Während die bei einem Saisonabbruch zur Anwendung kommende Quotienten-Regelung im Herrenbereich weiter für reichlich Zündstoff sorgt und sich 50 Vereine bereits mit einem offenen Brief an den Bayerischen Fußballverband (BFV) dagegen wehren wollen (Tageblatt vom 13. April), herrscht nun auch im Jugendbereich Verwirrung. Zumindest bei den Kickern im Nachwuchsleistungszentrum Coburg.

Marcus Seiler, Vorstandsmitglied beim FC Coburg, bestätigt nämlich, dass der BFV den Verantwortlichen der Vestekicker jetzt mitgeteilt hat, dass deren Interpretation der BFV-Nachricht vom 30. März zur Auf- und Abstiegsregelung nicht richtig war. Bei den Junioren greift nämlich im Falle eines Saisonabbruches der zu Beginn der Saison beschlossene und den Vereinen mitgeteilte Paragraf 54 der Jugendordnung. Und darin heißt es: "Kann die Spielzeit Herbst 2020 nicht bis zum 31. Juli 2021 beendet werden, wird die Tabellenreihung anhand der Quotientenregelung ermittelt. Es erfolgt der Vollzug des festgelegten Auf- und Abstiegs." Im Gegensatz zu den Frauen, Männern und Mädchen ist also von einer Mindestanzahl an absolvierten und gewerteten Spielen keine Rede.

Aus diesem Grund greift also im Jugendbereich nicht die von den FCC-Funktionären erhoffte und vom BFV Ende März für den Herren- und Frauen-Bereich kommunizierte Regelung. Damals teilte der BFV mit, dass er infolge der Covid-19-Pandemie Regelungen hinsichtlich einer Wertung getroffen hat, sollten in der Zukunft Spielzeiten bei Frauen, Männern und Mädchen aufgrund höherer Gewalt, einer staatlichen oder kommunalen Verfügungslage nicht bis zum festgelegten Spieljahresende beendet werden können. Sollte dieser Fall in der Zeit nach dem 30. Juni 2021 eintreten, so werde die Saison abgebrochen und entsprechend der Quotienten-Regel gewertet, sofern bei 75 Prozent der Mannschaften aus der jeweiligen Spielgruppe mindestens 50 Prozent der Verbandsspiele ausgetragen oder durch die Sportgerichte gewertet wurden. Ansonsten werde die Saison für die Mannschaften aus der betroffenen Spielgruppe annulliert. Und dann käme es nicht zum Vollzug der amtlich veröffentlichten Auf- und Abstiegsregelung.

U15 und U17 müsste absteigen

In Konsequenz heißt dies, dass der im Falle eines Saisonabbruches von den NLZ-Verantwortlichen vermutete Nichtabstieg der U15 als auch der U17 falsch ist. Zwar wird in diesen beiden Ligen die 75/50-Prozent-Regelung nicht überschritten, aber wie ausgeführt gilt dies nicht bei den Junioren.

Dazu Seiler: "Nachdem derzeit alles nur im Konjunktiv diskutiert werden kann und es auch noch andere Entscheidungsparameter gibt, wollen wir uns als Verein derzeit nicht an weiteren Spekulationen öffentlich beteiligen, sondern wie bisher auch wünschen wir uns, sofern erlaubt und gesundheitlich vertretbar, eine sportliche Regelung auf dem Platz. Losgelöst davon werden wir uns natürlich vereinsintern mit dem Gesamtthema weiter beschäftigen." Seiler bittet im Namen des Vereins abschließend um Entschuldigung für die durch die "gut gemeinte aktive Kommunikation entstandenen Irritationen" - sowohl beim BFV, bei den Trainern und natürlich bei allen Spielern. "Dass dies Hoffnungen geweckt hat, ist nachvollziehbar." oph