Andreas Lösch

Es hat ihn nicht mehr los gelassen. Seit Erwin Koch 1991 erstmals mit eigenen Augen und von ganz nah den havarierten Reaktor von Tschernobyl sah, war ihm klar: Diese Region braucht Hilfe, aber nicht nur heute und morgen, sondern über einen sehr langen Zeitraum.
"Die Menschen leiden bis heute unter den Folgen der Katastrophe", sagt der Unfindener Jahrzehnte später, als er in Zeil eine Dankesbotschaft überbringt, die ihm die Präsidentin der Tscherkaser Gebietsorganisation der Invaliden "Tschernobyl Kinder", Olga Jantschuk, mit auf den Weg gegeben hat. Im Zeiler Hexenturm, wo derzeit Bilder gezeigt werden, die Kinder und Jugendliche aus der Region um Tschernobyl im Zeitraum von 1995 bis 2016 zum Reaktorunglück von 1986 gemalt haben, überreichte er Bürgermeister Thomas Stadelmann und VHS-Außenstellenleiterin Petra Hohenberger symbolisch Dankesurkunden. Dieser Dank gelte jedoch der gesamten Region, betonte Koch.


Mehrmals im Jahr in die Ukraine

Im Schnitt etwa drei Mal pro Jahr war Erwin Koch seit 1991 in die Region um Tschernobyl gereist, um den Menschen vor Ort zu helfen. Er organisierte zahlreiche Hilfsgütertransporte, so kamen Medikamente, Schulausrüstung, medizinisches Gerät, Geldspenden und vieles mehr dort an. Die Kontakte vor Ort hat er direkt geknüpft und immer darauf geachtet, dass Sach- und Geldspenden auch da ankommen, wo sie gebraucht werden. Heute, mit 70 Jahren, kann Koch aus gesundheitlichen Gründen zwar nicht mehr die großen Lkw-Transporte organisieren und begleiten, aber per Flugzeug reist er immer noch jährlich in die Ukraine und bringt mit, was benötigt wird. Zudem hat Koch mit seinem Verein "Hilfe für Tschernobyl-Kinder" rund 100 Patenschaften organisiert, durch die ukrainische Kinder von Menschen aus dem Landkreis unterstützt werden.


Aufmerksamkeit bekommen

Die Menschen vor Ort sind froh, dass jemand wie Koch da ist und dass er auch in seiner Heimat im Landkreis Haßberge immer wieder die Aufmerksamkeit auf die Katastrophe von 1986 und ihre Folgen lenkt: Im Zeiler Hexenturm überreichte der Unfindener gestern mehrere Urkunden, die ihm Olga Jantschuk mit auf den Weg gegeben hat.
Darin schreibt die Frau, dass sie sehr dankbar ist, dass jemand die "Aufmerksamkeit der Gesellschaft" auf die betroffenen Kinder lenkt und so die hiesige Bevölkerung auch "über die nach 30 Jahren der Tschernobylkatastrophe entstandenen Probleme" informiert, wie Langzeitfolgen durch die Strahlung oder genetische Defekte bei nachfolgenden Generationen. Dass viele Kommunen und auch Organisationen wie die Volkshochschule (VHS) im Kreis Haßberge Erwin Koch eine Plattform bieten für Ausstellungen und Vorträge und dass Zeitungen wie der Fränkische Tag darüber berichten, also die Herstellung von Öffentlichkeit gewährleisten, ist laut Olga Jantschuk eine wichtige Stütze.