Einen stolzen 90. Geburtstag feierte Hannelore Rabitzsch am Freitag. 1955 flüchtete die gebürtige Thüringerin mit ihrem Mann und zwei Kindern im Alter von vier und sieben Jahren nach Westdeutschland, "eine alte Geschichte", wie sie erzählte, die aber noch immer berührt.

"Freunde hatten sich damals in den Westen abgesetzt, und mein Mann wurde für einen mutmaßlichen Fluchthelfer gehalten - da hatten wir keine Zukunft mehr", sagte sie. Sie teilten sich und flüchteten getrennt ins Rheinland, die Ehefrau mit einem Kind auf direktem Weg, der Mann mit dem anderen Kind über Berlin. Aber da die Beschäftigungssituation für den gelernten Buchdrucker dort nicht günstig war, bewarb er sich bei Baumann Druck in Kulmbach.

Hier fand die Familie eine neue Heimat, und Hannelore Rabitzsch arbeitete zunächst als Verkäuferin bei der Firma Wunder und schließlich als Kauffrau in der Storchenmühle. "Dort war ich 24 Jahre lang." Ihre Arbeit, ihr großer Garten, die Kinder und das Haus hielten sie ihr Leben lang beschäftigt und auch fit. Sogar mit einem Computer und Smartphone kann die Jubilarin auch heute noch umgehen, ihre eigene Geschichte schreibt sie aber lieber per Hand für die nachfolgende Generation auf.

Gerne denkt sie an ihre vielen Reisen zurück, besonders im Gedächtnis blieben ihr die Reiseziele Brasilien und die Vereinigten Staaten. "Dort waren wir sieben Wochen mit dem Wohnmobil an der Westküste unterwegs", erzählte die einst begeisterte Camperin.

Zu ihrem 90. Geburtstag kann sie sich auf den Besuch einer großen Familie freuen, denn neben den beiden Töchtern hat Hannelore Rabitzsch fünf Enkel und elf Urenkel, auf die sie stolz sein kann. Uschi Prawitz