Fasten ist gesund - dazu gibt es heute zahlreiche wissenschaftlich gesicherte Kenntnisse. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch richtiges Fasten etwa Rheuma, Bluthochdruck oder hohe Zuckerwerte zurückgehen. Aber auch, so erklärt es die ärztlich geprüfte Fastenleiterin Birgit Lang aus Untermerzbach, das geistige Befinden verbessert sich. Denn: "Fasten ist mehr als: ,Ich verliere jetzt fünf Kilo'", sagt sie. Neben den positiven Effekten auf den Körper, "wird auch immer etwas im Kopf angestoßen."

Lang gibt den Kurs "Fasten im Alltag für Gesunde", den unter anderem die Volkshochschule Haßberge oder die Zeiler Entspannungspraxis "Luna" anbietet. Inhaltlich richtet sich der Kurs nach den Erkenntnissen des deutschen Arztes Otto Buchinger, dem Begründer des Heilfastens. Bei dieser Methode verzichten Teilnehmer auf die Einnahme fester Nahrung, "es wird nichts gekaut in dieser Zeit", erklärt Birgit Lang.

Die tägliche Energiezufuhr liegt bei 300 bis 400 Kalorien, maximal 500, die man über Obst- und Gemüsesäfte aufnimmt. So kommt der Körper an wertvolle Mineralstoffe und Vitamine. Wegen der verringerten Energiezufuhr ist das Fasten zeitlich beschränkt. Lang gibt in ihren Kursen als Zeitspanne eine Woche vor, wer es etwas verlängern möchte, kann auch bis zu zehn Tage fasten. Zwar sind laut Lang auch noch längere Zeitspannen möglich, allerdings wird so etwas in Fastenkliniken praktiziert und da soll das Fasten der Heilung dienen, wenn man bereits erkrankt ist. Ihr Kurs richtet sich an Gesunde, "das ist präventiv".

Das Fasten nach Buchinger beginnt mit einer Darmreinigung, dazu trinken Teilnehmer zum Beispiel in Wasser gelöstes Glaubersalz, das die Entleerung des Darmes ankurbelt. Über den gesamten Fastenzeitraum wird dann nicht gegessen. Die ersten Tage seien dabei die schwierigsten, da sich der Stoffwechsel umstellt und man sich die vorigen Essroutinen abgewöhnen muss, erklärt Lang, allerdings sei es keineswegs so schlimm, wie sich mancher das vorstellt. "Das ist nämlich kein Hungern." Wer sich zum Fasten entschlossen hat, schafft das in der Regel problemlos, "es muss einfach ,Klick' machen".

Während und nach dem Ende des Fastens könne man feststellen, wie sich das körperliche Befinden positiv verändert, der Darm etwa habe in dieser Zeit Urlaub, kann sich erholen, Zellen regenerieren. Und auch im Kopf passiere etwas, man entwickelt laut Lang wieder ein Bewusstsein für die Nahrungsaufnahme, überdenke seine Essgewohnheiten. Bildlich gesprochen sei das Fasten wie das Betätigen eines Resetknopfs für den Körper, man bekomme wieder ein Gefühl dafür: "Was tut mir gut? Und was sollte ich für mich ändern?" Fasten hat demnach auch etwas mit Achtsamkeit zu tun, sich selbst und seinem Körper gegenüber.

Tabu sind in der Heilfastenwoche übrigens Koffein, Tein und Alkohol. Es gibt neben dem Heilfasten weitere Methoden wie das Intervallfasten. In vielen Kulturen wird auch aus religiösen Gründen gefastet. Und Alkohol ist nicht immer ein Tabu dabei. Warum sonst gibt es bei vielen Brauereien nun Fastenbock? Max Göller von der gleichnamigen Zeiler Brauerei erklärt: Die Mönche in den Klöstern haben zur Fastenzeit meist ein stärkeres Bier eingebraut (höhere Stammwürze = höherer Nährstoffgehalt sowie höherer Alkoholgehalt), um ein nahrhaftes Lebensmittel zu haben, das den Regeln entspricht, denn es gibt den Spruch: "Flüssiges bricht das Fasten nicht!" Clever von den Mönchen. Das Helle Bockbier der Zeiler Brauerei setzt diese clevere Tradition fort, zur Fastenzeit wird der Bock am Samstag angestochen. al