Bezüglich des geplanten Funkmasts der Deutschen Telekom in der Nähe des Gößweinsteiner Höhenschwimmbads ist die Kuh vom Eis, bezüglich des Sendemasten der Telefónica am Oberen Vogelberg bei Kleingesee nicht. Die Diskussion über den Mastbau bei Kleingesee führte sogar zu einer Unterbrechung und heftigen Debatten in der Marktgemeinderatssitzung im Pfarrzentrum.

In Gößweinstein nimmt die Telekom das Angebot des Marktes an, ihren ursprünglich geplanten Mast auf einem Gemeindegrundstück vor dem Höhenschwimmbad auf das Privatgrundstück mit der Flurnummer 1014 zu verschieben. Dieses Grundstück liegt nun oberhalb des Höhenschwimmbads und unterhalb des "Sternenhofs" auf einer Wiese am Waldrand, jedoch inmitten der Disc-Golf-Anlage von Thomas Mehl. Dieser zeigte sich gegenüber unserer Zeitung sehr überrascht, weil er darüber von der Gemeinde noch nicht informiert worden sei.

Der Kompromiss mit dem Mobilfunkbetreiber zur Standortverschiebung wurde nur dadurch möglich, weil der Markt die Zufahrt zum Mast selbst baut. Dafür sind heuer im Haushalt 70 000 Euro eingeplant.

Keine Erweiterung auf der Burg

Die Erweiterung der Mobilfunkanlage auf dem Turm der Burg Gößweinstein wird nicht mehr weiterverfolgt. Dem nun gefundenen Alternativstandort stimmten die Räte auch deshalb zu, weil die Telekom mitteilte, dass sie nun weitere alternative Standorte nicht mehr prüfen werde.

Die Gößweinsteiner Bürgerinitiative (BI) zur Verschiebung des Maststandorts freut es jedenfalls, wie einige Vertreter erklärten, die zur Sitzung kamen. Nicht so jedoch die BI in Kleingesee, die ebenfalls eine Verschiebung des Funkmaststandorts am Oberen Vogelberg erreichen will. Nach Prüfung der Alternativstandorte kam die Telefónica hier zu dem Ergebnis, dass die vorgeschlagenen Standorte nicht die gewünschte Abdeckung und Versorgung bieten würden. Vor allem könnten die Versorgungsziele für die Ortschaften Leimersberg, Kleingesee, Bärnfels, Geschwand, Bieberbach, Rothenhof und Allersdorf bei einer Standortverschiebung nicht abgedeckt werden.

Beim Alternativstandort "Wildwiese" würden die Ortschaften Geschwand, Biberbach und Bärnfels in der Nachbargemeinde Obertrubach nicht mehr erreicht. Auch wenn man den Mast, wie von den Kleingeseern gewünscht, in nördliche Richtung verschieben würde, wäre die Abdeckung in den jeweiligen Ortschaften gleich null. Das Fazit der Telefónica : "Der Versorgungsauftrag kann an diesem Standort nur erfüllt werden, wenn der Bau annähernd an der angedachten Position realisiert wird."

Widerspruch im Rat

Die Beschlussempfehlung der Verwaltung sah deshalb auch vor, dem ursprünglich angedachten Standort nun doch zuzustimmen. Dagegen regte sich jedoch erheblicher Widerspruch im Rat. Die erste Wortmeldung kam von Marco Brendel (BMG). "Dieser Beschlussvorlage kann ich von meiner Seite aus nicht zustimmen", sagte Brendel, der das Ergebnis der Prüfungen alles andere als erfreulich ansah. Laut Brendel sei der Suchradius für einen Alternativstandort auch sehr gering gewesen.

In Geschwand und Bärnfels abgelehnt

"Für mich ist das Versorgungsziel ausschlaggebend", meinte Tanja Rost (JUF), die ebenfalls bekräftigte, nicht zuzustimmen. Denn die Geschwander und Bärnfelser wollten keine Versorgung und hätten sich schon vor zwei Jahren erfolgreich gegen einen Mastbau gewehrt. Für Rost gebe es noch viel zu viele offene Fragen. Sie schlug vor, einen Experten dazu zu hören. Denn bis jetzt höre man nur, was der Bürgermeister sage. "Bitte gib uns noch einmal die Chance", appelierte Rost an Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW).

Dieser verwies darauf, dass bei einem Mastbau an anderer Stelle der Versorgungsauftrag nicht erreicht werden könne. Für Bernhard Vogel ( SPD ) war der Versorgungsauftrag jedoch "abstrakt formuliert".

"Ich unterstütze Tanjas Bitte", erklärte der Behringersmühler Dietmar Winkler ( CSU ). Denn es sei nicht nur ein Mast, sondern die Summe der vielen Masten : insgesamt acht an der Zahl von drei verschiedenen Mobilfunkbetreibern im Gemeindegebiet. "Ich bin kein Mast-Gegner, aber mir fehlt die fachliche Begründung", meinte Winkler.

Reif fürs Guinness-Buch der Rekorde?

Auch dem Dritten Bürgermeister Manfred Hänchen ( CSU ) erschloss sich nicht, warum man im Umkreis von einem Kilometer Luftlinie gleich drei Masten brauche: einen auf dem Schweigelberg, einen oberhalb des Höhenschwimmbads und dann noch den BOS-Mast für Tüchersfeld unweit davon. "Irgendwann kommen wir damit ins Guinness-Buch der Rekorde ", vermutete der pensionierte Polizeichef. Er sei auch schon von Bürgern angesprochen worden. "Viele können drei Masten in diesem Bereich nicht nachvollziehen", sagte Hänchen. Außerdem wollten die Leute mitgenommen und informiert werden. "Für Kleingesee reicht die Abdeckung", betonte Maximilian Sebald (JUF). Denn warum solle man für Bärnfels und Geschwand einen Mast bauen, die den schon vor zwei Jahren nicht haben wollten? "Wenn mir das jemand alles schlüssig erklärt, habe ich kein Problem, Ja zu sagen", bekundete der CSU /JUF-Fraktionschef.

Experten sind gefragt

"Im Endeffekt bräuchten wir dann vier Experten, weil es verschiedene Anbieter sind", sagte Zimmermann. "Die reden ja miteinander, einer reicht", meinte jedoch Winkler. "Ich würde von jedem Anbieter einen herholen", widersprach Benno Beck (BMG). "Wir werden jemand Neutralen brauchen", argumentierte Geschäftsstellenleiter Peter Thiem und fragte: "Ist das dem Marktgemeinderat was wert?" Für Vogel dürfe ein Funkmast nicht der Feind sein, sondern müsse Freund werden. Winkler widersprach Gerüchten, dass der Funkmast am Schweigelberg auf seinem Grundstück gebaut werde.

Nun unterbrach Zimmermann die Sitzung. Nachdem die Köpfe in der Pause rauchten, beschloss der Rat einstimmig, Vertreter der Netzbetreiber Deutsche Telekom , Telefónica und Vodafone sowie einen Vertreter des bayerischen Mobilfunkzentrums zu einer Marktgemeinderatssitzung einzuladen, damit die Räte ihnen ihre Fragen stellen können. Bezüglich des Masts am Schweigelberg hat die Gemeinde kein eigenes Grundstück.