Auch in diesem Jahr findet kein Kreiserntedankfest des BBV-Kreisverbandes Kulmbach statt, sondern Kreisobmann Wilfried Löwinger hatte mit Blick auf Corona erneut zu einem Ernte-Gespräch eingeladen, an dem auch Landrat Klaus Peter Söllner und Kreisbäuerin Beate Opel teilnahmen.

Löwinger bedauerte, dass das Erntedankfest in der Bevölkerung gar nicht mehr so recht wahrgenommen werde, weil alles für selbstverständlich gehalten werde. Nach drei Trockenjahren bescherte das Wetter den Bauern "ein fast normales" Jahr, wie es der BBV-Kreisobmann bezeichnete, wobei ab und zu über zu viel Regen und zu wenig Sonne geklagt wurde. Diese Wetter-Kapriolen machten vor allem die laufende Ernte schwierig, wie zuletzt am Wahlsonntag, als es in der Nacht in manchen Bereichen des Landkreises Kulmbach 100 Liter pro Quadratmeter regnete. Löwinger: "Ansonsten war die Landwirtschaft vom Wachstum ganz zufrieden, vor allem die Futterernte war sehr gut. Wir hatten größere Mengen und auch der Mais steht sehr gut. Es war auch wichtig für uns Bauern, dass wieder ein normales Jahr kam, weil die Futtervorräte wieder aufgefüllt werden konnten."

Im Getreidebau hoffte man eine erfolgreiche Ernte, weil sich die Bestände super präsentierten. Nach den Worten von Löwinger dürfe man aber nicht "lamentieren", auch wenn es nur eine Durchschnittsernte war. Der Unterschied zum letzten Jahr bestand darin, dass die Bestände zwar mitunter mickrig waren, aber das Korngewicht entsprechend hoch war. Ein Zeichen, so der Kreisobmann, dass bei der Kornreife auch die Sonne ein wichtiger Faktor ist. Seiner Meinung nach war es in gewissen Vegetationsphasen zu nass und zu wenig sonnig.

"Insgesamt war die Ernte in Ordnung, auch wenn sie für zehn Tage durch den Regen unterbrochen wurde. Im Unterland waren wir zu bald fertig und im Oberland war noch sehr viel Getreide gestanden, das vor allem bei der Braugerste zu Auswüchsen führte. Aber wir müssen eben mit dem Wetter und der Natur leben und wir wissen auch, dass die Ernte nicht selbstverständlich ist." Das werde vielfach auch vom Verbraucher vergessen und wichtig sei nur, dass die Regale in den Supermärkten zu jeder Jahreszeit voll sein müssen, so der Kreisobmann kritisch, und keiner wisse eigentlich, wo die Produkte herkommen und wo sie erzeugt werden.

Wilfried Löwinger ging auch auf die seiner Meinung fehlende Wertschätzung für die landwirtschaftlichen Produkte und die sorgfältige Arbeit ein, die tagtäglich von den Bauern draußen erledigt wird, damit die Bevölkerung qualitativ hochwertige Lebensmittel in reichlicher Menge auf den Tisch bekommt. "Das ist der Punkt, der mich immer mehr ärgert und unsere Bauern auch bedrückt. Keiner redet mehr von Lebensmittelerzeugung, sondern es geht nur noch um Naturschutz, Klimaschutz und Tierschutz. Das ist natürlich wichtig, aber das haben unsere Bauern schon immer gemacht. Die wirtschaftliche Situation interessiert keinen mehr."

Was die Forderung nach einem Umbau in der Landwirtschaft angeht, machte der BBV-Kreisobmann deutlich, dass hier Bauern alles mitgemacht haben: "Aber jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, wo es fachlich nicht mehr nachvollziehbar ist und viele Entscheidungen auch fachlich nicht mehr zu bewerkstelligen sind. Auch die Auflagen und die Bürokratie sind manchmal unverständlich. Die Politik versteckt sich immer dahinter, dass es die Gesellschaft fordert. Ich bin der Meinung, die Gesellschaft kann nur so viel fordern, wie die Politik es zulässt. Wir steuern auf einen Strukturwandel zu, den wir bisher nicht gekannt haben."

Löwinger gab sich überzeugt, dass die Bauern das nicht mehr mitmachen und verwies auf die Schweinehalter als Vorreiter. Die Gewinnmargen in der Lebensmittelbranche sind für Löwinger zu hoch und die reichsten Menschen in Deutschland seien die Bosse der großen Lebensmittelkonzerne: "Ich habe kein Problem damit, aber es kann nicht alles auf die Erzeuger abgewälzt werden. Wir müssen unser Auskommen haben, aber es ist auch Aufgabe der Politik, das in die Köpfe der Gesellschaft reinzubringen."

Die Bauern fordern eine fachlich fundierte Politik mit klaren Aussagen, damit die Landwirtschaft für die Zukunft gestärkt wird. Mit Geld allein könne man nicht alles ausgleichen, wie Löwinger anmerkte, und der Nachwuchs in der Landwirtschaft brauche Planungssicherheit.