Wenn der Minijob zur Falle wird: Im Landkreis Forchheim sind im vergangenen Jahr rund 600 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse weggefallen. Ihre Zahl sank um sechs Prozent auf zuletzt 9500, wie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG Bau beruft sich dabei auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit .

„Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften, die weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das Arbeitslosengeld haben“, kritisiert Gerald Nicklas. Der Bezirksvorsitzende der IG Bau Oberfranken fordert, Betroffene besser zu schützen. Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden. In der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse besonders stark verbreitet und würden insbesondere für Frauen zum Armutsrisiko. Laut Arbeitsagentur zählten die Reinigungsfirmen im Kreis Forchheim Ende vergangenen Jahres rund 80 Beschäftigte, die einen Minijob als alleiniges Einkommen haben. Das sind 39 Prozent aller Arbeitnehmer der Branche.

„Falsche Anreize“

Die IG Bau rät Beschäftigten, die während der Pandemie ihren Minijob verloren haben oder um dessen Verlust fürchten, Hilfe bei der Gewerkschaft zu suchen. „Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize. Es ist höchste Zeit, die Sozialversicherungsfreiheit für 450-Euro-Jobs abzuschaffen“, sagt Nicklas. red