vorfälle auf dem Parkplatz eines Discounters und vor einer Kneipe.

Der Streit kurz nach Mitternacht vor der Gaststätte scheint ein Ende gefunden zu haben. Die Security-Leute, die während des Annafestes aufpassen, haben den Täter B. von einigen anderen jungen Männern getrennt. Nun ist er in der Kneipe. Aber nicht nur, um ein Bier zu trinken, sondern auch, um sich eine Waffe zu besorgen. Der leeren Bierflasche schlägt er auf dem Weg nach draußen den Bauch ab. Mit den Resten in der Hand greift er die beiden jungen Männer von hinten an.

„Ich konnte mich gerade noch wegdrehen. Er hat mich an der rechten Schulter getroffen“, sagte eines der Opfer vor dem Amtsgericht Bamberg . Bei der Schnittwunde bleibt es nicht. B. attackiert auch den anderen, der gerade noch seine Arme zur Abwehr hochreißen kann. Dadurch wird nicht der Brustkorb getroffen. Aber am linken Arm wird durch den scharfkantigen Gegenstand eine Vene regelrecht zerfetzt. „Ich sah das Blut spritzen“, sagt dieser Zeuge. Dann greift der Sicherheitsdienst ein. Die gefährliche Körperverletzung gab B. vor dem Schöffengericht zu. Er rechtfertigte sich über seinen Rechtsanwalt Christian Barthelmes aus Bamberg damit, es habe in der Vergangenheit mehrere Überfälle auf ihn selbst gegeben. Er sei seit seiner Ankunft in Forchheim von den Mitgliedern einer türkisch-deutschen Familie immer wieder mit dem Kopf-ab-Zeichen bedroht und massiv beleidigt worden. B. schilderte, wie er aus dem fahrenden Auto heraus mit einer Luftdruckpistole beschossen, einmal sogar angefahren worden und von mehreren Männern mit Schlagstock und Schlagring misshandelt worden sei. „Vier Mal wurde ich verprügelt, mir wurde gegen den Kopf getreten“, erklärte er. Er habe seither Todesangst, trinke Alkohol, um sich zu beruhigen, und befinde sich in psychologischer Behandlung.

Er sei drei Mal auf der Polizeidienststelle Forchheim gewesen, um Schutz zu suchen. „Ich wollte Anzeige erstatten und ein Kontaktverbot erwirken. Dort wurde ich aber nur ausgelacht und wieder weggeschickt“, behauptete der Angeklagte. Er habe sich den Übergriffen schutzlos ausgeliefert gefühlt. Deswegen habe er vor der Kneipe zur Selbsthilfe gegriffen, um nicht erneut verprügelt zu werden. Eine Flucht vor den dutzend Mitgliedern der Familie sei nicht mehr möglich gewesen. Er beschrieb es so: „Da wollte ich das Überraschungsmoment ausnutzen. Ich sah keine andere Chance, lebend aus der Sache herauszukommen.“

In der Silvesternacht 2019 fühlt sich B. wieder in Gefahr. Auf dem Parkplatz eines Discounters im Süden der Stadt feiert er mit seiner Frau und anderen weiter entfernt stehenden Menschen beim Feuerwerk den Beginn des neuen Jahres. Wieder seien einige Leute von der Familie vorbeigefahren, hätten gedroht, ihm den Hals abzuschneiden. Dann habe man ihm eine Schusswaffe gezeigt. „Ich fürchtete, es könnte eine scharfe Waffe sein“, sagte B. Er ruft die Polizei : „Kommt schnell, sonst passiert etwas!“

Als die Beamten eintreffen, finden sie allerdings nur einen stark betrunkenen B. und eine Gattin, der die Situation sichtlich peinlich ist. B. empfängt die Uniformierten mit dem Hinweis, die sollten doch endlich die Familienmitglieder wegsperren, sonst nehme er ein Messer und die Sache selbst in die Hand. Dann eskaliert die Lage. Üble Beleidigungen müssen sich die Polizisten anhören.

Die Ordnungshüter wollen B. mitnehmen, damit er seinen Rausch im Haftraum ausschlafen kann. B. wehrt sich, schubst eine Beamtin weg, die dabei stürzt und auf den kleinen Finger fällt. Danach setzt es einen Kopfstoß gegen einen anderen Polizisten , der freilich nicht allzu stark getroffen wird. „Mit vereinten Kräften konnten wir ihn zu Boden bringen und fesseln“, heißt es vonseiten der Polizei .

Schließlich tritt der Täter im Einsatzfahrzeug so wild um sich, dass er nicht nur die Lüftung im Wert für 360 Euro demoliert, sondern auch einem der Streifenpolizisten mit dem Winterstiefel am Kopf trifft. „Das hat ganz schön eingeschlagen“, so der Verletzte. Die Folgen sind eine Schädelprellung, ein Halswirbelsyndrom, ein Aufenthalt im Klinikum Forchheim und einige Tage Dienstunfähigkeit.

Dann spuckt B. die Beamten mit blutigem Schleim an, bekommt eine Spuckschutzhaube übergestülpt und kann auch während der Fahrt zur Polizei die Worte nicht mehr halten: „Ich scheiß’ auf Eure Gesetze!“, „Seid Ihr Hitler?“ und weitere Beleidigungen dröhnen durch das Fahrzeug. Fortsetzung vor dem Gericht folgt.