Beim Reizwort Deponie hat man in Rugendorf von Anfang an an - inzwischen verbotene - Hausmülldeponien gedacht, die ausgasen und schadstoffbelastete Sickerwässer ausscheiden. Der Widerstand gegen das Vorhaben der Firma Schicker Umwelt, jenseits des Industriegebiets zwei Deponien für nicht mehr benötigte Baumaterialien anzulegen, war deshalb groß. Der Gemeinderat musste sich am Montagabend erneut mit dem Thema befassen, und zwar - wie Martin Weiß eingangs beantragt hatte - nicht hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich.

Bei mehreren Treffen und einer öffentlichen Veranstaltung für die Bürger hatte Schicker-Geschäftsführer Bernhard Leutheußer immer wieder erklärt, dass die professionelle Deponie sicher und durch das Abfallrecht sehr strikt reglementiert sei. Der Gemeinderat billigte das Vorhaben am Ende, zumal die Deponien nach dem Verfüllen renaturiert werden und auch optisch verschwinden.

Nun möchte Schicker aber die damals vorgestellte Planung erweitern, unter anderem den Abbau von Ton nach Süden ausdehnen.

Dagegen kamen in der Gemeinderatssitzung am Montagabend abermals Bedenken hoch. Eine Ewigkeits-Deponie? Wie viele Grundstücke kauft Schicker noch? Wie lange wird das Loch die schöne Landschaft noch verschandeln, bis endlich die versprochene blühende Landschaft wiederhergestellt ist? Fragen über Fragen.

Bereits vor drei Jahren hatte die Firma Schicker Umwelt den Gemeinderat und die Bevölkerung über die Pläne informiert. Die erste Deponie ("DK 0") ist seit Jahresbeginn bereits in Betrieb: Der alte Steinbruch wird mit nicht belastetem ehemaligem Baumaterial wieder aufgefüllt. Wenn er voll ist, wird der Berg begrünt - nach dem Prinzip "was aus dem Steinbruch einst entnommen wurde, soll wieder zurück in den Berg".

Auf Halde gelegt

Die zweite Deponie ("DK 1") vor dem Wald ist nach wie vor in Planung. Materialien werden jetzt schon auf Halde gelegt, Gruben für die Endlagerung ausgehoben. Die Sole ist mit dort vorhandenem Ton abgedichtet, so dass Ausschwemmungen des später gelagerten gering belasteten Baumaterials nicht versickern oder gar ins Grundwasser gelangen können.

"Wir bauen keine Mülldeponie, in der Abfall gesammelt wird", verdeutlichte Schicker und sagte zu, dass es durch die Bau- und Lagervorhaben zu keinen Belastungen der Umwelt kommen werde. Dabei wies er auch darauf hin, dass seine Firma bereits in der fünften Generation in der Region ansässig und mit dieser verbunden sei. Man betreibe keine Firma, die "irgendwo einen Haufen hinterlässt und sich dann davonmacht."

Schicker wandte sich immer wieder gegen Befürchtungen, dass aus bloßem Gewinnstreben Dinge vergraben würden, die längerfristig schädlich sein könnten. "Mir fehlt der Glaube, was die Sicherheit angeht", hatte der frühere Bürgermeister Dieter Oertel geäußert.

Eine weitere Skeptikerin, Brigitte Radtke, ist mittlerweile in den neuen Gemeinderat gewählt und bohrt dort mit detaillierten Fragen immer wieder nach, ob die Absichtserklärungen auch der Wirklichkeit entsprechen werden. Am Montag forderte sie nun gar eine juristisch unangreifbare schriftliche Erklärung von Schicker darüber, dass die Deponie garantiert sicher ist. Dies auch vor dem Hintergrund, dass bei einer dennoch vorkommenden Kontaminierung der Umwelt nicht die Gemeinde "auf ihre Kosten den Mist wegräumen" muss.

Kritik an Salami-Taktik

Mit dem jetzt vorgestellten Vorhaben, die Fläche der "DK1" annähernd zu verdoppeln, hat der Gemeinderat nun ein weiteres Problem. "Bleibt die Fläche dann wie vorgesehen oder wird sie immer wieder erweitert?", fragte Bürgermeister Gerhard Theuer. Der Abstand zum ersten Gebäude betrage jetzt schon nur 170 Meter. Auch wollte er wissen, ob die Wassergräben und das Rückhaltebecken ausreichen oder die Kläranlage angepasst werden müsste. Dass Schicker nicht bereits von Anfang an ein vollständiges und abgeschlossenes Projekt vorgestellt hatte, stieß ebenfalls auf Kritik im Gemeinderat. Von Salami-Taktik war die Rede. Schicker habe zunächst von etwas Kleinem geredet, eigentlich aber ein Großprojekt im Hinterkopf.

Martin Hohlweg und Martin Weiß stellten fest, dass ein Erholungsgebiet nun für einen noch längeren Zeitraum beeinträchtigt werden. Sie sprachen sogar von einem "Loch für drei Generationen". Matthias Rödel wurde noch deutlicher: "Wir wollen Rugendorf weiterentwickeln. Die Deponie ist jetzt schon von den tiefer liegenden Häusern einsehbar. Wir haben Zugezogenen eine wunderbare Landschaft versprochen, sollen wir die nun wieder verprellen?"

Hohlweg und Johannes Heyl verlangten klare Aussagen über das finale Projekt. Bernhard Leutheußer wies den Vorwurf der Salami-Taktik zurück. Die Erweiterung des Tonabbaus habe sich erst bei der Entwicklung des Projekts aus wirtschaftlichen Erwägungen ergeben. Überhaupt sei die "DK1" nach wie vor erst in Planung, es würden noch Gutachten benötigt. Beschlossen sei noch nichts, geschweige denn genehmigt. "Wir sichern Ihnen eine offene und transparente Information und Kommunikation zu."