Seit fast 35 Jahren kultiviert Hans-Jürgen Buchner alias Haindling seinen Musikstil, der geprägt ist von einer wilden Mixtur aus exotischen Klängen und unterschiedlichsten Einflüssen - immer versehen mit der unverkennbaren Handschrift Buchners. Am 4. August ab 20.30 Uhr ist Haindling im Schlossinnenhof von Tambach im Rahmen des HUK-Open-Air-Sommers zu hören. In einem Interview mit dem CT denkt Hans-Jürgen Buchner über seinen Erfolg nach.

35 Jahre Haindling - was für ein außergewöhnliches Jubiläum. Zunächst Glückwunsch dazu. Hätten Sie im Traum damals diese tolle Karriere erhofft?
Hans-Jürgen Buchner: Zunächst vielen Dank für die Glückwünsche. Ja, hoffen auf so einen Erfolg kann man ja nun eigentlich nicht. Wünschen, ja wünschen schon eher. Es ist ja nicht vielen dieses Glück wie mir beschert. Rundum einen halben Lebenslauf mit Musik zu verbringen, ist schon wunderbar, da bin ich sehr dankbar!

Und damals haben Sie ja Ihre musikalischen Schritte eher als Hobby begonnen, oder?
Doch, das stimmt. Ich bin richtiger Porzellanmeister, habe dabei 16 Lehrlinge ausgebildet. Früher kam ich schon mit der Musik in Berührung, das war im vierten Lebensjahr. Vor gut 40 Jahren ist die Geschichte mit Pop- und Musikfestivals angelaufen, und ich war begeistert von diesen Erlebnissen. Daraufhin habe ich angefangen, selbst eine Band gründen zu wollen, aber irgendwie bin ich nur auf Typen gestoßen, die englische Musik zum Ziel hatten, so in Richtung Jimi Hendrix. Ich dagegen war fixiert auf bayerische Musik, um das auszudrücken, was ich fühle und denke, eben authentisch. Erst Trompete, dann Keyboard, es folgten weitere Instrumente. Mit einem Vierspur-Tonbandgerät habe ich alles hintereinander aufgenommen. Das waren die Anfänge von Haindling.

Korrigieren Sie mich, aber die Alben "Ein Schaf denkt nach" (2009) und die Kinoverfilmung von Joseph Vilsmaiers "Traumreise nach Bayern" (2012) waren die letzten beiden richtigen Albumveröffentlichungen. Wird es zeitnah denn ein neues Album geben?
Ja, das sind die beiden letzten Alben. Und ebenso ja, etwas Neues ist im Raum, eigentlich fertig, aber nicht fertig geworden. Leben besteht ja nicht nur aus Musik. Man muss auch abschalten, einfach einmal nichts tun. Es hat mir in letzter Zeit nicht mehr gar so pressiert. Deswegen wird sich der Veröffentlichungstermin verzögern. Aber, sozusagen vorab, wird es wohl im Herbst ein Klavieralbum geben, eben auf dieses Instrument beschränkt, aber natürlich mit Gesang, eben wie schon bewundert in meinem Zugabenteil bei Livekonzerten. Und danach, 2018, erscheint dann das "richtige" neue Haindling-Werk. Wahrscheinlich halt.

Die Jubiläumstour führt Sie auch wieder in unsere Region, genauer gesagt in den Schlossinnenhof nach Tambach während des HUK-Open-Air-Sommers. Zweifelsfrei darf man Sie und Ihre Band als konstante Stammgäste bezeichnen. Was liegt Ihnen an Tambach so am Herzen?
Ach, ich mag den Tambacher Wildpark und das Ambiente. Die Greifvögel haben es mir ungeheuer angetan. Ich finde dort einfach alles sehr schön und man fühlt sich stets als Freund willkommen geheißen. Toll ist es zudem, dass immer wieder Besucher aus den benachbarten Bundesländern kommen.


Beruflich in Coburg

Und übrigens schon zu früheren Zeiten war ich oft in Coburg, also zu einem Zeitpunkt, wo die Keramik für mich noch im Vordergrund stand. Genannt sei hier die Keramikwerkstatt Franz Denk oder die leider nicht mehr existente Firma Wagner für Porzellanmasse. Und ja, auf der Veste Coburg habe ich sogar auch einmal Werke von mir ausgestellt.
Mit Blick auf Ihren derzeitigen Tourneekalender ... Sie sind sowohl Open Air als auch in der Halle live unterwegs. Wo selbst fühlen Sie sich am wohlsten?
Wenn das Wetter schön ist und der Abend beginnt, so langsam Einzug zu halten, dies alles noch auf einem Wohlfühlplatz, bei herrlicher Luft im Freien ... was will man da eigentlich mehr? Aber, wenn's regnet, dann präferiere ich doch lieber die Halle. Der Bühnen- und auch Besucherbereich kann besser als beim Open Air ausgeleuchtet werden. Zugegeben, wir sind ja nicht Rammstein, aber eine Halle hat halt auch ihre Vorteile. Die Stimmung ist meist intimer, die Leute können dank der Mauern nicht entwischen und den Applaus nimmt man als Künstler verstärkter wahr.

Schaut man während eines Konzertes durch die Besucherreihen, wird einem schnell klar: Haindling spricht ein breit gefächertes Publikum an. Worauf führen Sie diesen übergreifenden Erfolg zurück?
Doch, das bemerke ich auch immer wieder. Teile von meinem Publikum sind 25 oder nahezu schon 30 Jahre mit der Musik von Haindling aufgewachsen. Eben daraus resultierend, dass die Eltern schon meine Lieder gehört haben. Diese Stimmung hat sich auf die Kinder übertragen.
Und überhaupt, Mundart wird immer moderner und beliebter. Mir selbst ist der Anspruch meiner Lieder wichtig, mal nachdenklich, dann wieder mit jeder Menge Fröhlichkeit.

Wie kann der Zuhörer sich die Komposition eines Haindling-Liedes vorstellen? Wie gehen Sie meistens vor, um einen Song umzusetzen?
Einfälle habe ich überall. Aus Nachrichten, dem Alltag, von Worthülsen. Manchmal benötigt ein Lied Jahre, bis es veröffentlicht wird. Es vollzieht eine Entstehungsgeschichte. Aber ansonsten, wenn ich etwas speichern möchte, bediene ich sofort meinen Pocketrecorder, auch im Auto. Über 1000 Entwürfe habe ich somit schon gesammelt und das spätere Raussuchen gestaltet sich schon sehr schwierig. Also, ich bin jedenfalls den ganzen Tag gut beschäftigt.

Jubiläumstour 2017 ... doch wie sieht die Zukunft von Haindling aus? Was haben Sie und Ihre Musiker sich vorgenommen?
Wer weiß schon, was das Leben noch so mit sich bringt? Aber Wünsche habe ich schon. Weiterhin jung im Kopf bleiben, das würde mich freuen. Eben so lange, wie es geht, Spaß haben. Und klar, Gesundheit, denn ohne die geht ja nun nichts. Mein Fazit: keine großen Wünsche, einfach alles so schön bleiben wie bisher!

Das Gespräch führte
Rolf Krebs.