Durch einen überzeugenden 5:1-Derbytriumph über den SV Friesen hat der FC Coburg am neunten und letzten Spieltag der Hinrunde der Vorrundengruppe 1 der Landesliga Nordwest die Gäste aus dem Frankenwald in der Tabelle überflügelt und nimmt unter den vier Klubs aus dem Fußballkreis Coburg/Kronach aktuell die Vormachtstellung ein. Im Vorfeld hatten die meisten der 320 Zuschauer im Dr.-Stocke-Stadion eine ausgeglichene Partie erwartet, doch es kam anders.

Landesliga Nordwest

FC Coburg - SV Friesen 5:1 (3:1)

Obwohl die Hausherren in der 5. Minute kalt erwischt wurden und durch einen Treffer von David Daumann 0:1 in Rückstand lagen, erwiesen sie sich in der Folgezeit eindeutig als Dominator. Sie brachten der Truppe von Ex-Profi Armin Eck eine empfindliche Niederlage bei, die durchaus noch höher hätte ausfallen können.

In einem temporeichen Match ohne Abtasten schalteten die Vestekicker von Beginn an auf Angriffsmodus und wurden belohnt. Der Schachzug ihres Coaches Lars Müller, seinen in glänzender Form befindlichen Kapitän Davide Dilauro erstmals aus der Viererkette ins Mittelfeld zu beordern, wo er zusammen mit Eric Heinze als Doppelsechs die Fäden spann, trug reichlich Früchte.

Die Friesener, die anfangs durch einige geradlinige Pässe in der Spitze Verwirrung stifteten, schafften es nicht, nach ihrer Führung die Gunst der Stunde zu nutzen. Sie fanden gegen das frühe Pressing, die Kombinationssicherheit und die exakten Flügelwechsel des Widersachers in der Folgezeit kein Rezept und tappten von einer Verlegenheit in die nächste.

"Rasenschach" der Vestekicker

Das 0:1 durch Daumann auf Pass des Ex-Coburgers Lukas Mosert erwies sich für Coburg diesmal nicht als Bumerang, sondern als Dosenöffner. Angriff auf Angriff rollte auf das Gehäuse des Gegners zu und überrannten diesen zwischen der 22. und 33. Minute regelrecht. Zunächst vermochte Keeper Tobias Bauerschmidt, der später mit Rückenproblemen ausgewechselt werden musste, mehrfach Unheil zu verhindern, doch die Viererkette des Gastes war ohne den verletzten Abwehrchef Andreas Baier dem Rasenschach des FCC nicht gewachsen.

Dessen Regisseur Aykut Civelek stellte nach einem finalen Anspiel von Dilauro mit einem trockenen Flachschuss zum 1:1 die Weichen auf Sieg. Die heimische Sturm- und Drangphase hielt unvermindert an. Flügelflitzer Ricardo König (27.) auf Vorarbeit von Youngster Elias Müller und Dilauro nach einem schulmäßigen 40-Meter-Diagonalpass von Maximilian Weinreich mit Einschlag zum 3:1-Pausenstand schufen klare Verhältnisse. Armin Eck versuchte nach dem Seitenwechsel die tiefen Risse seiner Defensive mit der Umstellung auf Dreierkette und Verdichtung des Mittelfeldes zu glätten und Schadenbegrenzung zu betreiben. Fast wäre ihm damit ein zweiter Überraschungscoup gelungen. Nils Firnschild (48.) schickte Daumann steil, der allerdings freistehend aus kurzer Distanz an Torhüter Oleksandr Churilov scheiterte, der glänzend reagierte. Das war es aber auch schon mit der Friesener Herrlichkeit, weil deren Goalgetter Rico Nassel, der es bislang auf fünf Treffer brachte, von seinem Bewacher Jonathan Baur zur Wirkungslosigkeit degradiert wurde.

Die Müller-Schützlinge zogen weiterhin unbeirrt ihre Kreise. König und Daniel Sam sorgten jeweils nach Blackouts von überforderten Akteuren des Widersacher für den standesgemäßen 5:1-Endstand. Der FC Coburg, der es sich anschließend leisten konnte, das Tempo herauszunehmen und Nachwuchskräfte Spielpraxis ermöglichte, bot eine geschlossene Mannschaftsleistung. Beim Verlierer setzte lediglich der agile Daumann Ausrufezeichen.

Stimmen zum Spiel

Lars Müller (FC Coburg): "Wir haben uns schnell vom 0:1 erholt und rechtzeitig drei Riesentore gemacht. Unsere aggressive Einstellung passte, wir waren häufig einen Schritt schneller als Friesen. Gegenüber unserer schwachen Vorstellung eine Woche vorher in Memmelsdorf war das ein deutlicher Schritt nach vorne. Auch die Chancenauswertung war gut."

Armin Eck (SV Friesen): "Für uns war das heute ein gebrauchter Tag. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen, waren gedanklich und läuferisch oft zu spät dran, leisteten uns viele Fehlpässe und haben in den entscheidenden Phasen 90 Prozent der Zweikämpfe verloren. Wir wussten um die Coburger Stärken, fanden dagegen aber keine Mittel.